Coronavirus 8. August: Paris führt Maskenpflicht im Freien ein

Paris verschärft die Maskenpflicht. In Brasilien steigt die Zahl der Toten auf über 100.000. Die Bundesregierung warnt nun auch vor Reisen in Teile Bulgariens und Rumäniens. Viele Orte an Ost- und Nordsee melden Überfüllung. Hunderttausende Euro für Studierende in Not. Bundesweit wurden am Freitag den dritten Tag in Folge mehr als 1.000 Neuinfektionen registriert. Die Entwicklungen im Coronavirus-Ticker.

Unser Ticker am Sonnabend, 8. August 2020, endet hiermit. Vielen Dank für Ihr Interesse. Aktuelle Meldungen und Hintergründe zum Coronavirus und zu Covid-19 finden Sie unter mdr.de/coronavirus.

21:45 Uhr | Paris führt Maskenpflicht im Freien ein

Eine italienische Familie trägt Mundschutze und steht auf dem Palais du Trocadéro mit Blick auf den Eiffelturm.
Paris verschärft Maskenpflicht Bildrechte: dpa

Die französische Hauptstadt Paris verschärft ab Montag die Maskenpflicht. Wie das Polizeipräsidium mitteilte, gilt sie dann auch im Freien in stark frequentierten Bereichen. Dazu gehörten die Seine-Ufer oder Einkaufsstraßen in mehreren Stadtbezirken. Die Vorschrift tritt am Montag 8 Uhr in Kraft. Eine ähnliche Regelung gibt es bereits in Städten wie Nizza und Lille.

21:29 Uhr | Neuer Lockdown in Kuba

Kuba hat angesichts steigender Fallzahlen einen neuen Lockdown über die Hauptstadt Havanna verhängt. Gaststätten, Bars und Schwimmbäder werden wieder geschlossen, der öffentliche Nahverkehr ausgesetzt und Strände gesperrt. "Wir sind Zeugen eines neuen epidemiologischen Ausbruchs, der unsere gesamte Bevölkerung bedroht", sagt Gesundheitsminister Jose Angel Portal. In Kuba sind bislang 2.800 Infektionen mit dem Virus Coronavirus nachgewiesen worden. 88 Infizierte starben.

20:41 Uhr | Der erste Tag mit Testpflicht

Seit Sonnabend ist für Rückkehrer aus Risikogebieten ein Coronatest Pflicht. Während die Tests an den Flughäfen reibungslos verliefen, geht die Debatte um Ausmaß und Kosten der Tests weiter.

19:55 Uhr | In Brasilien steigt Zahl der Toten über 100.000

Brasilien hat als zweites Land nach den USA die Marke von 100.000 Corona-Toten überschritten. Die von den größten Medienunternehmen des Landes ermittelte Totenzahl lag am Sonnabendnachmittag (Ortszeit)  bei 100.240. Die Gesamtzahl der nachweislich mit dem Virus Infizierten lag bei 2.988.796, knapp unter der Marke von drei Millionen.

Experten sind sich einig, dass Brasiliens Regierung beim Schutz der Bevölkerung versagt hat. Präsident Jair Messias Bolsonaro hatte Covid-19 von Anfang an als "Hysterie" und "kleine Grippe" bezeichnet. Zwei Gesundheitsminister, die sich für Distanzregeln und gegen den Einsatz des umstrittenen umstrittenen Malariamittels Chloroquin ausgesprochen hatten, mussten ihren Posten räumen.

18:40 Uhr | Steinmeier würdigt Kulturszene mit Festivalbesuch

Mit dem Besuch eines Open-Air-Konzertes des Schleswig-Holstein Musik Festivals hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die unter der Corona-Pandemie leidende Kunst- und Kulturszene gewürdigt. "Kultur ist nicht nice to have, sondern Kultur ist ein Lebensmittel", sagte Steinmeier nach einem einstündigen Konzert des österreichischen  Percussion-Virtuosen Martin Grubinger in Schleswig. Die Künstler bräuchten wieder Auftrittsmöglichkeiten.

