Coronavirus-Pandemie Ticker: Kretschmer appelliert an Eigenverantwortung

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer appelliert an die Eigenverantwortung von Reisenden. Deutschlandweit sind aktuell rund 50.000 Schüler in Corona-Quarantäne. Die meisten deutschen Großstädte halten an ihren Plänen für Weihnachtsmärkte fest. Die Entwicklungen im Überblick:

Michael Kretschmer trägt einen Mundschutz mit der Aufschrift 'So geht Sächsisch'.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer Bildrechte: dpa

Unser Ticker am Samstag, den 26. September 2020, endet hiermit. Vielen Dank für Ihr Interesse. Aktuelle Meldungen und Hintergründe zur Pandemie und zu Covid-19 finden Sie unter mdr.de/coronavirus.

22:03 Uhr | Kretschmer appelliert an Eigenverantwortung

Trotz der Reisewarnung für Tschechien plant die Bundespolizei vorerst keine größeren Corona-Kontrollen im Grenzgebiet. Das sagte ein Sprecher dem MDR. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer appellierte allerdings an die Eigenverantwortung der Reisenden. Jeder müsse für sich selbst entscheiden, ob er das Nachbarland besuchen wolle oder nicht. Sachsen habe Vorbereitungen getroffen, Berufspendler von der Quarantänepflicht auszunehmen. Für sie gebe es regelmäßige Testmöglichkeiten. Die Bundesregierung hatte am Freitag ganz Tschechien zum Corona-Risikogebiet erklärt, neben Luxemburg und dem österreichischen Bundesland Tirol.

19:44 Uhr | Streit um Schutzmaßnahmen in Spanien

Gesundheitsexperten und die spanische Regierung haben die Maßnahmen der Madrider Regionalregierung zur Eindämmung der steigenden Corona-Zahlen heftig kritisiert. Spaniens sozialistischer Gesundheitsminister Salvador Illa ermahnte die konservative Regionalpräsidentin Isabel Diaz Ayuso, "zur Besinnung zu kommen" und endlich auf die Experten zu hören. Es bestehe ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko für die Madrider Bevölkerung. Die spanische Hauptstadtregion mit 6,5 Millionen Einwohnern müsse dringend striktere Schutzmaßnahmen und Ausgangssperren umsetzen.

17:03 Uhr | Söder fordert Steuersenkungen und Steuerreform

Zur Bewältigung der Folgen der Pandemie fordert CSU-Chef Markus Söder eine grundlegende Corona-Steuerreform für Deutschland. Die Politik müsse in der aktuellen Lage Anreize setzen für Investitionen und alle Ideen, die das Land voranbringen würden. Das heiße, der Soli müsse weg für alle. Gebraucht werde eine familienfreundliche Steuerpolitik, die Absetzbarkeit von Homeoffice beispielsweise. Für die Unternehmen müsse es niedrigere Unternehmens- und Energiesteuern geben.

14:10 Uhr | Opel will Kurzarbeit bis Ende 2021 verlängern

Beim Autobauer Opel soll die Kurzarbeit in Folge der Corona-Krise bis voraussichtlich Ende 2021 verlängert werden. Darauf haben sich Geschäftsleitung und Gesamtbetriebsrat geeinigt. Wie das Unternehmen mitteilte, ist noch die Zustimmung der Arbeitsagentur notwendig.

13:32 Uhr | Aktuell 50.000 Schüler in Quarantäne

Nach dem Start des neuen Schuljahres befinden sich derzeit rund 50.000 Schüler und Schülerinnen in Quarantäne. Das berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf die zuständigen Ministerien der Bundesländer. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sagte dem Blatt, die Zahl zeige, dass man mitten in der Pandemie sei und dies auf den Schulbetrieb durchschlage.

Der Präsident des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, geht von einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen an Schulen aus: Man rechne damit, dass in den nächsten drei Monaten doppelt so viele Schüler in Quarantäne müssten.

12:20 Uhr | Mehr als 2.300 Neuinfektionen

Am Freitag haben die Gesundheitsämter so viele neue Coronavirus-Fälle gemeldet wie seit dem Abklingen der ersten Welle Ende April nicht mehr. Die Zahlen haben sich auf hohem Niveau eingependelt – Tendenz leicht steigend.

10:08 Uhr | Armutsforscher: Einkommensschwache kaum bedacht

Christoph Butterwegge
Armutsforscher Christoph Butterwegge. Bildrechte: IMAGO images / Future Image

Der Armutsforscher Christoph Butterwegge hat der Bundesregierung vorgeworfen, in der Corona-Krise einkommensschwache Menschen zu vernachlässigen. Dem "Deutschlandfunk" sagte er, an diejenigen, die sowieso zu den Ärmsten zählten, sei kaum gedacht worden. Durch die Schließung von Tafeln und Kitas hätten zum Beispiel Familien, die Hartz IV bezögen, zusätzliche Lasten gehabt. Auch der Kinderbonus komme viel zu spät.

Butterwegge forderte, den Solidaritätszuschlag für wirtschaftlich Benachteiligte in der Corona-Krise einzusetzen und wieder eine Vermögensteuer zu erheben. Die Gesellschaft müsse erkennen, dass das Geld von oben nach unten umverteilt werden müsse.

