Schild Gelände LPT
Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat sich nach Berichten ehemaliger LPT-Mitarbeiter über mutmaßliche Manipulationen bei Testreihen von LPT eingeschaltet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"FAKT" liegt internes Papier vor Tierversuchslabor LPT stellt Testreihen in Mienenbüttel ein

Nach einem internen Papier, das "FAKT" vorliegt, erklärt LPT in Mienenbüttel Tierversuche mit Hunden, Katzen und Affen bis Ende Februar 2020 einzustellen. Das Tierversuchslabor schreibt, dies geschehe auf medialen Druck.

Schild Gelände LPT
Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat sich nach Berichten ehemaliger LPT-Mitarbeiter über mutmaßliche Manipulationen bei Testreihen von LPT eingeschaltet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach schweren Manipulationsvorwürfen gegen das Hamburger Tierversuchslabor LPT räumt die Firma erste Mängel ein. Wie aus einem internen Papier des Unternehmens hervorgeht, das dem ARD-Magazin FAKT vorliegt, sollen am Standort Mienenbüttel die Tierversuche mit Hunden, Katzen und Affen bis Ende Februar kommenden Jahres eingestellt werden. Dies sei mit den zuständigen Behörden so vereinbart. Als Grund gibt das LPT an, dass die kontrollierenden Behörden dem medialen Druck nicht standgehalten hätten. Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz erklärt gegenüber "FAKT", die Ankündigung der Einstellung dieser Tierversuche des LPT sei weltweit einzigartig.

"FAKT"-Recherchen deckten Missstände auf

Am 15.  Oktober hatte das ARD-Magazin FAKT erstmals über Missstände in dem LPT-Tierversuchslabor in Mienenbüttel bei Harburg berichtet. Grundlage war von der  SOKO Tierschutz bereitgestelltes Videomaterial. Den Aktivisten war es gelungen, einen Mitarbeiter im Labor einzuschleusen und so die Zustände heimlich zu dokumentieren.  Die Bilder zeigten, wie Tiere in dem Versuchslabor misshandelt werden. Auch war zu sehen, wie ein Affe innerhalb einer Testreihe nach seinem Tod offensichtlich durch einen lebenden ersetzt wurde, ohne dass dies protokolliert worden ist. In der  "FAKT"-Sendung vom 5. November meldeten sich ehemalige LPT-Mitarbeiter zu Wort, die von mutmaßlichen Manipulationen bei Tierversuchstestreihen an den LPT-Standorten Mienenbüttel und Wankendorf berichteten.

Vielzahl von Ermittlungen laufen

Seit der Berichterstattung haben sich schon viele Behörden eingeschaltet, um die Vorwürfe gegen LPT hinsichtlich möglicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz zu klären. Die Staatsanwaltschaft Stade hat diesbezüglich Ermittlungen aufgenommen. Das Veterinäramt Harburg hat dem Standort Mienenbüttel Auflagen erteilt und will in der Zukunft strengere Kontrollen vor Ort durchführen, als diese gesetzlich vorgeschrieben sind. Der zuständige Landkreis Harburg prüft eine mögliche Entziehung der Betriebsgenehmigung. Die SOKO Tierschutz hat zudem Strafanzeige gestellt wegen des Verdachts des mehrfachen gewerbsmäßigen Betrugs und die niedersächsischen Grünen wegen Körperverletzung durch gefährliche Medikamente.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 06. November 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. November 2019, 14:19 Uhr

Tierschützer demonstrieren seit Wochen für die Schließung von LPT

Mit Schildern und Transparenten demonstrieren Menschen gegen Tierversuche
Nach Polizeiangaben waren 7.300 Menschen am 19. Oktober in Hamburg dem Aufruf der SOKO Tierschutz zur Demo gegen Tierversuche gefolgt. Bildrechte: dpa
Mit Schildern und Transparenten demonstrieren Menschen gegen Tierversuche
Nach Polizeiangaben waren 7.300 Menschen am 19. Oktober in Hamburg dem Aufruf der SOKO Tierschutz zur Demo gegen Tierversuche gefolgt. Bildrechte: dpa
Mit Schildern und Transparenten demonstrieren Menschen gegen Tierversuche
Unter den Teilnehmern befand sich auch der Designer Guido Maria Kretschmer. Bildrechte: imago images/Jannis Große
Niedersachsen, Mienenbüttel: Zahlreiche Kerzen stehen bei einer Mahnwache von mehreren hundert Teilnehmern vor dem Labor der Firma LPT am Rande von Mienenbüttel.
Vor dem Labor LPT wurde auch eine Mahnwache abgehalten. Bildrechte: dpa
Niedersachsen, Mienenbüttel: Auf einem langen Transparent steht bei einer Mahnwache von mehreren hundert Teilnehmern vor dem Labor der Firma LPT die Aufschrift "LPT schliessen sofort".
Unter anderem wurde die Schließung des Tierversuchslabors der Firma LPT gefordert. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Tiere bei Versuchen gesetzeswidrig zu misshandeln. Bildrechte: dpa
Niedersachsen, Mienenbüttel: Vor dem Labor der Firma LPT werden bei einer Mahnwache von mehreren hundert Teilnehmern u.a. Schilder mit den Aufschriften "Alles was der Mensch den Tieren antut kommt auf den Mensch zurück" oder "Tierversuche: wenn Forschung zum Verbrechen wird" gehalten.
Das schlechte Wetter hatte die Demonstranten nicht abgehalten. Bildrechte: dpa
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