Frank-Walter Steinmeier (SPD, l-r), Bundespräsident, sitzt mit seiner Ehefrau Elke Büdenbender neben Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, und dessen Ehefrau Anke Günther zum Beginn des Schleswig-Holstein Musik Festival vor dem Schloss Gottorf in Strandkörben.
Konzertbesuch im Strandkorb: Bundespräsident Steinmeier auf dem Schleswig-Holstein Musik Festival Bildrechte: dpa

Steinmeier, seine Frau Elke Büdenbender sowie Ministerpräsident Daniel Günther und Ehefrau Anke und 500 weitere Zuschauer verfolgten das Konzert bei brütender Hitze im idyllischen Park von Schloss Gottorf. Günther erklärte, der Bundespräsident würdige mit seiner Anwesenheit die Leistungen der Kulturschaffenden, die zeigten: "Wir wollen und wir können." Das sei großartig.

17:10 Uhr | Weitere Neuinfektionen in Behinderten-Einrichtungen

In einem Heim für Menschen mit Behinderung in Bernstadt (Landkreis Görlitz) gibt es drei neue Corona-Fälle. Das teilte das Landratsamt mit. Insgesamt seien 31 Bewohner und zehn Mitarbeiter des Heimes infiziert. Zwei weitere Neuinfektionen im Kreis gab es in einer Werkstatt für behinderte Menschen in Löbau. Dort stehen allerding noch die Ergebnisse weiterer Tests aus.

Das Landratsamt sucht für das Bernstädter und ein weiteres vom Coronavirus betroffenes Behindertenheim im Kreis dringend freiwillige Pfleger und Betreuer.

16:59 Uhr | Testpflicht an Flughäfen bereitet keine Probleme

Die seit heute geltenden Coronatest-Pflicht hat an den deutschen Flughäfen keine Probleme verursacht. Am größten deutschen Airport in Frankfurt am Main erklärte DRK-Leiter Benedikt Hart, der Andrang sei minimal mehr als in den vergangenen Tagen. Ähnlich äußerten sich die Betreiber der Testzentren an anderen Flughäfen. An den meisten Flughäfen gab es zuvor schon die Möglichkeit eines freiwilligen Tests.

15:28 Uhr | Bund macht Druck auf Airlines

Das Luftfahrt-Bundesamt macht Medienberichten zufolge Druck auf Fluggesellschaften, das Geld für ausgefallene Flüge zu erstatten. Die "Welt am Sonntag" und der "Spiegel" schreiben, die Behörde habe Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Laut "Spiegel" räumte Lufthansa Probleme bei der Bearbeitung der Erstattungsanträge ein. Demnach seien von rund viereinhalb Millionen Erstattungsanträgen noch 1,24 Millionen offen. Bei der Tochter Eurowings seien erst rund die Hälfte der 378.000 Anträge auf Erstattung bearbeitet worden.

14:30 Uhr | Urlaubsorte an Nord- und Ostsee raten von Anreise ab

Wegen starken Urlauberandrangs an den Nord- und Ostseestränden Schleswig-Holsteins raten viele Kur- und Badeorte von weiteren Anreisen ab. Besonders voll sei es in der Lübecker Bucht, teilten die Tourismus- und Kurdirektionen mit.

08.08.2020, Schleswig-Holstein, Scharbeutz: Mit Badegästen und Strandkörben gut gefüllt ist der Strandabschnitt in der Dorfschaft Haffkrug der Gemeinde Scharbeutz.
Strand in Scharbeuz Bildrechte: picture alliance/dpa

Die Strandampel auf der Website strandticker.de stand mittags für Scharbeuz und den Timmendorfer Strand, aber auch für die Strände von Haffkrug, Sierksdorf, Pelzerhaken und Rettin auf rot.

Fehmarn und Travemünde meldeten hingegen, noch sei Platz für weitere Urlauber vorhanden.

An der Nordsee war es vor allem in St. Peter-Ording eng – allerdings nicht wegen voller Strände, sondern wegen verstopfter Zufahrten.

14:15 Uhr | Verstärkte Kontrollen am Bleilochstausee

Am Bleilochstausee im Saale-Orla-Kreis werden am Wochenende verstärkt die Abstandsregeln kontrolliert. Das Landratsamt rechnet trotz des abgesagten Musikfestivals "Sonne Mond Sterne" mit zusätzlichen Gästen. Die Veranstalter appellierten an die Fans, auf private Ersatz-Partys auf den Festival-Wiesen zu verzichten.

12:37 Uhr | Reisewarnung für Teile von Bulgarien und Rumänien

Wegen eines deutlichen Anstiegs von Corona-Infektionen in Bulgarien und Rumänien warnt die Bundesregierung nun auch vor touristischen Reisen in mehrere Regionen der beiden EU-Länder. Dazu zählt auch die bulgarische Touristenhochburg Warna mit dem beliebten Urlaubsort Goldstrand.

