Hamburg: Blick auf das Gelände der Firma LPT in Hamburg-Neugraben. Nach Hinweisen auf schwere Tierschutzverstöße nehmen die niedersächsischen Behörden ein Tierversuchslabor in Mienenbüttel nahe Hamburg genau unter die Lupe.
Das Tierversuchslabor der Firma Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) befindet sich im Neu Wulmstorfer Ortsteil Mienenbüttel bei Hamburg. Bildrechte: dpa

Tierschutz-Skandal Nach "FAKT"-Berichterstattung: Behörde will Tierversuchslabor häufiger kontrollieren

Das Veterinäramt Harburg hat erneut eine Kontrolle im umstrittenen Tierversuchslabor LPT durchgeführt. Dabei seien weiterhin Mängel bei der Tierhaltung aufgefallen. Zukünftig solle LPT engmaschiger kontrolliert werden.

Hamburg: Blick auf das Gelände der Firma LPT in Hamburg-Neugraben. Nach Hinweisen auf schwere Tierschutzverstöße nehmen die niedersächsischen Behörden ein Tierversuchslabor in Mienenbüttel nahe Hamburg genau unter die Lupe.
Das Tierversuchslabor der Firma Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) befindet sich im Neu Wulmstorfer Ortsteil Mienenbüttel bei Hamburg. Bildrechte: dpa

Eine erneute Überprüfung durch das Veterinäramt Harburg hat ergeben, dass es im privaten Tierversuchslabor der Firma LPT weiterhin Mängel bei der Tierhaltung gibt. Das teilte eine Sprecherin des Kreises Harburg am Montag mit. Die Behörde hat damit innerhalb weniger Tage zwei Kontrollen durchgeführt. "FAKT" hatte zuvor über unhaltbare Zustände bei LPT berichtet.

LPT bekommt weitere Auflagen

Die jüngste Vorortkontrolle habe aber auch gezeigt, dass LPT wie gefordert die Unterbringung von Affen in zu kleinen Käfigen unterlasse. Die Vorrichtungen seien abgebaut worden. Mitarbeiter des Veterinäramtes hätten keine verletzte oder kranke Tiere vorgefunden.

Wie die Sprecherin des Landkreises Harburg erklärte, seien dem Tierversuchslabor LPT weitere Auflagen erteilt worden. Auch sei geplant, den Betrieb im Neu Wulmstorfer Ortsteil Mienenbüttel in kürzeren Abständen und häufiger als vorgeschrieben zu kontrollieren. Gesetzlich vorgesehen ist bei Affen in Tierversuchen eine jährliche Prüfung, bei anderen Tieren nur alle drei Jahre. LPT muss zudem das Veterinäramt zukünftig ausführlich über bevorstehende Versuchsreihen und deren Durchführung informieren.

Demonstranten fordern Schließung des Tierversuchslabors

Mehrere Tausend Menschen waren am Samstag in Hamburg auf die Straße gegangen, um gegen die Tierversuchspraktiken von LPT zu protestieren. Die Demonstranten folgten einem Aufruf der SOKO Tierschutz und forderten auf Transparenten unter anderem die Schließung des privaten Labors, das sich südlich von Hamburg befindet. Einer der wohl prominentesten Teilnehmer war der Designer Guido Maria Kretschmer.

