Coronavirus 9. August: Paul-Ehrlich-Institut glaubt an Impfstoff 2020

Das Paul-Ehrlich-Institut ist zuversichtlich, dass ein Corona-Impfstoff noch in diesem Jahr zugelassen wird. Bei der Bundespolizei haben sich bis Ende Juni rund 1,57 Millionen Überstunden angehäuft. Freibäder und Museen klagen über weniger Besucher. Bundeswirtschaftsminister Altmaier will einen neuen Lockdown mit aller Macht verhindern. Die Entwicklungen im Ticker.

Unser Ticker am Sonntag, 9. August 2020, endet hiermit. Vielen Dank für Ihr Interesse. Aktuelle Meldungen und Hintergründe zum Coronavirus und zu Covid-19 finden Sie unter mdr.de/coronavirus.

20:26 Uhr | Paul-Ehrlich-Institut glaubt an Impfstoff 2020

Das für die Zulassung von Impfstoffen in Deutschland zuständige Paul-Ehrlich-Institut zeigt sich zuversichtlich, dass es noch in diesem Jahr Genehmigungen geben wird.

Präsident Klaus Cichutek des Paul Ehrlich Instituts
Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek Bildrechte: dpa

Instituts-Präsident Klaus Cichutek sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, er gehe davon aus, dass es Ende 2020 und Anfang 2021 erste Zulassungen geben werde. Positiv sei insbesondere, dass unterschiedliche Impfstoffkandidaten eine Immunantwort beim Menschen gegen das Sars-Coronavirus 2 hervorrufen würden. Zudem sei dies mit Dosierungen gelungen, die sich als verträglich erwiesen hätten.

Zugleich dämpfte Cichutek Hoffnungen, die geltenden Abstands- und Hygieneregeln würden nach Zulassung der ersten Impfstoffe sofort überflüssig sein. Er würde eher sagen, hoffentlich schaffe man es im nächsten Jahr, dass größere Teile der Bevölkerung durchgeimpft seien und man tatsächlich von den Public-Health-Maßnahmen absehen könne.

19:01 Uhr | Infektionszahl in den USA steigt über fünf Millionen

In den USA hat die Gesamtzahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen die Marke von fünf Millionen überschritten. Nach Angaben der Johns Hopkins Universität wurden bis Sonntagmorgen 5.000.603 Fälle gemeldet. Die Zahl der Corona-Toten in den Vereinigten Staaten stieg auf mehr als 162.000.

17:50 Uhr | Laschet gegen einen neuen Lockdown

Trotz steigender Infektionszahlen hat sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet gegen eine zweite Stilllegung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens wie im Frühjahr ausgesprochen.

Armin Laschet
Armin Laschet (Archivbild) Bildrechte: dpa

Das könne nicht die Lösung sein, sagte Laschet  am Sonntag nach einem Treffen mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff in Naumburg. Für die Zukunft würden gezieltere, regionale Maßnahmen gebraucht.

Laschet bezeichnete Demonstrationen gegen die staatlichen Corona-Schutzmaßnahmen als legitim. Die Demonstranten müssten sich aber wie alle anderen Bürger an die Corona-Hygieneregeln halten.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident hatte am Wochenende Sachsen-Anhalt besucht und sich u.a. das Bauhaus in Dessau und den Naumburger Dom angesehen.

17:15 Uhr | EU-Kommissarin: Impfstoff noch 2020

Die Gesundheits-EU-Kommissarin.
Stella Kyriakides Bildrechte: dpa

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides ist zuversichtlich, das zum Jahresende ein erster Impfstoff gegen Covid-19 verfügbar ist. Sie sagte dem "Handelsblatt", zwar seien konkrete Vorhersagen riskant. Es gebe aber gute Hinweise, dass dies zu schaffen sei. Ein Impfstoff könne nicht auf Anhieb alle Probleme lösen. Aber er werde schrittweise erlauben, zur Normalität zurückzukehren. Wichtig sei es vor allem, Risikogruppen zu impfen.

17:03 Uhr | Johnson: Schulöffnung hat nationale Priorität

Der britische Premierminister Boris Johnson hat die Rückkehr aller Schüler zum Unterricht zur nationalen Priorität erklärt. Johnson schrieb in einem Zeitungsbeitrag, die Schulen dürften nicht einen Augenblick länger geschlossen bleiben als unbedingt notwendig. Alles andere sei sozial und wirtschaftlich untragbar und moralisch nicht zu vertreten. Die Sommerferien in England gehen Anfang September zu Ende. Dann sollen alle Jahrgangsstufen wieder unterrichtet werden. In Schottland beginnt der Unterricht schon Mitte August. Medienberichten zufolge will Johnson im Falle eines starken Anstiegs der Coronavirus-Infektionen eher Läden, Kneipen und Restaurants schließen lassen als Schulen.