8:43 Uhr | Wieder Quarantäne-Pflicht in Litauen

Für Reisende aus Deutschland gilt in Litauen ab Montag wieder eine Quarantänepflicht: Neuankömmlinge und Rückkehrer müssen sich zwei Wochen in Isolation begeben. In der vom litauischen Gesundheitsministerium veröffentlichten Liste von Ländern mit hohen Corona-Ansteckungsraten sind neben Deutschland jetzt auch Estland, Polen, Island und San Marino aufgeführt.

8:38 Uhr | Bundesweite Obergrenze für Privatfeiern gefordert

Der Deutsche Landkreistag fordert eine bundesweite Obergrenze von weniger als 50 Teilnehmern für Privatfeiern. Präsident Sager sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", der gegenwärtige Flickenteppich irritiere die Menschen. Deshalb brauche es einige einheitliche Regeln. Sager betonte, ab 50 Teilnehmern werde es logistisch extrem schwierig, die Kontakte nachzuverfolgen.

7:34 Uhr | 35 Millionen Euro weniger Umsatz im Tourismus

Der Deutsche Tourismusverband (DTV) geht für das erste Halbjahr 2020 von Umsatzeinbußen in Höhe von 35 Milliarden Euro für seine Branche aus. DTV-Geschäftsführer Norbert Kunz sagte der "Rheinischen Post": "Ohne passgenaue staatliche Hilfen können zahlreiche Betriebe der Branche den Winter nicht überstehen." Er verwies darauf, dass der Tourismus in Deutschland mit drei Millionen Arbeitsplätzen eine systemrelevante Branche sei.

7:08 Uhr | Weihnachtsmärkte in den meisten deutschen Städten

In den meisten großen deutschen Städten sollen trotz Corona Weihnachtsmärkte stattfinden, allerdings unter strengen Auflagen. Das geht aus einer Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) unter den Kommunen hervor. Dabei setzen die Städte auf unterschiedliche Konzepte, um den besonderen Corona-Verordnungen gerecht zu werden.

Der Striezelmarkt soll mehr Fläche bekommen.
Bildrechte: MDR SACHSEN

So soll zum Beispiel in Dresden die Veranstaltungsfläche für den Striezelmarkt auf dem Altmarkt laut Stadtverwaltung vergrößert werden, damit Händler und Gäste mehr Platz haben. In Thüringen wird in den kommenden Wochen die Machbarkeit getestet, zum Beispiel beim Erfurter Oktoberfest. Dem Thüringer Sozialministerium zufolge soll dann das Konzept gegebenenfalls übertragen werden. So sollten auf den Weihnachtsmärkten Alkohol nur bis maximal 21 Uhr ausgeschenkt und ausreichend Spender mit Desinfektionsmittel bereitgestellt werden.

Der traditionelle Nürnberger Christkindlesmarkt soll dezentraler gestaltet werden: Die Stände werden nach Angaben des Marktamtes in größeren Abständen und an diversen Plätzen in der Altstadt aufgestellt. In Berlin müssen Weihnachtsmarkt-Veranstalter laut Senatsgesundheitsverwaltung ein Schutz- und Hygienekonzept vorlegen - mit der Möglichkeit der Reduzierung von Kontakten, der Einhaltung des Mindestabstands und Vermeidung von Warteschlangen. In Köln haben einige Betreiber ihre Weihnachtsmärkte abgesagt, so etwa auf dem Domplatz. Andere hingegen sollen stattfinden.

6:00 Uhr | Intensivmediziner: Mehr Tote, aber keine dramatische Entwicklung

Deutsche Intensivmediziner rechnen mit einem Anstieg der Covid-19-Todesfälle. Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Uwe Janssens, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Die Totenzahlen werden in den kommenden Wochen weiter steigen."

Porträt von Prof. Uwe Janssens: Mann mit kurzen, grauen Haaren, ohne Bart und Brille, mit weißem Kittel. Hintergrund gelblich, unscharf mit Muster und Dreiecken.
Prof. Uwe Janssens. Bildrechte: MDR/Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)

Die aktuell steigende Zahl der Covid-19-Toten spiegele zeitversetzt das anwachsende Infektionsgeschehen der vergangenen Wochen wider. Von der Erstinfektion bis zu einer schweren Erkrankung dauere es in der Regel zehn bis 14 Tage, die durchschnittliche Zeit auf der Intensivstation betrage 21 bis 24 Tage. Daraus folge, dass sich viele Menschen, die jetzt stürben, vor mehr als fünf Wochen angesteckt hätten.

In den vergangenen Tagen lag die Zahl der vom Robert Koch-Institut gemeldeten Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion mehrmals in Folge im zweistelligen Bereich. Janssens geht jedoch nicht von einer derart dramatischen Entwicklung wie im Frühjahr aus: "Die Intensivmediziner wissen heute viel mehr über erfolgreiche Behandlungsmöglichkeiten und können medikamentös gezielter eingreifen." Zudem hätten die Verantwortlichen gelernt, besonders gefährdete Gruppen wie Alte und Kranke besser zu schützen.

Die Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. September 2020 | 06:00 Uhr