Bilder von der Demonstration

Mit Schildern und Transparenten demonstrieren Menschen gegen Tierversuche
Nach Polizeiangaben waren 7.300 Menschen am 19. Oktober in Hamburg dem Aufruf der SOKO Tierschutz zur Demo gegen Tierversuche gefolgt. Bildrechte: dpa
Mit Schildern und Transparenten demonstrieren Menschen gegen Tierversuche
Nach Polizeiangaben waren 7.300 Menschen am 19. Oktober in Hamburg dem Aufruf der SOKO Tierschutz zur Demo gegen Tierversuche gefolgt. Bildrechte: dpa
Mit Schildern und Transparenten demonstrieren Menschen gegen Tierversuche
Unter den Teilnehmern befand sich auch der Designer Guido Maria Kretschmer. Bildrechte: imago images/Jannis Große
Niedersachsen, Mienenbüttel: Zahlreiche Kerzen stehen bei einer Mahnwache von mehreren hundert Teilnehmern vor dem Labor der Firma LPT am Rande von Mienenbüttel.
Vor dem Labor LPT wurde auch eine Mahnwache abgehalten. Bildrechte: dpa
Niedersachsen, Mienenbüttel: Auf einem langen Transparent steht bei einer Mahnwache von mehreren hundert Teilnehmern vor dem Labor der Firma LPT die Aufschrift "LPT schliessen sofort".
Unter anderem wurde die Schließung des Tierversuchslabors der Firma LPT gefordert. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Tiere bei Versuchen gesetzeswidrig zu misshandeln. Bildrechte: dpa
Niedersachsen, Mienenbüttel: Vor dem Labor der Firma LPT werden bei einer Mahnwache von mehreren hundert Teilnehmern u.a. Schilder mit den Aufschriften "Alles was der Mensch den Tieren antut kommt auf den Mensch zurück" oder "Tierversuche: wenn Forschung zum Verbrechen wird" gehalten.
Das schlechte Wetter hatte die Demonstranten nicht abgehalten. Bildrechte: dpa
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"Nach meiner Auffassung muss das eine der größten Tierschutzdemos Deutschlands sein, wenn nicht sogar die größte. Ich habe sowas in 25 Jahren nicht erlebt", zog Friedrich Mülln am Samstag Bilanz. Er ist Mitglied der 2012 ins Leben gerufenen SOKO Tierschutz. Die Organisation kämpft für das Ende von Tierversuchen.

Tierversuche sind grausam, sinnlos und gefährlich.

Friedrich Mülln FAKT

Vorwürfe gegen LPT: Misshandlung von Tieren und Testbetrug

Tierschützer hatten vor wenigen Tagen Bildmaterial veröffentlicht, das im Tierversuchslabor LPT entstanden ist. Die heimlichen Aufnahmen hatte ein Aktivist gemacht, der sich als Mitarbeiter in das Labor einschleichen konnte. Die Bilder zeigen leidende Affen und blutenden Hunde. Die SOKO Tierschutz spricht von gesetzeswidrigen Misshandlungen der Tiere. Auch steht der Vorwurf im Raum, dass ein während eines Testversuchs verstorbener Affe durch einen anderen ersetzt wurde. Die ehemalige Landwirtschaftsministerin Renate Künast sprach "FAKT" gegenüber von "einer Art Betrug".

Staatsanwaltschaft ermittelt

Ein Hund liegt auf schmutzigen Kacheln.
Die Aufnahme stammt aus dem Filmmaterial der Tierschützer. Bildrechte: Cruelity Free International/SOKO Tierschutz

Die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt zu den Vorwürfen. Es liegen bereits mehrere Anzeigen vor, so auch von der SOKO Tierschutz, dem Landkreis Harburg und vom niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz. "Bei der aktuellen Untersuchung kooperieren wir vollumfänglich mit den Behörden", äußerte sich LPT dazu. Das Unternehmen erklärte, in dem Tierversuchslabor würden Auftragsstudien im Zuge von Arzneimittelzulassungen durchgeführt. Es gehe dabei um "präklinische Prüfungen einer Substanz auf Toxizität, bevor diese in die klinische Prüfung geht, das heißt am Menschen getestet wird".

Missstände durch "FAKT"-Recherchen aufgedeckt

Wie der Landkreis Harburg in einer öffentlichen Stellungnahme erklärt, habe das Veterinäramt Harburg vor Bekanntwerden des Videomaterials durch die Tierschützer "keine gravierenden Verstöße gegen die Tierschutz- und Haltungsbestimmungen" festgestellt. "Seit 2015 fanden insgesamt neun Kontrollen statt, davon sieben unangekündigt.", heißt es weiter. Nach einem Hinweis auf die von den Tierschützern dokumentierten Abläufe bei LPT habe die Behörde "unverzüglich reagiert" und "eine umfassende und unangekündigte weitere Kontrolle des Betriebs durchgeführt, die den konkreten Verdacht strafrechtlich relevanter Handlungen ergaben". "FAKT" hatte über die fragwürdigen Zustände in dem Tierversuchslabor LPT berichtet und Unregelmäßigkeiten bei den Test aufgedeckt.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 15. Oktober 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2019, 15:50 Uhr