Coronavirus-Pandemie Ticker: Tschechien wartet noch mit dem Notstand

Die tschechische Regierung will trotz eines Expertenrats noch keinen Notstand ausrufen. In Halle ist das Infektionsgeschehen mit Blick auf Sachsen-Anhalt am höchsten. Ungarn meldet einen Höchststand an Neuinfektionen. In Madrid gibt es Protest gegen Corona-"Ghettos". Auf deutschen Intensivstationen werden weniger Betten für Covid-19-Patienten freigehalten. England führt hohe Geldstrafen bei Verstößen gegen Quarantäne-Auflagen ein. Mehr im Ticker.

Zwei Männer stehen mit ihren Hunden auf der Karlsbrücke.
Die Infektionszahlen in Tschechien sind im Verhältnis zur Einwohnerzahl extrem hoch. Bildrechte: dpa

Unser Ticker am Sonntag, den 20. September 2020, endet hiermit. Vielen Dank für Ihr Interesse. Aktuelle Meldungen und Hintergründe zum Coronavirus und zu Covid-19 finden Sie unter mdr.de/coronavirus.

22:30 Uhr | Hunderte nach Geburtstagsparty in Quarantäne

Nach einer privaten Geburtstagsparty in Baden-Württemberg sind Hunderte Menschen in Quarantäne. Wie der Leiter des Gesundheitsamtes Reutlingen mitteilte, wurden 14 Gäste positiv auf das Coronavirus getestet. Von der Quarantäne betroffen seien sieben Schulen und vier Fußballvereine. Laut dem Gesundheitsamt hatten die Party vor einer Woche 33 Gäste besucht. In Baden-Württemberg seien an solchen Feiern bis zu 100 Teilnehmer erlaubt.

22:03 Uhr | Mehr als 10.000 Neuansteckungen in Frankreich

Frankreich hat erneut mehr als 10.000 Neuinfektionen binnen eines Tages verzeichnet. Das Gesundheitsministerium berichtete am Sonntag von 10.569 Corona-Fällen, knapp 3.000 weniger als beim Rekordzuwachs von 13.498 am Vortag. Die Zahl der Toten erhöhte sich um 311 auf 31.585.

20:04 Uhr | Tschechien wartet noch mit dem Notstand

Mehrere Regierungsmitglieder in Tschechien haben zurückhaltend auf die Forderung nach einem Notstand reagiert. Das berichtet Radio Prag. Danach sagte Gesundheitsminister Adam Vojtěch im tschechischen Fernsehen, er wolle bei der Regierungssitzung am Montag nicht die Ausrufung eines Notstandes fordern. Auch der Innenminister und Leiter des Krisenstabes, Jan Hamáček, meinte, der Notstand stehe nicht auf der Tagesordnung.

Zuvor hatte der Regierungsbeauftragte für medizinische Forschung, Roman Prymula, eine Ausrufung des Notstandes empfohlen. Er sagte im Fernsehen, er erwarte demnächst einen Tageszuwachs von 6.000 bis 8.000 neuen Corona-Fällen. Es seien daher weitere einschränkende Maßnahmen notwendig, um die Infektionskurve abzuflachen und die Krankenhäuser zu entlasten.

In Tschechien wurden für den gestrigen Tag 2.046 neue Corona-Fälle gemeldet. Das sind zwar 1.000 weniger als am Donnerstag, aber der höchste Wert für einen Wochenend-Tag. Derzeit sind in Tschechien 23.579 Menschen aktuell mit dem Corona-Virus infiziert, mehr als im acht mal so großen Deutschland. Stationär behandelt werden 516 Patienten.

19:03 Uhr | USA testen eine Million Mal pro Tag

Die Anzahl der Corona-Tests in den USA hat einen neuen Rekord erreicht. Am Sonnabend wurden nach den Daten des Covid-Tracking-Projekts an einem Tag mehr als eine Million Tests durchgeführt. Den bisherigen Höchstwert gab es Ende Juli mit 800.000 Tests pro Tag.

