Coronavirus-Ticker 28. Juni: Spahn zurückhaltend bei Bayerns Testvorstoß

Bundesgesundheitsminister Spahn reagiert verhalten auf den Vorstoß aus Bayern, alle Bürger testen zu wollen. Weltweit sind inzwischen mehr als zehn Millionen Coronavirus-Infektionen mit bekannt geworden. Im Kreis Gütersloh hat es offenbar doch mehr positive Tests außerhalb der Fleischindustrie gegeben. In Sachsen dürfen ab Montag die Kindertagesstätten wieder nahezu im Normalbetrieb öffnen.

Corona-Test
In Bayern soll sich jedermann auf das Coronavirus testen lassen können. Wenn niemand anderes zahlt, übernimmt die Kosten das Land. Bildrechte: dpa

Unser Ticker vom Sonntag endet hier. Vielen Dank für Ihr Interesse! Aktuelle Meldungen zum Coronavirus und zu Covid-19 finden Sie in unserem Ticker vom Montag.

22:00 Uhr | Sachsen-Anhalt und Hamburg gegen Tests für alle

Sachsen-Anhalt und Hamburg wollen im Gegensatz zu Bayern vorerst keine flächendeckenden Corona-Tests einführen. Das Magdeburger Gesundheitsministerium teilte mit, es verfolge einen anderen Ansatz. Angesichts vergleichsweise niedriger Infektionszahlen sei es zielführender, Infektionsketten sofort ausfindig zu machen. Das sei zum Beispiel in der Fleischindustrie gemacht worden. Ein Sprecher des Hamburger Senats verwies auf das Robert Koch-Institut. Die Behörde halte ungezielte Tests für nicht sinnvoll. Bayern hatte angekündigt, dass sich bald jeder Mensch dort auf das Virus testen lassen könne und die Kosten übernommen würden.

19:37 Uhr | Spahn sieht Bayerns Corona-Testoffensive skeptisch

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat zurückhaltend auf die Pläne aus Bayern für Corona-Tests für alle Bürger reagiert. Der CDU-Politiker sagte, umfangreiche Untersuchungen seien sinnvoll, um regionale Ausbrüche schnell einzudämmen. Dennoch sei ein Test immer nur eine Momentaufnahme. Die Menschen dürften sich dadurch nicht in falscher Sicherheit wiegen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der Funke Mediengruppe, grundsätzlich sei das Vorgehen Bayerns richtig. Man müsse aber dafür sorgen, dass die richtigen Leute getestet würden.

17:20 Uhr | Hotel während der Schließung beklaut

In Leipzig haben sich Unbekannte während der coronabedingten Schließung eines Hotels dort eingerichtet und mehrere Fernseher gestohlen. Die Polizei berichtete, die Täter seien zwischen Ende Februar und Juni in das Gebäude eingedrungen. "Sie nächtigten und speisten in den Zimmern und entwendeten mindestens zehn Fernseher im Gesamtwert von etwa 10.000 Euro", erklärte ein Sprecher. Die Hotelbesitzer bemerkten die Tat erst, als sie nach den Lockerungen zurück ins Hotel kamen. Wie lange sich die Unbekannten dort aufhielten, ist unklar.

15:59 Uhr | Hohe Wahlbeteiligung in Polen trotz Hygienemaßnahmen

Bei der Präsidentenwahl in Polen zeichnet sich trotz der Corona-Epidemie eine hohe Wahlbeteiligung ab. Bis zum Mittag gaben mehr als 24 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie die Wahlkommission am Sonntag in Warschau mitteilte. Das waren 10 Prozentpunkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt bei der Präsidentenwahl 2015. (Ergänzung: Bis 17 Uhr waren es bereits fast 48 Prozent der Wahlberechtigten.)

Sollte sich der Trend fortsetzen, dann könne es auf die höchste Beteiligung bei einer Wahl seit dem Ende des Kommunismus hinauslaufen, sagte der Vorsitzende der Kommission. Die Abstimmung war ursprünglich für der 10. Mai geplant, wurde aber wegen der Corona-Pandemie kurzfristig verschoben.

15:33 Uhr | Erstmals kein Corona-Toter in Madrid

Im spanischen Corona-Hotspot Madrid hat es zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Pandemie binnen eines Tages keinen einzigen neuen Todesfall gegeben. Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso tweitterte: "Großartige Nachricht: Gestern war der erste Tag, an dem Madrid keine Toten wegen Covid-19 registriert hat". Madrid, eine der 17 sogenannten Autonomen Gemeinschaften Spaniens, ist mit bisher mehr als 8.400 Toten und knapp 72.000 nachgewiesenen Infektionen die von Corona am schwersten getroffene Region des Landes.

