Von Zäunen mit Stacheldraht umgeben ist das Gelände der Firma LPT in Hamburg-Neugraben.
Das Gelände der Firma "Laboratory of Pharmacology and Toxicology" (LPT) in Mienenbüttel bei Hamburg ist von Zäunen mit Stacheldraht umgeben. Bildrechte: dpa

Mutmaßlich manipulierte Tierversuche Nach "FAKT"-Bericht: Hamburger Staatsanwaltschaft prüft Vorwürfe von Ex-Mitarbeitern gegen LPT

Bei "FAKT" berichteten am 5. November Ex-Mitarbeiter von LPT von mutmaßlichen Fälschungen bei Tierversuchsreihen an verschiedenen Standorten. Die Hamburger Verbraucherschutzbehörde lässt die Vorwürfe durch die Staatsanwaltschaft prüfen.

Von Zäunen mit Stacheldraht umgeben ist das Gelände der Firma LPT in Hamburg-Neugraben.
Das Gelände der Firma "Laboratory of Pharmacology and Toxicology" (LPT) in Mienenbüttel bei Hamburg ist von Zäunen mit Stacheldraht umgeben. Bildrechte: dpa

Nach den Äußerungen ehemaliger Mitarbeiter von LPT gegenüber dem ARD-Magazin "FAKT, in dem Unternehmen werde bei Tierversuchen manipuliert, ist die Staatsanwaltschaft Hamburg eingeschaltet worden. Das teilte die zuständige Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz mit.

In "FAKT" kamen ehemalige Mitarbeiter von LPT zu Wort, die über das mutmaßliche Fälschungen von Testreihen in Tierversuchslaboren von LPT in Wankendorf (Schleswig-Holstein) und Mienenbüttel (Niedersachsen) berichteten. Eine Frau sagte sogar, sie habe selbst Dokumente am Standort Mienenbüttel gefälscht.

Die Verbraucherschutzbehörde von Hamburg erklärte einen Tag nach der Ausstrahlung: "Aufgrund der in den Medien öffentlich bekannt gewordenen Vorwürfen von ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Firma LPT hat die zuständige Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz heute die Hamburger Staatsanwaltschaft gebeten, wegen der im Raum stehenden Vorwürfe Ermittlungen aufzunehmen."

Genehmigung von Tierversuchsanträgen von LPT auf Eis

"Die aktuellen Ereignisse werfen Fragen hinsichtlich der Zuverlässigkeit von LPT auf", heißt es weiter in der Pressemitteilung. Vor einer Klärung der Vorwürfe solle LPT keine weiteren Genehmigungen für Tierversuchsreihen erhalten, so die Hamburger Verbraucherschutzbehörde. Mit den zuständigen Behörden in Niedersachsen und Schleswig-Holstein wolle man sich abstimmen, wie man weiter vorgehe.

Pharmaunternehmen sollen Verträge gekündigt haben - Tierschützer fordern Schließung

Mehrere große Pharmakonzerne wie Merck und Boehringer Ingelheim sollen nach Angaben von SOKO Tierschutz bereits Verträge mit LPT gekündigt haben. Seit Wochen demonstrieren die Tierschützer für eine Schließung von LPT. Am 16. November ist wieder eine Großdemo in Hamburg geplant. "Es reicht jetzt, die Behörden haben lange genug zugesehen", sagt Friedrich Mülln von der SOKO Tierschutz. "Das Todeslabor" müsse "dicht gemacht werden".

Bilder von der Demo vom 19. Oktober

Nach Polizeiangaben haben rund 7.300 Menschen in Hamburg gegen Tierversuche protestiert. Veranstalter der Demo war die SOKO Tierschutz. Die Organisation hatte zuvor Bilder aus dem Tiervorsuchslabor LPT veröffentlicht.

Mit Schildern und Transparenten demonstrieren Menschen gegen Tierversuche
Nach Polizeiangaben waren 7.300 Menschen am 19. Oktober in Hamburg dem Aufruf der SOKO Tierschutz zur Demo gegen Tierversuche gefolgt. Bildrechte: dpa
Mit Schildern und Transparenten demonstrieren Menschen gegen Tierversuche
Nach Polizeiangaben waren 7.300 Menschen am 19. Oktober in Hamburg dem Aufruf der SOKO Tierschutz zur Demo gegen Tierversuche gefolgt. Bildrechte: dpa
Mit Schildern und Transparenten demonstrieren Menschen gegen Tierversuche
Unter den Teilnehmern befand sich auch der Designer Guido Maria Kretschmer. Bildrechte: imago images/Jannis Große
Niedersachsen, Mienenbüttel: Zahlreiche Kerzen stehen bei einer Mahnwache von mehreren hundert Teilnehmern vor dem Labor der Firma LPT am Rande von Mienenbüttel.
Vor dem Labor LPT wurde auch eine Mahnwache abgehalten. Bildrechte: dpa
Niedersachsen, Mienenbüttel: Auf einem langen Transparent steht bei einer Mahnwache von mehreren hundert Teilnehmern vor dem Labor der Firma LPT die Aufschrift "LPT schliessen sofort".
Unter anderem wurde die Schließung des Tierversuchslabors der Firma LPT gefordert. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Tiere bei Versuchen gesetzeswidrig zu misshandeln. Bildrechte: dpa
Niedersachsen, Mienenbüttel: Vor dem Labor der Firma LPT werden bei einer Mahnwache von mehreren hundert Teilnehmern u.a. Schilder mit den Aufschriften "Alles was der Mensch den Tieren antut kommt auf den Mensch zurück" oder "Tierversuche: wenn Forschung zum Verbrechen wird" gehalten.
Das schlechte Wetter hatte die Demonstranten nicht abgehalten. Bildrechte: dpa
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Missstände durch "FAKT"-Recherchen aufgedeckt

"FAKT" hatte in der Sendung am 18. Oktober erstmals über Missstände bei LPT berichtet. Tierschützer hatten dem Nachrichtenmagazin heimlich gedrehtes Videomaterial aus dem Tierversuchslabor in Mienenbüttel bei Hamburg zur Verfügung gestellt. Die Aufnahmen zeigten die Qualen von Hunden und Affen bei Tierversuchen. Auch stand der Vorwurf im Raum, dass ein Affe innerhalb einer Testreihe nach seinem Tod offensichtlich durch einen lebenden ersetzt wurde, ohne dass dies vermerkt worden wäre.

Vielzahl von Ermittlungen laufen

Seit der Berichterstattung haben sich schon viele Behörden eingeschaltet, um die Vorwürfe gegen LPT hinsichtlich möglicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz zu klären. Die Staatsanwaltschaft Stade hat diesbezüglich Ermittlungen aufgenommen. Das Veterinäramt Harburg hat dem Standort Mienenbüttel Auflagen erteilt und will in der Zukunft strengere Kontrollen vor Ort durchführen, als diese gesetzlich vorgeschrieben sind. Der zuständige Landkreis Harburg prüft eine mögliche Entziehung der Betriebsgenehmigung. Die SOKO Tierschutz hat zudem Strafanzeige gestellt wegen des Verdachts des mehrfachen gewerbsmäßigen Betrugs und die niedersächsischen Grünen wegen Körperverletzung durch gefährliche Medikamente.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 06. November 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2019, 17:25 Uhr