Von Zäunen mit Stacheldraht umgeben ist das Gelände der Firma LPT in Hamburg-Neugraben.
Das Gelände der Firma "Laboratory of Pharmacology and Toxicology" (LPT) im Landkreis Harburg ist von Zäunen mit Stacheldraht umgeben. Bildrechte: dpa

Nach "FAKT"-Recherchen Bereits genehmigte Tierversuche von LPT auf dem Prüfstand

Das Land Niedersachsen prüft den Widerruf von Tierversuchsgenehmigungen für das Labor LPT im Landkreis Harburg. Tierschützer hatten im Vorfeld heimlich gedrehtes Videomaterial aus der Firma in Niederhessen vorgelegt. "FAKT" hatte darüber berichtet.

Von Zäunen mit Stacheldraht umgeben ist das Gelände der Firma LPT in Hamburg-Neugraben.
Das Gelände der Firma "Laboratory of Pharmacology and Toxicology" (LPT) im Landkreis Harburg ist von Zäunen mit Stacheldraht umgeben. Bildrechte: dpa

Das Land Niedersachsen prüft den Widerruf aller Genehmigungen für Tierversuche für das Labor "Laboratory of Pharmacology and Toxicology" (LPT). Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) habe bereits vor einer Woche eine Anzeige gegen das im Landkreis Harburg ansässige Unternehmen eingereicht. Anlass dafür sei die Sichtung des von Tierschützern heimlich im Labor gedrehten Materials gewesen, hieß es aus dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium. Bei einer Vorortprüfung habe es Auffälligkeiten gegeben. Eine schriftliche Dokumentation dieser läge noch nicht vor.

Tierschützer fordern Schließung der Einrichtung

"Wir fordern keine Scheinlösungen, sondern einen sofortigen Schutz der Tiere, und das geht nur durch die Schließung des Tierlabors", betont Friedrich Mülln. Er ist Mitglied der Organisation SOKO Tierschutz, die gemeinsam mit der Tierschutzorganisation Cruelity Free International das Material vor Ort gedreht hatte. Dafür hatten sie einen Aktivisten als Mitarbeiter eingeschleust, der die Arbeit im Labor dokumentieren konnte. Während einer Versuchsreihe sei ein Affe gestorben und durch einen anderen ersetzt worden. "Das System Tierversuch ist unmoralisch und gefährlich", sagt Mülln.

Keine neuen Genehmigungen während der Prüfung

Kontrolleure des Landkreises Harburg führten bereits nach Bekanntwerden der Vorwürfe eine Kontrolle im Labor LPT durch. "Fakt" berichtete darüber. 44 Affen wurden in viel zu kleinen Käfigen vorgefunden. Vorgeschriebene Beschäftigungsmöglichkeiten fehlten. Bei der Überprüfung zuvor seien die Affen in Gruppen gehalten worden, so das niedersächsische Landwirtschaftsministerium. 250 Affen, 200 Hunde und 50 Katzen seien in der Einrichtung gewesen. Ihrer Verfassung nach wären sie in einem "nicht zu beanstandenden Allgemeinzustand" gewesen. Nun müssten die einzelnen Abläufe geprüft werden. Bis die Ergebnisse vorliegen, sollen keine Anträge von LPT auf weitere Genehmigungen von Tierversuchen bearbeitet werden.

Der Agrarausschuss des niedersächsischen Landtages hatte das Thema kurzfristig als Tagesordnungspunkt aufgenommen. Abgeordnete aller Fraktionen waren "erschüttert" und "betroffen", über das durch die Tierschützer nun vorliegende Videomaterial. Für Miriam Staudte von den Grünen zeige sich hier das "Kontrollversagen staatlicher Behörden beim Tierschutz".

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 15. Oktober 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2019, 16:30 Uhr