13:38 Uhr | Asylbewerber in Bayern unter Quarantäne

Mehrere Bewohner einer Asylbewerberunterkunft im bayerischen Landkreis Starnberg sind positiv auf das Coronavirus getestet. Laut Landratsamt stehen die 33 Bewohner unter Quarantäne. Bis gestern seien 16 Infektionen bestätigt und die Betroffenen in eine spezielle Isoliereinrichtung verlegt worden. Der erste Fall sei am Donnerstag bekannt geworden. Da zehn der Infizierten bei einer Cateringfirma arbeiteten, habe diese vorsorglich ihren Betrieb für zunächst 14 Tage eingestellt. Alle Mitarbeiter müssen demnach getestet werden.

13:21 Uhr | Spahn warnt vor falschem Sicherheitsgefühl

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist für mehr Coronavirus-Tests in Deutschland, warnt aber auch vor einer Überbewertung. Ein Test sei "immer nur eine Momentaufnahme", sagte er. Bayern hat angekündigt, dass sich dort künftig jeder auf das Coronavirus testen lassen kann (siehe weiter unten). Das Land zahlt, wenn kein anderer Anspruch auf Erstattung besteht. Spahn hatte vor knapp drei Wochen eine Verordnung verkündet, die zusätzliche Testmöglichkeiten auf Kassenkosten festlegt, besonders in sensiblen Bereichen wie Kliniken, Pflegeheimen, Schulen und Kitas.

13:07 Uhr | Patientenschützer fordern Tests in Pflegeheimen

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert Coronavirus-Tests in allen Pflegeheimen. "Es ist jetzt überfällig, dass alle Bundesländer für die 11.200 Pflegeheime verbindliche vorbeugende Reihentests festschreiben", erklärte Vorstand Eugen Brysch. Mit mehr als 800.000 Pflegebedürftigen lebe "genau hier die Hochrisikogruppe auf engsten Raum zusammen". Auch könne so das Infektionsgeschehen unter den Altenpflegekräfte schnell in den Blick genommen werden.

12:39 Uhr | Schauspiel-Ensemble in Quarantäne

Das Staatstheater Nürnberg hat sein Schauspiel-Ensemble in Quarantäne geschickt. Grund ist eine Infektion in der Familie eines Ensemble-Mitglieds. Wie das Theater mitteilte, wurde ein Großteil des Ensembles gebeten, präventiv in häuslicher Quarantäne zu bleiben. Eine Anordnung vom Gesundheitsamt gebe es nicht. Der Proben- und Vorstellungsbetrieb des Schauspiels wurde ausgesetzt.

11:44 Uhr | Mehr Infektionen in Tokio

Die japanische Hauptstadt Tokio hat heute die höchste Zahl an Coronavirus-Neuinfektionen seit der Aufhebung des nationalen Notstands Ende Mai registriert. Wie der Fernsehsender NHK meldete, wurden 60 Menschen binnen eines Tages positiv getestet. Am Tag zuvor seien es 57 Fälle gewesen. Seit einiger Zeit meldet Tokio täglich mehrere Dutzend neue Infektionen. Als Schwerpunkte gelten die Ausgehviertel der Metropole.

11:20 Uhr | Kinos wollen andere Abstandsregeln

Kino-Verbandschef Christian Bräuer plädiert für andere Abstandsregeln in Kinos. Statt der 1,50 Meter hält Bräuer es für sinnvoll, je einen Sitz zwischen den Besuchern frei zu lassen. Der Vorsitzende der AG Kino wies auf ähnliche Regelungen in Frankreich und anderen Ländern hin. Im Kinosaal laufe man nicht umher und spreche nicht, sagte Bräuer. Auch seien im Kino die Sitze viel breiter als im Flugzeug, wo die Passagiere direkt nebeneinander säßen.

Kinosaal
Bildrechte: Kinobar Prager Frühling Leipzig / Miriam Pfeiffer

11:06 Uhr | CNBG meldet ermutigende Testergebnisse

Die chinesische Firma CNBG meldet für einen Coronavirus-Impfstoff ermutigende Testergebnisse bei Menschen. Sie deuteten darauf hin, dass der Impfstoff sicher und wirksam sein könnte, teilte die China National Biotec Group (CNBG) mit. Das Medikament habe bei allen 1.120 geimpften Testpersonen hochgradige Antikörper gebildet. Es ist bereits der zweite Impfstoffkandidat der Firma, der in klinischen Studien gute Ergebnisse gezeigt hat.

