Hochwasser in Venedig
Einwohner und Touristen laufen im überschwemmten Venedig über eine Behelfsbrücke. Bildrechte: dpa

Italien Notstand für Venedig wegen Überschwemmungen ausgerufen

Nach den verheerenden Überschwemmungen können die Einwohner und Geschäftsleute mit Soforthilfe rechnen. Die Regierung in Rom rief den Notstand für die Lagunenstadt aus. Das Ausmaß der Schäden ist nicht abzusehen.

Hochwasser in Venedig
Einwohner und Touristen laufen im überschwemmten Venedig über eine Behelfsbrücke. Bildrechte: dpa

Wegen der verheerenden Überschwemmungen in Venedig hat die italienische Regierung den Notstand für die Lagunenstadt beschlossen. Der Ministerrat erklärte, damit würden 20 Millionen Euro an Soforthilfe freigegeben. Privatleute können mit 5.000 Euro und Geschäftsleute mit 20.000 Euro rechnen.

Höchster Pegelstand seit 1966

Venedig ist in dieser Woche vom schwersten Hochwasser seit Jahrzehnten heimgesucht worden. Heftiger Wind hatte den Wasserstand in der Nacht zu Mittwoch auf 187 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel ansteigen lassen. Das war der höchste Wert seit 1966.

Wohnungen, Geschäfte und Markusdom überschwemmt

Hochwasser auf dem Markusplatz in Venedig
Der Markusplatz steht unter Wasser. Bildrechte: dpa

Mehr als 80 Prozent der historischen Stadt stehen unter Wasser. Es flutete Wohnungen und Geschäfte in den Erdgeschossen der Häuser. Viele Anlegestellen für die berühmten Touristen-Gondeln wurden weggerissen.

Viele historische Gebäude und Baudenkmäler sind durch das salzige und schmutzige Wasser in Mitleidenschaft gezogen. Der Markusplatz und die Krypta des Markusdoms standen unter Wasser. Das ganze Ausmaß der Schäden ist bislang nicht abzusehen.

Kulturminister Dario Franceschini sprach von einem "Notfall". Kunstwerke in Sammlungen oder Material in Archiven und Bibliotheken seien aber nach ersten Erkenntnissen nicht beschädigt worden.

Neue Niederschläge angekündigt

Am Donnerstag ging der Wasserstand zwar am Vormittag um gut einen halben Meter zurück. Am Freitag soll er aber wieder steigen. Im ganzen Norden Italiens, aber auch in anderen Landesteilen, werden für die nächsten Tage weiter heftige Niederschläge erwartet.

Streit um Flutschutz "Mose" entbrannt

Hochwasser in Venedig
Touristen waten in Gummistiefeln über den Markusplatz. Bildrechte: dpa

Das Hochwasser löste einen heftige Streit über den mangelnden Flutschutz in der Unesco-Welterbestadt aus. Im Mittelpunkt steht das Milliarden-Projekt mit dem Namen "Mose" - kurz für "Modulo Sperimentale Elettromeccanico".

Es sollte eigentlich 2014 in Betrieb gehen. Dabei sollen riesige Barrieren an drei Eingängen zur Lagune hochgefahren werden und die Stadt schützen, sobald der Meeresspiegel eine kritische Marke überschreitet.

Mit den Arbeiten war vor mehr als 15 Jahren begonnen worden. Bislang kosteten sie knapp sechs Milliarden Euro. Ein Korruptionsskandal verzögerte das umstrittene Mammutwerk.

Zudem gibt es Kritik, dass ein Eingriff in das sensible Ökosystem der Lagune mehr schade als nutze. Kritiker befürchten zudem, dass das Wasser trotz der Wände weiter in die Stadt fließt, dann aber langsamer wieder abfließen kann.

Kritik an Kreuzfahrtschiffen

Wissenschaftler führen die zunehmenden Fluten in Venedig auf den Klimawandel zurück, der den Meeresspiegel steigen lässt. Viele Kritiker halten auch die großen Kreuzfahrtschiffe für eine Gefahr. Weil für sie immer tiefere Fahrrinnen ausgehoben würden, entwickelten sich Teile der Lagune zu einem offenen Meeresarm.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 14. November 2019 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2019, 22:01 Uhr