Eine Reisewarnung ist kein Verbot, soll aber eine abschreckende Wirkung haben. Zudem ermöglicht die Einstuftung für Verbraucher kostenlose Stornierungen von Buchungen. Die Regionen wurden zugleich vom Robert Koch-Institut als Risikogebiete ausgewiesen. Wer von dort aus dem Urlaub zurückkehrt, muss sich seit heute auf Corona testen lassen.

12:16 Uhr | Kipping für Besuchslotsen in Pflegeheimen

Linken-Chefin Katja Kipping fordert, tausende neue Stellen in der Pflege zu schaffen. Dadurch könnten Besuche von Angehörigen während der Corona-Pandemie erleichtert werden. Kipping schlug in den "Funke-Medien" ein Bundesprogramm für sogenannte Besuchslotsen vor. In jedem der 12.000 Alten- und Pflegeheime in Deutschland sollte es eine solche Stelle geben. Kipping sagte, den Pflegekräften fehle die Zeit, um Treffen mit den Angehörigen nach den Regeln des Infektionsschutzgesetzes zu organisieren. Die Bewohner könnten jedoch nicht über viele Monate isoliert leben. Die Stellen könnten mit Arbeitslosen aus besonders von der Pandemie betroffenen Branchen besetzt werden.

12:07 Uhr | Offenbar weitere Probleme mit Corona-Warn-App

Bei der Corona-Warn-App des Bundes gibt es weiter Probleme. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel". Danach müssen sich viele positiv Getestete weiterhin bei der Telekom melden und ihren Name sowie ihre Rufnummer hinterlassen. Das Unternehmen hat die App mitentwickelt. Die Mitarbeiter überprüften die Angaben dann bei den zuständigen Gesundheitsämtern. Erst dann bekomme der Erkrankte einen Code, mit dem er sich in der App als positiv getestet markieren könne. Statt der Hotline sollten getestete App-Nutzer eigentlich ein pseudonymes und automatisiertes Verfahren mit QR-Codes nutzen. Mittlerweile sind nach Angaben des "Spiegel" mit 112 Laboren erst rund dreiviertel der Testeinrichtungen dazu in der Lage.

11:04 Uhr | Erneut mehr als 1.000 Neuinfektionen

Die Kreise und Städte in Deutschland haben für Freitag 1.105 neue Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Das geht aus der Datenbank des am Karlsruher Institut für Technologie angesiedelten Projekts "Risklayer" hervor. Damit lag der Wert den dritten Tag in Folge bei mehr als 1.000 Fällen. Der 7-Tage-Schnitt stieg erstmals seit dem 13. Mai wieder über 800: Am Freitag lag der Schnitt bei 807 Neuinfektionen pro Tag in einer Woche.

10:31 Uhr | Unis sammeln Spenden für Studierende in Not

Bei Spendenaktionen für in Not geratene Studierende sind in Mitteldeutschland mehrere hunderttausend Euro zusammengekommen. Einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zufolge sammelten die sächsischen Universitäten in Dresden, Leipzig und Freiberg insgesamt knapp 320.000 Euro. Bei der Friedrich-Schiller-Universität Jena in Thüringen sind nach eigenen Angaben 165.000 Euro zusammengekommen. In Sachsen-Anhalt berichtet die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg von knapp 85.000 Euro Spendengeldern.

Viele der mitteldeutschen Universitäten hatten wegen der Corona-Pandemie Notfonds aufgesetzt und um Spenden gebeten. Sie sollen Studierenden helfen, die ihre Jobs verloren haben. Die Gelder stammen den Angaben zufolge unter anderem von ehemaligen Studierenden und Mitarbeitern der Universitäten.

10:05 Uhr | Haseloff: Rückkehrer sollen Tests selbst zahlen

In der CDU regt sich Kritik an den kostenlosen Pflichttests für Reisende, die aus Corona-Risikogebieten zurückkehren. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte dem "Spiegel", der Aufwand für selbst gewählte Risiken könne nicht ständige auf die Gesellschaft abgewälzt werden. Vorübergehend sei die Regelung richtig. Für eine dauerhafte Lösung müsse aber über Alternativen nachgedacht werden. Denkbar sei etwa, die Kosten für die Tests auf die entsprechenden Flugtickets umzulegen.

09:42 Uhr | Spahn: Milliarden für Digitalisierung von Kliniken

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat Milliardeninvestitionen für die Digitalisierung von Deutschlands Kliniken angekündigt.

