Coronavirus 17. August: Merkel hält weitere Lockerungen für ausgeschlossen

Kanzlerin Merkel hält weitere Corona-Lockerungen aufgrund der Infektionszahlen derzeit für nicht machbar. Eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes zur Abfederung der Wirtschaftskrise sieht sie aber "positiv". Finanzminister Scholz hatte eine Ausweitung auf 24 Monate vorgeschlagen. An der Unimedizin Magdeburg wird unterdessen an einer therapeutischen Impfung auf der Basis von T-Zellen geforscht, die Coronaviren im Körper aufspüren und beseitigen. Alle Entwicklungen im Ticker.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU
Bundeskanzlerin Angela Merkel schließt weiteer Corona-Lockerungen aus. Bildrechte: IMAGO/FlorianxGaertner/photothek.net

Unser Ticker am Montag, 17. August 2020, endet hiermit. Vielen Dank für Ihr Interesse. Aktuelle Meldungen und Hintergründe zum Coronavirus und zu Covid-19 finden Sie unter mdr.de/coronavirus.

21:00 Uhr | Merkel: Keine weiteren Lockerungen möglich

Angesichts der aktuellen Infektionszahlen sind weitere Lockerungen von Corona-Auflagen in Deutschland unwahrscheinlich. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Zahlen in einer CDU-Präsidiumssitzung besorgniserregend, aber noch beherrschbar.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigt vor einem Treffen am runden Tisch im Rahmen des EU-Gipfels.
Merkel: "Besorgniserregend, aber beherrschbar." Bildrechte: dpa

Es könne deswegen derzeit keine weiteren Lockerungen geben. Dies gelte auch für Fußballspiele. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn äußerte Befürchtungen vor verstärkten Ansteckungen auf Familienfeiern und anderen Festen und regte an, erneut über die erlaubte Größe solcher Veranstaltungen zu beraten. In den Bundesländern gelten dazu unterschiedliche Regelungen. Zum Teil sind inzwischen wieder Innenveranstaltungen mit mehreren hundert Teilnehmern erlaubt.

18:14 Uhr | Auch Merkel will Kurzarbeitergeld verlängern

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht einer möglichen deutlichen Verlängerung des Kurzarbeitergelds "grundsätzlich positiv" gegenüber. Das hat Regierungssprecher Steffen Seibert mitgeteilt. Die Maßnahme habe Millionen Jobs in den Unternehmen erhalten. Einzelheiten müssten nun von den Koalitionsparteien besprochen werden. Das Kurzarbeitergeld habe maßgeblich dazu beigetragen, das Deutschland der weltweiten Krise verhältnismäßig gut standhalte. Zuvor hatte Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz der "Bild am Sonntag" gesagt, er wolle die Bezugsdauer für das Kurzarbeitergeld auf 24 Monate verlängern. Auch CSU-Chef Markus Söder bekräftigte seine Unterstützung für den Vorstoß.

17:26 Uhr | Charité-Forscher plädieren für volle Konzertsäle

Forscher der Berliner Charité haben sich für vollbesetzte Säle in Konzert- und Opernhäusern ausgesprochen. In einer Stellungnahme mehrerer Charité-Institute heißt es, Voraussetzung sei, dass ein Mund-Nasen-Schutz von allen Besuchern korrekt getragen werde. Institutsdirektor Stefan Willich sagte dem RBB, das Publikum von Klassik-Veranstaltungen sei diszipliniert und habe ein aufgeklärtes Verständnis für gesundheitliche Zusammenhänge. Zudem werde während der klassischen Konzerte nicht gesprochen. Mit einer strengen Maskenpflicht sowie weiteren Schutzmaßnahmen sei ein sicherer Konzert- und Opernbetrieb auch in voll besetzten Sälen möglich.