10:57 Uhr | Infektionsfälle im Durchgangslager Friedland

Die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen im Durchgangslager Friedland im Kreis Göttingen ist auf 49 gestiegen. Betroffen seien Flüchtlinge, Spätaussiedler und Mitarbeiter, teilte die Landesaufnahmebehörde in Niedersachsen heute mit. Die positiv getesteten Bewohner sind demnach separat untergebracht. Alle negativ getesteten Bewohner und Mitarbeiter sollen am Dienstag erneut getestet werden. Zuerst war das Virus hier zu Beginn der vergangenen Woche bei einer Familie nachgewiesen worden.

10:30 Uhr | Wenige neue Infektionen gemeldet

Die lokalen Behörden in Deutschland haben gestern 242 neue Coronavirus-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Insgesamt Insgesamt meldeten laut Risklayer-Datenprojekt jedoch nur 27,7 Prozent der Kreise und Städte aktualisierte Daten.

Der Kreis Gütersloh lag noch deutlich über der Marke von 50 neuen Infektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Das teilte heute das Robert Koch-Institut mit. Demnach lag der Wert hier bei 132,9 nach 164,2 zuvor. Hintergrund ist die massive Ausbreitung des Virus im Tönnies-Fleischwerk in Rheda-Wiedenbrück. Bis Dienstag muss klar werden, ob der Lockdown in den nordrhein-westfälischen Kreisen Gütersloh und Warendorf bleibt. Er gilt seit Mittwoch und ist bis 30. Juni befristet. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz spielt dabei eine wichtige Rolle. Im Kreis Warendorf, in dem ebenfalls viele Tönnies-Mitarbeiter wohnen, lag sie laut RKI heute bei 21,2 Fällen.

International stieg die Zahl der bekannten Infektionen seit dem Beginn der Pandemie in der vergangenen Nacht über zehn Millionen. Am stärksten betroffen sind nach wie vor die USA und Brasilien.

10:00 Uhr | Bayern startet "Corona-Testoffensive"

In Bayern soll sich künftig jeder auf das Coronavirus testen lassen können, unabhängig davon, ob Covid-19-Symptome erkennbar sind. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) kündigte heute eine "Corona-Testoffensive" an: "Allen Bürgerinnen und Bürgern Bayerns wird deshalb zeitnah angeboten, sich bei einem niedergelassenen Vertragsarzt auch ohne Symptome testen zu lassen." Die Kosten soll größtenteils das Land übernehmen. Sollte allerdings ein Anspruch auf Erstattung durch eine andere Stelle wie etwa eine Krankenkasse bestehen, sei "diese Leistung vorrangig in Anspruch zu nehmen".

09:05 Uhr | Zwei Tests pro Woche vorgeschrieben

Die Beschäftigten der Fleischindustrie in Nordrhein-Westfalen müssen künftig mindestens zweimal pro Woche auf das Coronavirus getestet werden. Das hat das Landesarbeitsministerium verordnet. Die neuen Vorgaben gelten ab 1. Juli für Schlachthöfe und andere überwiegend Fleisch verarbeitende Betriebe mit mehr als 100 Beschäftigten. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Mitarbeiter direkt oder über Werkverträge beschäftigt sind. Die Betriebe wurden auch verpflichtet, Namen und Wohn- oder Aufenthaltsorte aller Personen zu erheben und für vier Wochen aufzubewahren, wenn sie sich auf einem Betriebsgelände aufgehalten haben.

08:13 Uhr | Kitas in Sachsen wieder im Normalbetrieb

Sachsens Kindertagesstätten kehren ab Montag wieder zum regulären Betrieb zurück. Das Gebot der strikten Trennung der Gruppen fällt weg. Auch Einschränkung bei den Öffnungszeiten gibt es nicht mehr. Dirk Reelfs, Sprecher des Kultusministeriums, verwies zudem darauf, dass es eine neue Gesundheitsbestätigung gebe. Demnach müssen Eltern nur noch bestätigen, dass ihr Kind symptomfrei ist - nicht mehr aber der gesamte Hausstand. Zudem seien nach Vorgaben des Robert Koch-Instituts die Symptome präzisiert: Husten, Fieber oder Erbrechen, nicht aber Schnupfen. Nach wie vor jedoch müssen Eltern, die ihr Kind in die Kita bringen oder abholen, Mundschutz tragen und Abstand zu anderen halten.