17:01 Uhr | Kabarettist Schroeder erntet Buhrufe bei "Querdenken"-Demo

Mit einem überraschenden Auftritt auf einer Anti-Corona-Demo in Stuttgart hat Kabarettist Florian Schroeder Applaus und Buhrufe von den Teilnehmern geerntet. Für seine Äußerung, er sei für mehr Meinungsfreiheit, bekam er am Sonnabend auf der "Querdenken"-Veranstaltung noch tosenden Beifall.

Der Kabarettist Florian Schroeder zu Gast in der ARD Talkshow " Maischberger .
Florian Schroeder Bildrechte: dpa

Als er ein vielstimmiges "Ja" auf seine Frage "Sind wir in einer Corona-Diktatur?" mit der Bemerkung konterte: "Dann dürftet Ihr euch hier gar nicht versammeln", nahm die Begeisterung schnell ab. Endgültig kippte die Stimmung, als Schroeder sagte, er sei der Auffassung, dass Corona eine hochgefährliche, ansteckende Krankheit sei und Maskentragen und Abstand halten das Wichtigste und Beste, was man in diesen Tagen tun könne. Schröder erklärte auf die Buhrufe: "Wenn Ihr für Meinungsfreiheit seid, müsst Ihr meine Meinung aushalten."

In Stuttgart hatten nach Polizeiangaben mehrere hundert Menschen u.a. für ein Ende der Corona-Schutzmaßnahmen demonstriert. Ein weiterer prominenter Redner war Ex-Fußballweltmeister Thomas Berthold, der unter dem Jubel der Teilnehmer erklärte, sein Vertrauen in die politische Führung sei "unter null angekommen", und er wolle, "dass wir unser altes Leben zurückbekommen".

15:16 Uhr | Freischaffende Künstler fordern Existenzgeld

Freischaffende Künstler haben in Berlin mit einem Protestmarsch auf ihre prekäre Lage in der Corona-Krise aufmerksam gemacht. Die Initiative "Künstler! Hilfe! Jetzt!" erklärte, durch die Absage aller Kulturveranstaltungen seien zahlreiche freie Künstler ihrer Existenzgrundlage beraubt worden. Die Demonstranten  verwiesen darauf, dass sie nunmehr seit März 2020 nicht mehr arbeiten können und forderten ein monatliches Existenzgeld.

14:12 Uhr | Masken-Lieferanten klagen gegen Bundesregierung

Dutzende Lieferanten von Schutzmasken klagen einem Bericht zufolge gegen die Bundesregierung. Das schreibt die "Welt am Sonntag" und beruft sich auf das zuständige Bonner Landgericht. Danach reichten 48 Lieferanten Klagen ein, weil sie vom Gesundheitsministerium nicht oder nur teilweise für gelieferte Waren bezahlt worden seien. Pro Woche kämen etwa zehn weitere Klagen hinzu. Mehrere Kanzleien schätzten die offenen Zahlungen dem Bericht zufolge auf etwa 400 Millionen Euro.

Aus dem Gesundheitsministerium hieß es, bisher seien nur 21 Klagen bekannt. Dabei gehe es um Forderungen von 59 Millionen Euro. Grund für die Verzögerung seien Qualitätsmängel und falsch gestellte Rechnungen.

12:07 Uhr | 7-Tage-Schnitt an Neuinfektionen steigt weiter

Bundesweit wurden am Samstag 558 neue Infektionen mit dem Coronavirus registriert. Das geht aus der Datenbank des am Karlsruher Institut für Technologie angesiedelten Projekts "Risklayer" hervor. 38 Prozent der Landkreise und kreisfreien Städte haben demnach Zahlen für Samstag gemeldet. Am Wochenende melden weniger Gesundheitsämter ihre Fallzahlen als unter der Woche.

Aufgrund der steigenden Infektionszahlen steigt allerdings die Zahl der Kreise, die ihre Zahlen an Samstagen und Sonntagen melden – in den vergangenen Wochen hatten am Wochenende meist nur knapp über 20 Prozent der Landkreise und kreisfreien Städte Zahlen gemeldet. Mit 558 lagen die Neuinfektionen am Samstag deutlich über dem Wert vor einer Woche mit 412. Dadurch steigt auch der sogenannte 7-Tage-Schnitt weiter an, auf nunmehr 831. So hoch lag der tägliche Durchschnitt der Neuinfektionen innerhalb einer Woche zuletzt im Mai. Die Kurve steigt seit ihrem Tiefststand mit 338 am 13. Juli stetig an – innerhalb von weniger als einem Monat hat sich der 7-Tage-Schnitt mehr als verdoppelt.

Die Zahlen für Mitteldeutschland bleiben derzeit jedoch niedrig, Sachsen-Anhalt und Thüringen meldeten am Samstag gar keinen neuen Fälle, in Sachsen gab es 5 registrierte Neuinfektionen.