16:01 Uhr | Magdeburger Immunologen entwickeln therapeutische Impfung gegen Corona

Die Herdenimmunität einer Bevölkerung durch Infektion oder Impfung gilt als erstrebenswerter Schutz gegen das Coronavirus. Verschiedene internationale Studien, die auf eine hohe Verbreitung von Antikörpern gegen Sars-Cov-2 hinweisen, machen Hoffnung. Doch Antikörper allein garantieren noch lange keine Herdenimmunität, warnt die Magdeburger Immunologin Prof. Monika Brunner-Weinzierl. Sie und ihr Team forschen an einer therapeutischen Impfung auf der Basis von T-Zellen, die Coronaviren im Körper aufspüren und beseitigen. Die Impfung soll Risikopatienten absehbar helfen. Mehr zum Thema finden Sie hier:

13:45 Uhr | GEW rechnet nicht mit Attest-Überprüfung

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Sachsen erwartet nicht, dass das Land die Corona-Atteste von Lehrern überprüfen lässt. Der stellvertretende GEW-Landeschef Jens Risse sagte MDR AKTUELL, im Vergleich zu anderen Bundesländern sei der Anteil der Lehrer bisher gering, die sich vom Präsenzunterricht hätten befreien lassen. Es gebe keinerlei Anzeichen aus dem Kultusministerium, dass diese Atteste überprüft würden. Man sei sich mit dem Ministerium einig, dass Arbeit für Lehrer und Erzieher kein Gesundheitsrisiko darstellen dürfe. Maßnahmen, wie sie jetzt in Schleswig-Holstein gefahren würden, seien für Sachsen nicht zu erwarten. In dem norddeutschern Bundesland hatten 2.000 Lehrer ein Attest vorgelegt. Das Bildungsministerium in Kiel ordnete eine Überprüfung an. Nur 100 Atteste wurden anerkannt.

13:22 Uhr | Mehr Flüge von sächsischen Flughäfen

Von den Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden sollen bald wieder mehr Flüge gehen. Wie die Mitteldeutsche Flughafen AG mitteilte, nimmt die Lufthansa-Gruppe von beiden Airports weitere Flugverbindungen auf. Von 31. August an soll die Lufthansa-Tochter Eurowings bis zu fünfmal wöchentlich von Dresden nach Köln/Bonn fliegen. Das Tochterunternehmen Austrian Airlines nimmt in Leipzig von 2. September an fünfmal wöchentlich den Flugverkehr nach Wien wieder auf. Zudem fliegt die Lufthansa ab dem 7. September mehrmals pro Woche München an.

12:45 Uhr | Update: Auflagen für Campingplatz am Bergsee Ratscher

Der Landkreis Hildburghausen verschärft die Corona-Regeln für den Campingplatz am Bergsee Ratscher bei Schleusingen. Wie ein Sprecher des Landratsamtes dem MDR sagte, wurde die maximale Anzahl der Stellplätze auf 100 beschränkt. Die Zahl richte sich nach den vorhandenen Sanitäranlagen. Außerdem müssen die Betreiber die Stellplätze abgrenzen und nummerieren. Nur so sei die Belegung des Campingplatzes nachvollziehbar. Ein Stellplatz dürfe jeweils nur von einem Zelt, einem Wohnmobil oder Wohnwagen besetzt sein. Nach Angaben der Betreiber werden vorerst nur noch bedingt Reservierungen angenommen, um die Kapazität des Campingplatzes nicht zu überschreiten. Aufgrund der Hygienevorschriften hätten einige wenige Reservierungen wieder storniert werden müssen. Momentan dürfen aber weiter Gäste anreisen.

Die Polizei hatte in letzter Zeit viele Einsätze am Bergsee beklagt. Wie ein Sprecher dem MDR sagte, haben vor allem Jugendliche auf dem Campingplatz gefeiert, ohne sich an die Abstandsregeln zu halten.