Vorschulkinder in einer Kita
In sächsischen Kitas darf es ab Montag wieder normal weitergehen Bildrechte: dpa

07:26 Uhr | Streeck fordert schnelle Eingreiftruppe

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat angesichts der aktuellen Coronavirus-Pandemie schnelle Eingriffsmöglichkeiten bei ähnlichen Infektionswellen auf nationaler und internationaler Ebene gefordert. In einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sprach er sich für eine Stärkung der Weltgesundheitsorganisation durch "ein Emergency Response Team der WHO" aus, eine "Einheit, die weltweit Infektionen eindämmen kann". Auch für Deutschland wünscht er sich "eine Eingreiftruppe für Infektionskrankheiten", die "nicht ausschließlich auf der Ebene der Länder" agiere. Dabei könne es sinnvoll sein, sie "beim Robert Koch-Institut anzudocken".

06:15 Uhr | Mehr Fälle im Kreis Gütersloh

Im Kreis Gütersloh hat es doch mehr positive Coronavirus-Tests außerhalb der Fleischindustrie gegeben. Wie der Kreis mitteilte, wurde nach dem Ausbruch im Tönnies-Schlachthof ein "merklicher Anstieg" der Fälle auch in der übrigen Bevölkerung festgestellt. In den vergangenen sieben Tagen seien 75 Neuinfektionen gezählt worden, bei Personen ohne direkten Bezug zu Tönnies. Zuvor hatte Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erklärt, dass im Kreis nur neun Neuinfektionen nachgewiesen worden seien. Allerdings hatte er keinen Zeitraum genannt. Ein Sprecher verwies darauf, dass den Kreisen die Daten häufig früher vorliegen. In den Kreisen Gütersloh und Warendorf war nach mehr als 1.500 Fällen im Tönnies-Werk ein Lockdown bis zum 30. Juni verkündet worden.

05:00 Uhr | Land zahlt für stornierte Klassenfahrten

Sachsen-Anhalt ist bislang mit 850.000 Euro für stornierte Klassenfahrten aufgekommen. Wie das Bildungsministerium mitteilte, wurden schon mehr als 600 Anträge geprüft und bestätigt. Auch beim Landesschulamt lägen noch mehrere hundert Anträge vor. Insgesamt stehen den Angaben zufolge rund sechs Millionen Euro für die Kosten der Stornierungen bereit. Sachsen-Anhalt hatte alle Schulfahrten wegen der Coronavirus-Pandemie am 10. März ausgesetzt.

04:26 Uhr | Irland könnte an Quarantäne für Briten festhalten

Irland will anscheinend an einer 14-tägigen Quarantäne für Reisende aus Großbritannien festhalten. Es sei "sehr unwahrscheinlich", dass das Königreich auf einer Liste der sicheren Staaten geführt werde, zitierte die "Sunday Times" aus einem Memo des Kabinetts in Dublin. Das dürfte den kleinen Grenzverkehr zwischen der britischen Provinz Nordirland und dem Rest der Insel weiter bremsen. Die Republik Irland hatte zuvor angekündigt, ab 9. Juli die bisherige Quarantäne-Regelung für als sicher eingestufte Staaten auszusetzen.

03:00 Uhr | US-Wahlkampfveranstaltungen abgesagt

US-Vizepräsident Mike Pence hat Wahlkampfveranstaltungen in den Corona-Hotspots Florida und Arizona abgesagt. Das Wahlkampfteam von Präsident Donald Trump erklärte, die Termine fielen "aus einem Übermaß an Vorsicht" aus. In den beiden Bundesstaaten hatte es kürzlich neue Rekorde bei der Zahl von Coronavirus-Neuinfektionen gegeben. In den USA stieg die Zahl der Infizierten auf mehr als 2,5 Millionen. Laut Johns-Hopkins-Universität sind in den USA inzwischen auch mehr als 125.000 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben.

02:35 Uhr | Mehr als zehn Millionen Infektionen weltweit

Weltweit sind nach neueren Zählungen inzwischen mehr als zehn Millionen Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus seit Beginn der Pandemie bekannt geworden. Mehr als 497.000 erkrankte Menschen sind seit Anfang des Jahres an oder mit Covid-19 gestorben.

Die Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Juni 2020 | 06:00 Uhr