17:52 Uhr | Proteste gegen Abriegelungen in Madrid

In der spanischen Hauptstadt Madrid haben Tausende Menschen gegen die coronabedingte Abriegelung von mehreren einkommensschwachen Vierteln protestiert. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie "Unsere Stadtteile sind keine Ghettos", "Mehr Ärzte, mehr Kontaktnachverfolger – keine Ausgrenzung" und "Ihr habt uns im Stich gelassen und nun sperrt ihr uns ein". Außerdem forderten sie den Rücktritt der konservativen Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso: "Ayuso, Du bist das Virus".

Die Regelung soll am Montag in Kraft treten und zwei Wochen lang gelten. Die jeweiligen Gebiete dürfen dann nur noch für dringende Angelegenheiten betreten oder verlassen werden, etwa für den Weg zur Arbeit, zur Schule oder zum Arzt. Betroffen sind nach amtlichen Angaben 850. 000 der rund 6,6 Millionen Einwohner der Region um die Hauptstadt.

Demonstranten sitzen auf einer Strasse im Stadtbezirk Villa de Vallecas. Tausende Menschen haben in Madrid gegen die Abriegelungen von mehreren einkommensschwachen Gebieten der spanischen Hauptstadt zur Eindämmung der Corona-Pandemie protestiert
Proteste in Madrid gegen die Abriegelung von Stadtvierteln Bildrechte: dpa

17:26 Uhr | Handelsverband will Sonntagsöffnung erzwingen

Der Handelsverband Deutschland (HDE) will im Streit um Sonntagsöffnungen eine Entscheidung erzwingen. HDE-Präsident Josef Sanktjohanser sagte "Welt online", der Verband sei entschlossen, Verfassungsbeschwerde einzureichen, um Rechtsklarheit zu bekommen. Dazu komme es voraussichtlich bereits in den nächsten Monaten. Sollte der Gang vor Gericht sein Ziel nicht erreichen, werde man eine Initiative für eine Grundgesetzänderung ergreifen.

Der Handelspräsident erklärte, für die Auffassung des Verbands gebe es quer durch die Parteien Befürworter. Auch viele Bürgermeister seien dafür. Die Corona-Krise habe die Situation für die Innenstädte dramatisch verschärft.

16:34 Uhr | Halle beunruhigt über erhöhte Fallzahlen

In Halle ist die Zahl der neuen Coronavirus-Infektionen im Lauf der vergangenen Woche recht schnell gestiegen.  Mit knapp 13 Infektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche liegt die Stadt noch unter dem selbst gewählten Grenzwert von 35. Zugleich ist es aber der derzeit höchste in Sachsen-Anhalt.

Die Stadt bittet, sich nicht nur bei Symptomen, sondern auch nach der Rückkehr von einer Reise auf das Coronavirus testen zu lassen. Nur über ein umfangreiches Testen könnten Infektionen frühzeitig festgestellt und Infektionsketten in unterbrochen werden, heißt es auf der Internetseite. Schwerpunkte des Infektionsgeschehens seien derzeit zwar Schulen. Betroffen seien aber auch immer wieder Reiserückkehrer und Menschen, die sich in ihrem privaten Umfeld ansteckten.

Als im Mai bundesweit der Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner eingeführt wurden, hatte Halle diesen auf 35 gesenkt. Wird er erreicht, sollen in der Stadt wieder strengere Regeln eine weitere Ausbreitung des Covid-19-Erregers eindämmen.

15:51 Uhr | Unmut über Corona-Prämie für Pflegekräfte

In mehreren großen Kliniken gibt es Unmut wegen der geplanten Corona-Prämie für Pflegekräfte. In einem Brief an Gesundheitsminister Jens Spahn kritisieren mehrere Arbeitnehmervertreter, dass der Bonus nur an Beschäftigte ausgezahlt werden soll, die direkt mit Covid-19-Patienten zu tun hatten oder haben. "Das schafft Unfrieden in der Belegschaft. Dafür übernehmen wir keine Verantwortung", heißt es in dem von rund 40 Vertreterinnen und Vertretern auch diverser Unikliniken unterschriebenen Schreiben. Alle Beschäftigten seien für die Krankenversorgung wichtig. Ihren Angaben zufolge würden bei der jetzigen Ausgestaltung des Corona-Bonus nur 100.000 von 440.000 Pflegekräften profitieren. Vorgesehen ist eine Prämie von bis zu 1.000 Euro.