11:11 Uhr | GEW kritisiert Versäumnisse bei Vorbereitung von Schulstart

Viele Lehrer und Schulen sind offenbar weiterhin schlecht auf digitalen Unterricht vorbereitet. Das sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe, der "Wirtschaftswoche". Laut Tepe haben die Landesregierungen die Ferienzeit zu wenig für konzeptionelle Arbeit genutzt. Der digitale Unterricht scheitere nicht am Willen der Lehrer, sondern an der fehlenden Infrastruktur. Die Ausstattung der Schulen sei in der Regel katastrophal. Nur etwa zehn Prozent der Lehrkräfte würden die notwendigen Geräte wie Laptops und Tablets durch ihre Schulen gestellt bekommen. In Thüringen seien Lehrern wegen der Benutzung privater Geräte sogar Bußgelder vom Datenschutzbeauftragten angedroht worden.

10:09 Uhr | Flughafen Erfurt-Weimar noch ohne Teststelle

Reiserückkehrer aus Risikogebieten werden am Flughafen Erfurt-Weimar nicht auf das Coronavirus getestet. Ein Flughafen-Sprecher sagte dem MDR, es sei bisher keine Corona-Teststelle eingerichtet worden. Auch andere Vorkehrungen, wie etwa Fiebermessen, seien nicht vorgesehen. Aktuell gibt es vom Flughafen Erfurt-Weimar aus Flüge von und nach Varna in Bulgarien, das als Risikogebiet eingestuft wurde.

09:55 Uhr | Bundespolizei enorm belastet

Durch die Coronapandemie hat die Belastung der Bundespolizei weiter zugenommen. Eine Anfrage der Grünen ergab, dass Bundespolizisten bis Ende Juni 1,57 Millionen Überstunden angehäuft hatten. Das sind etwa 38.000 mehr als Ende Januar. Grünen-Innenexpertin Irene Mihalic sprach von einem systematischen Verschleiß der Arbeitskraft.

09:39 Uhr | Weniger Besucher in Luther-Museen

In den Museen der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Besucherinnen und Besucher wegen der Corona-Pandemie deutlich zurückgegangen.

Lutherhaus Wittenberg
Das Lutherhaus in Wittenberg Bildrechte: dpa

Wie eine Sprecherin der Stiftung sagte, sind etwa in das Lutherhaus in Wittenberg in den ersten sechs Monaten nur rund 7.000 Interessierte gekommen. Normalerweise waren es in diesem Zeitraum rund 30.000.

Für andere Museen nannte die Sprecherin keine Zahlen. Die Stiftung umfasst fünf Museen in Wittenberg, Eisleben und Mansfeld. Wegen der Verordnungen zur Eindämmung des Coronavirus waren die Häuser von März bis Mai geschlossen.

07:23 Uhr | Werner: Maskenpflicht noch lange möglich

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner hält eine Maskenpflicht noch für längere Zeit möglich. Werner sagte, sie schließe nicht aus, dass Thüringer auch in der Vorweihnachtszeit noch mit Maske in den Geschäften einkaufen werden. Im Herbst und Winter hielten sich Menschen öfter in geschlossenen Räumen auf und lüfteten weniger. Das erhöhe das Infektionsrisiko.

In Thüringen läuft die aktuelle Corona-Grundverordnung Ende des Monats aus. Werner kann sich nach eigenen Angaben kleinere Lockerungen vorstellen. Tiefgreifende Änderungen seien nach jetzigem Stand aber nicht zu erwarten.

07:10 Uhr | Altmaier: Erneuten Lockdown mit aller Macht verhindern

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat gefordert, die bisherigen Maßnahmen gegen das Coronavirus zu überprüfen. Mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen sagte Altmaier den Zeitungen der "Funke-Mediengruppe", ein neuer Lockdown müsse mit aller Macht verhindert werden. Deshalb brauche es zielgenauere Maßnahmen und Korrekturen anstatt eines flächendeckenden Vorgehens. Nach einem halben Jahr Erfahrung mit dem Virus müsse medizinisch eingeordnet werden, was falsch gelaufen sei und geändert werden müsse. Altmaier betonte, der aktuelle Trend müsse umgekehrt werden. Es gehe um die Gesundheit aller, die Rückkehr in die Schulen und den Wirtschaftsaufschwung.

06:50 Uhr | Freibäder klagen über schlechte Saison

Durchwachsenes Wetter und Unsicherheiten bei Auflagen in der Corona-Krise verhagelt den Freibadbetreibern in Thüringen die Saison. Vom Freibad in Friedrichroda hieß es, man habe keine Hoffnung mehr auf eine normale Saison. Bis Anfang August habe nur an etwa zehn Tagen gutes Badewetter geherrscht.

Bestenfalls durchwachsene Zahlen verzeichnen die großen kommunalen Bäder in Erfurt und Jena sowie eher kleine Einrichtungen wie in Leutenberg oder Ilfeld. Wegen Hygieneauflagen gibt es in allen Bädern Besucherlimits. Dass Gäste deswegen abgewiesen werden mussten, kam aber bisher nur sehr selten vor.

Die Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. August 2020 | 06:00 Uhr