Coronavirus Forscher finden möglichen Superspreader bei Tönnies

Der massive Corona-Ausbruch im Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda -Wiedenbrück geht offenbar auf einen einzelnen Mitarbeiter zurück. Das ergab eine Untersuchung. Begünstigt wurde die Übertragung durch die Arbeitsbedingungen.

Auߟenansicht des Firmengeländes vom Fleischwerk Tönnies
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Der massive Corona-Ausbruch beim Fleischhersteller Tönnies in Rheda-Wiedenbrück geht offenbar auf einen Mitarbeiter in der Rinderzerlegung zurück. Das ergab eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung, der Uniklinik Hamburg-Eppendorf und des Leibniz-Instituts für Experimentelle Virologie.

Die Forscher analysierten die Standorte der Beschäftigten bei der Arbeit und die Infektionsketten anhand von Virussequenzen. Dabei stellten sie fest, dass das Virus auf weitere Beschäftigte in einem Umkreis von mehr als acht Metern übertragen wurde.

Arbeitsbedingungen offenbar entscheidend

Tönnies
Fleischzerlegung bei Tönnies (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie aus der Studie weiter hervorgeht, spielten die Arbeitsbedingungen eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung des Virus. Mitautor Adam Grundhoff erklärte, die hauptsächliche Übertragung habe im Zerlegebereich für Rinderviertel stattgefunden, wo Luft umgewälzt und auf zehn Grad Celsius gekühlt werde. Hinzu kämen eine geringe Frischluftzufuhr und anstrengende körperliche Arbeit. Unter diesen Bedingungen sei ein Abstand von 1,50 bis drei Meter allein "ganz offenbar nicht ausreichend, um eine Übertragung zu verhindern."

Grundhoff fügte hinzu, es sei auch nachgewiesen worden, dass die bei Tönnies gefundenen Virussequenzen zuvor auch in einem Werk einer Westfleisch-Tochter in Dissen in Niedersachsen eine Rolle gespielt hätten. Die Studienergebnisse wurden noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht, sondern vorab auf eine sogenannte Preprint-Plattform gestellt.

Wohnsituation keine wesentliche Ursache

Die Wohnsituation der Werksarbeiter in Rheda-Wiedenbrück spielte nach Angaben der Forscher hingegen keine wesentliche Rolle bei der Verbreitung des Virus. Zuvor war vermutet worden, dass die beengte Unterbringung der vor allem aus Rumänien stammenden Arbeiter mitverantwortlich für rasante Übertragung war.

Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministers Karl-Josef Laumann haben sich bislang 2.119 Menschen im Zusammenhang mit dem Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück infiziert. Bei weiteren 67 Fällen gelte ein Zusammenhang als möglich, sagte der CDU-Politiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung". 41 Infizierte mussten demnach im Krankenhaus behandelt werden, gestorben ist bislang niemand.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Juli 2020 | 18:00 Uhr

1 Kommentar

Rasselbock vor 17 Wochen

Gesetzt die Studie ist verifizierbar, Gegentests bestätigen den Sachverhalt dann taugt die bisherige Technologie unter Corona Bedingungen gar nix. Wirtschaftliche Kriterien sind nicht mehr einzuhalten.Aber, ohne grundlegende Änderungen kann man so nicht weitermachen. Über die Folgen muss man erst einmal eine genaue Analysemachen. Massenschlachthöfe sind aber offenbar nicht mehr betreibbar.