11:49 Uhr | Bei Stornierung: Volle Erstattung auch ohne Reisewarnung

Storniert ein Kunde wegen der Corona-Gefahr eine Reise, muss der Veranstalter unter Umständen auch ohne Reisewarnung den Preis voll erstatten. Das hat das Amtsgericht Frankfurt am Main entschieden. Im konreten Fall hatte der Kläger Anfang März von sich aus eine für Mitte April geplante Reise in den Golf von Neapel storniert. Zu diesem Zeitpunkt hatte noch keine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vorgelegen. Der Veranstalter hatte deshalb auf einem Teil des Reisepreises als Stornierungsgebühr bestanden. Die Richter erklärten nun aber, Reisewarnungen für das Reisegebiet seien nicht zwingend erforderlich. Es genüge bereits eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine gesundheitsgefährdende Ausbreitung des Virus. Dies sei zum Zeitpunkt der Stornierung bereits für ganz Italien der Fall gewesen. (AZ: 32 C 2136/20)

11:02 Uhr | Corona-Konzertstudie verfehlt Teilnehmerziel

Die Organisatoren des Konzertexperiments "Restart-19" zu Großveranstaltungen in Corona-Zeiten haben weniger Teilnehmer gewinnen können als angepeilt. Bei dem Konzert von Sänger Tim Bendzko in der Arena in Leipzig werden am Samstag 2.210 Besucher erwartet. Ursprünglich hatten die Organisatoren mit 4.200 Teilnehmern geplant.

Registrieren konnten sich bis zum Wochenende Freiwillige im Alter von 18 bis 50 Jahren. Mit der nun angemeldeten Besucherzahl sind die Forscher aber zufrieden. "Das ist eine Größenordnung, mit der wir gute Ergebnisse erwarten können", sagte Studienleiter Stefan Moritz. "Wir müssen kleine Abstriche machen, aber das ist verschmerzbar."

Das Konzert "Restart-19" ist ein gemeinsames Projekt der Länder Sachsen-Anhalt und Sachsen. Ziel der Forscher ist, ein mathematisches Modell zu entwickeln, mit dem das Risiko eines Corona-Ausbruchs nach Großveranstaltungen in Hallen berechnet werden kann.

09:57 Uhr | Kostenlose Tests für Lehrer und Erzieher jetzt möglich

In Thüringen können sich Lehrer und Erzieher ab heute kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Auch für Tagesmütter und Tagesväter ist das möglich. Wie das Bildungsministerium bereits vorab mitteilte, übernimmt das Land die Kosten dafür. Um die Corona-Tests müssen sich die Beschäftigten aber selbst kümmern und bei der Schule oder der Kindergartenleitung beantragen. Dem Ministerium zufolge kostet jeder Test knapp 70 Euro. Insgesamt sind rund drei Millionen Euro dafür vorgesehen. Thüringenweit sind in den Kindergärten und Schulen rund 44.000 Pädagogen beschäftigt.

08:54 Uhr | Brasilien: Corona-Infektionen bei Ureinwohnern steigen

In Brasilien breitet sich das Coronavirus in den Gemeinden der Ureinwohner weiter aus. Inzwischen wurden mehr als 17.600 Infektionen unter den Ureinwohnern bestätigt. Laut Indianer-Missionsrat starben bereits mehr als 650 Indigene an den Folgen einer Infektion. 85 Prozent von ihnen lebten in der Amazonas-Region. Untersuchungen zufolge ist die Sterberate unter den Ureinwohnern 2,5 Mal höher als in der Gesamtbevölkerung. Brasilien ist nach den USA das am stärksten vom Coronavirus betroffene Land der Welt. Offiziell wurden dort bislang mehr als 3,3 Millionen Infektionen registriert.

07:42 Uhr | 7-Tage-Schnitt der Neuinfektionen steigt weiter

Am Wochenende sind in Deutschland 1.220 neue Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 registriert worden. Das geht aus den Zahlen des am Karlsruher Institut für Technologie angesiedelten Projekts Risklayer hervor. Danach wurden am Samstag 704 neue Fälle gemeldet, am Sonntag 516. Am Samstag haben allerdings nur 35 Prozent der Gesundheitsämter ihre Zahlen übermittelt, am Sonntag waren es 32 Prozent.