15:33 Uhr | Mehr als 1.000 Neuansteckungen in Ungarn

In Ungarn sind erstmals mehr als 1.000 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages registriert worden. Der Krisenstab des Landes gab die Zahl mit 1.070 an. In Ungarn war das Infektionsgeschehen lange Zeit extrem niedrig. Seit Ende August steigen die Zahlen stark an. Mit fast 13.000 akut Infizierten hat das Land gemessen an der Bevölkerung fünf mal so viele aktive Fälle wie Deutschland.

Experten führen dies auf das sorglose Verhalten der Bevölkerung in den Sommermonaten zurück. Ab morgen verschärft die Regierung deshalb noch einmal die Corona-Vorschriften. Die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung wird auf praktisch alle öffentlichen Einrichtungen ausgeweitet. Restaurants müssen um 23 Uhr schließen.

Besonders betroffen ist Budapest, das von der der Bundesregierung bereits zum Risikogebiet erklärt worden ist. Die UEFA hält dennoch an der Austragung des Supercups am Donnerstag zwischen dem FC Bayern und dem FC Sevilla fest. Für das Spiel in der Puskás-Arena sind 20.000 Zuschauer zugelassen.

14:10 Uhr | Bayern und Hessen wollen Homeoffice steuerlich fördern

Bayern und Hessen wollen sich im Bundesrat dafür einsetzen, dass mehr Menschen ihr Homeoffice von der Steuer absetzen können. Insbesondere Bürger, die sich kein eigenes Arbeitszimmer einrichten könnten, sollten von der geplanten "Einfachvariante" profitieren, teilten der bayerische Finanzminister Albert Füracker (CSU) und sein hessischer Kollege Michael Boddenberg (CDU) am Sonntag gemeinsam mit. Die Initiative, die sie in den Finanzausschuss des Bundesrats einbringen wollen, sieht vor, dass pro vollem Tag im Homeoffice ein Pauschalbetrag von fünf Euro als Werbungskosten angesetzt werden kann – maximal 600 Euro pro Jahr.

Die Zahl der Beschäftigten, die von zu Hause aus arbeiten, war in der Corona-Krise sprunghaft angestiegen.

13:55 Uhr | Esken schlägt kostenlose Online-Nachhilfe vor

SPD-Chefin Saskia Esken hat kostenlose digitale Nachhilfe für benachteiligte Schülerinnen und Schüler ins Gespräch gebracht. Die Politikerin stellte im Gespräch mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe die Frage in den Raum, warum die öffentliche Hand Schülerinnen und Schülern nicht "ein Abonnement auf einer qualitätsgeprüften Nachhilfeplattform" eröffnen könne. "Wir müssen die Nachteile, die gerade sozial benachteiligten Familien und ihren Kindern aus der Pandemiebewältigung entstehen, so gering wie möglich halten und so weit wie möglich ausgleichen", sagte Esken. Die Kosten könnten nach ihren Worten mit dem Geld aufgefangen werden, das für ausfallende Fahrten ins Schullandheim vorgesehen gewesen sei.

11:19 Uhr | Erneut mehr als 1.000 neue Fälle in Deutschland

Am sechsten Tag in der Folge wurden in Deutschland am Samstag über 1.000 Neuinfektionen registriert. Laut Daten des Projekts Risklayer des Karlsuher Instituts für Technologie gab es genau 1.064 neue Fälle. Allerdings meldeten lediglich rund 45 Prozent der Landkreise Daten, weshalb die Zahlen wenig aussagekräftig sind und vermutlich erheblich höher liegen dürften.