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, kommt in seinem Ministerium zur Pressekonferenz.
Gesundheitsminister Jens Spahn Bildrechte: dpa

Der CDU-Politiker sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", zu viel laufe noch auf Papier und per Fax. Der Bund investiere drei Milliarden Euro in moderne Notfalleinrichtungen, digitale Lösungen und ein Höchstmaß an IT-Sicherheit. Von den Ländern kämen weitere 1,3 Milliarden Euro dazu.

Der entsprechende Gesetzesentwurf befindet sich der Zeitung zufolge derzeit in der Ressortabstimmung. Im Herbst soll das Gesetz demnach verabschiedet werden. Erste Gelder könnten dann sofort abgerufen werden.

08:16 Uhr | Marburger Bund warnt vor Nachlässigkeit bei Prävention

Der Ärzteverband Marburger Bund hat dazu aufgerufen, die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus weiterhin ernst zu nehmen. Vorsitzende Susanne Johna sagte, Abstand, Hygiene und Maskenpflicht müssten wieder konsequenter eingehalten werden. Es gebe Dinge, die man sich jetzt nicht leisten solle. Etwa sei es nicht zu tolerieren, wenn Menschen im öffentlichen Nahverkehr die Maske als Kinnschutz tragen.

Johna betonte, auch wenn man selbst keine Betroffenen kenne, dürfe man nicht die Gefährlichkeit einer Covid-19-Erkrankung vergessen. Häufig werde auch vergessen, dass unter den Erkrankten Menschen sind, die lang andauernde Schäden zurückbehalten.

07:43 Uhr | Bundeselternrat kritisiert fehlende Vorbereitung

Der Bundeselternrat kritisiert, dass die Sommerferien nicht vernünftig für die Vorbereitung des Unterrichts auch in Corona-Zeiten genutzt worden sind. Vorsitzender Stephan Wassmuth sagte der Zeitung "Die Welt", seit Wochen habe man dafür plädiert, Klassen zu teilen, um im Falle eines Ausbruchs nur wenige Schüler in Quarantäne schicken zu müssen.

Wenige Tage nach Beginn des neuen Schuljahres mussten in Mecklenburg-Vorpommern zwei Schulen wegen Corona-Infektionen schon wieder geschlossen werden.

07:11 Uhr | Kritik und Zustimmung zu Testpflicht

Der Deutsche Hausärzteverband kritisierte die Testpflicht als Aktionismus. Verbandsvorsitzender Ulrich Weigeldt sagte der "Welt", viel zu testen sei an sich vernünftig. Die Risikogebiete seien aber "viel zu pauschal" eingeteilt worden. Zudem sei es wahnwitzig, dass Reiserückkehrer dem Arzt glaubhaft machen müssten, dass sie tatsächlich im Ausland gewesen seien. Der Ärzteverband Marburger Bund begrüßte dagegen die Testpflicht. Vorsitzende Susanne Johna sagte, man sehe an ersten Ergebnissen, dass bei ihnen die Rate positiver Tests höher sei als bei Tests im Inland.

06:35 Uhr | Testpflicht für Reisende aus Risikogebieten

Reisende aus Corona-Risikogebieten müssen sich ab heute auf das Virus testen lassen. Teststationen gibt es unter anderem an Flughäfen, Bahnhöfen oder Raststätten in Grenznähe. Wer aus einem Risikogebiet zurückgekehrt ist, kann sich aber auch später selbst beim Gesundheitsamt melden. Der Test ist bis zu drei Tage nach Einreise kostenlos möglich.

06:20 Uhr | Sachsens Kliniken gerüstet

Die Krankenhausgesellschaft Sachsen sieht die Kliniken im Land gut für eine zweite Corona-Welle gerüstet. Der stellvertretende Geschäftsführer, Friedrich München, sagte, es gebe nach wie vor ausreichend Kapazitäten an Intensiv- und Beatmungsplätzen. Diese könnten bei Bedarf sofort aktiviert werden. Aktuell stünden in Sachsen mehr als 500 intensivmedizinische Betten zur sofortigen Verfügung. Nach Engpässen bei der Schutzausrüstung zu Beginn der Corona-Pandemie zeigte sich München optimistisch. Alle sächsischen Krankenhäuser seien zwischenzeitlich bestrebt gewesen, ihre Vorhaltungen auszubauen. Er gehe nicht davon aus, dass es bei einer zweiten Corona-Welle zu Engpässen kommen werde.

Die Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. August 2020 | 06:00 Uhr