Insgesamt wurden in Deutschland seit Ausbruch der Pandemie knapp über 225.000 Menschen positiv auf das Virus getestet. Derzeit gibt es etwa 12.000 aktive Fälle. Der sogenannte 7-Tage-Schnitt der Neuinfektionen geht weiter nach oben. In der vergangenen Woche lag er bei 1.102. Ähnlich hoch lag dieser Wert zum letzten Mal in der ersten Mai-Woche.

07:24 Uhr | Tui kritisiert pauschale Reisewarnung für Mallorca

Der Tourismuskonzern Tui hat die pauschale Reisewarnung für die beliebte Urlaubsinsel Mallorca kritisiert. Ein Sprecher sagte der "Rheinischen Post", es wäre besser gewesen, eine regionale Reisewarnung etwa für Palma, Magaluf oder andere Orte auszusprechen. Große Teile der spanischen Insel seien von der Corona-Pandemie nur minimal betroffen. Es habe in keinem Hotel der Tui auf Mallorca eine Infektion gegeben. Die meisten Urlauber wären sehr verantwortungsvoll und würden sich an die Regeln halten. Das Auswärtige Amt hatte am Freitag fast ganz Spanien zum Risikogebiet erklärt und eine Reisewarnung herausgegeben.

07:00 Uhr | Neuseeland verschiebt Parlamentswahl

Neuseeland verschiebt wegen der Corona-Pandemie die Parlamentswahl um vier Wochen. Das teilte Premierministerin Jacinda Ardern mit. Neuer Termin ist jetzt der 17. Oktober. Ardern sagte, die Entscheidung gebe den Parteien und der Wahlkommission genügend Zeit, die Wahl zu planen. Eigentlich soll die Parlamentswahl am 19. September stattfinden. Vergangene Woche waren in der Stadt Auckland vier neue Corona-Fälle bekanntgeworden, nachdem das Land mehr als 100 Tage coronafrei gewesen war. Für Auckland wurde ein Lockdown verhängt.

06:36 Uhr | Termin für Kinderbonus-Auszahlung steht fest

Die Familienkassen beginnen am 7. September mit der Auszahlung des Corona-Kinderbonus in Höhe von 300 Euro. Das teilte das Bundesfinanzministerium auf Anfrage der Funke Mediengruppe mit. Im September bekommen Eltern eine Rate in Höhe von 200 Euro. Die zweite Rate über 100 Euro folgt im Oktober. Wann der Kinderbonus auf dem Konto ist, hängt von der Endziffer der Kindergeldnummer ab. Zunächst bekommen diejenigen den Bonus ausgezahlt, deren Nummer auf 0 endet. Für den Bonus hat die Bundesregierung 4,3 Milliarden Euro eingeplant. Die einmalige Zahlung wird nicht mit anderen Familien- oder Sozialleistungen wie zum Beispiel dem Kinderzuschlag verrechnet. Deshalb profitieren nach Angaben von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey vor allem Familien mit geringem und mittlerem Einkommen und mehreren Kindern.

06:27 Uhr | Spahn sieht Feiern als Corona-Gefahrenquelle

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hält Feiern für eine große Gefahrenquelle bei der Übertragung des Coronavirus. Spahn sagte am Abend im ZDF, es gebe im ganzen Land lokale Ausbrüche, die meist mit Feiern zusammenhingen. Neben Reise-Rückkehrern müsse man deshalb gesellige Veranstaltungen im Blick haben. Dort übertrage sich das Virus sehr schnell. Über die Größe solcher Feierlichkeiten sowie die Regeln dafür wolle er noch einmal mit den Ländern beraten.

Die Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. August 2020 | 06:00 Uhr