11:00 Uhr | Kritik an AfD-Bundestagsfraktion

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hat den Umgang von AfD-Abgeordneten mit den Corona-Schutzmaßnahmen im Bundestag kritisiert. "Sie halten sich nicht an die Regeln, tragen keine Maske und bringen dadurch womöglich andere in Gefahr", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Das sei verantwortungslos, unsolidarisch und nicht akzeptabel.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hatte die Abgeordneten am Freitag ermahnt, sich an die dringende Empfehlung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in allen Parlamentsgebäuden zu halten. Insbesondere aus der AfD gab es Widerstand gegen die Empfehlung. Die Masken-Empfehlung für alle Liegenschaften des Bundestags hatte der Ältestenrat beschlossen, in dem alle Fraktionen vertreten sind.

07:06 Uhr | Tourismus in den Städten eingebrochen

Die Pandemie hat in Mitteldeutschland zu teilweise extremen Besucherrückgängen geführt. Insbesondere in den Städten brach der Tourismus geradezu ein. Nach Zahlen des MDR-Magazins "Heute im Osten" verzeichnete Leipzig im Juni 2020 beispielsweise 59 Prozent weniger Übernachtungen, in Dresden waren es 53 Prozent. In ähnlicher Größenordnung verloren auch die Thüringer Städte Eisenach, Erfurt, Jena und Weimar.

In ländlichen Regionen fielen die Rückgänge geringer aus. In der Sächsischen Schweiz gab es im Juni 2020 zum Beispiel nur 6,6 Prozent weniger Übernachtungen als im Vorjahresmonat. Im Harz gingen die Übernachtungen um ein Drittel zurück.

06:53 Uhr | Scheuer plant Hilfe für Flughäfen

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat sich dafür ausgesprochen, in der Corona-Krise Luftverkehr und Flughäfen zu unterstützen. Der CSU-Politiker sagte den Zeitungen der "Funke Mediengruppe", er werde ein Hilfskonzept für die 22 Flughäfen in Deutschland vorlegen und zu einem Luftverkehrsgipfel einladen. Auf dem Weg durch die Krise dürfe man niemanden verlieren. Zur Luftverkehrswirtschaft gehörten auch die Flugsicherung und die Abfertigungsdienste. Was er konkret plant, sagte Scheuer nicht.

06:34 Uhr | Weniger Betten für Corona-Patienten reserviert

Die deutschen Krankenhäuser halten trotz steigender Infektionszahlen zunehmend weniger Intensiv-Betten für Corona-Patienten frei. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Zuletzt hatte Baden-Württemberg die Mindestquote gesenkt. Statt 35 Prozent werden nur noch zehn Prozent der Betten für Corona-Intensivpatienten geblockt. Mehrere Bundesländer, darunter Sachsen-Anhalt, haben die Quote ganz abgeschafft.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte, er halte das für angemessen. Die Kliniken hätten Zeit und Erfahrung, um ihre Kapazitäten hochzufahren, wenn es wieder mehr Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf geben sollte.

06:25 Uhr | Geldstrafen für Verletzung von Quarantänepflicht in England

Die britische Regierung führt für England hohe Geldstrafen bei Verstößen gegen die Quarantäne-Regeln ein. Das kündigte Premierminister Boris Johnson an. Wer positiv getestet wurde oder Kontakt mit einem Infizierten hatte, muss sich künftig zwingend in Quarantäne begeben. Andernfalls droht eine Geldstrafe von umgerechnet 1.100 Euro. Bei wiederholtem Verstoß werden bis zu 11.000 Euro fällig. Die neue Vorschrift soll möglicherweise noch auf Schottland, Wales und Nordirland ausgedehnt werden.

06:00 Uhr | Der Ticker vom Sonntag

Guten Morgen, auch heute halten wir Sie in diesem Ticker über alle aktuellen Entwicklungen zur Pandemie auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier, die Ticker der vergangenen Tage finden Sie unten. 

Die Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. September 2020 | 06:00 Uhr