30 Jahre nach der Wiedervereinigung Warum mehr Menschen aus dem Westen in den Osten ziehen

Jessica Brautzsch
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In den 90er-Jahren, direkt nach der Wiedervereinigung, zogen viele Menschen aus den neuen Bundesländern in den Westen. Doch inzwischen hat sich das Blatt gewendet – mittlerweile ziehen mehr Menschen von West nach Ost.

Schild an Straße mit Hinweis zur innerdeutschen Grenze bei Vacha im Wartburgkreis.
Von 1991 bis 2017 zogen mehr Menschen aus dem Osten in den Westen. Heute ist es umgekehrt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

2017 kam die Trendwende. In dem Jahr zogen erstmals seit der Wiedervereinigung mehr Menschen aus Westdeutschland nach Ostdeutschland als andersrum. Für Matthias Rosenbaum-Feldbrügge, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, ist das bemerkenswert: "Weil die ostdeutschen Bundesländer gerade in den Jahren nach der Wiedervereinigung und um die Jahrtausendwende herum starke Wanderungsverluste gegenüber dem Westen aufwiesen."

So seien im Zeitraum zwischen 1991 und 2017 insgesamt 1,2 Millionen Menschen mehr aus dem Osten in den Westen gezogen als andersherum, sagt Rosenbaum Feldbrügge.

Vor allem Männer zieht es in den Osten

Das Mehr an Menschen, die es seit 2017 aus den westdeutschen Bundesländern in den Osten zieht, ist allerdings überschaubar. 2017 war es gerade mal ein Plus von 4.000 Personen. Eines hat sich allerdings seit 30 Jahren nicht geändert: Es waren schon immer eher die westdeutschen Männer, die es nach Ostdeutschland verschlug.

Eine Glühbirne mit dem Schriftzug MDRklärt 1 min
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Mi 03.07.2019 15:28Uhr 00:59 min

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Einer davon begründet seinen Umzug von Niedersachsen nach Leipzig damit, dass er in eine Großstadt ziehen wollte und über Leipzig nur Gutes gehört habe. Ein anderer sei mit dem Plan nach Leipzig gekommen, am Deutschen Literarischen Institut zu studieren, was aber nicht geklappt habe: "Aber, als ich dann einmal hier war, hat mir die Stadt so gut gefallen, dass ich gesagt habe, ich mach das Beste daraus."

Viel Zuzug aus Baden-Württemberg

Vor allem Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern profitieren von dem Zuzug. Und dort besonders die Kreise in der Nähe von Großstädten. Um hierherzukommen, hätten die zugezogenen Westdeutschen häufig eine weite Strecke zurückgelegt, sagt Matthias Rosenbaum-Feldbrügge.

So habe es gegenüber Baden-Württemberg die höchsten Wanderungsgewinne gegeben. "Was bedeutet, dass ein paar Tausend Bürger aus Baden-Württemberg in die ostdeutschen Bundesländer gezogen sind. Was ja aufgrund der großen Entfernung einigermaßen überraschend ist."

Forscher vermutet Rückkehrer unter Zugezogenen

Rosenbaum-Feldbrügge vermutet, dass es sich dabei auch um Rückkehrer handelt. Also Menschen, die nach der Wiedervereinigung zunächst den Osten verlassen hatten, um im Westen zu leben.

Für Rosenbaum-Feldbrügge liege das vor allem daran, "dass es eine so weite Entfernung ist und da der Südwesten Deutschlands natürlich wirtschaftlich besonders stark ist, gehen wir davon aus, dass viele Leute aus dem Osten Deutschlands in die wirtschaftlich stärkeren Regionen gezogen sind. Davon würden einige jetzt auch wieder zurückziehen, schätzt Rosenbaum-Feldbrügge.

Auch die Altersgruppe der westdeutschen Zugezogenen könne dafür ein Indiz sein, denn die ostdeutschen Bundesländer verzeichnen Wanderungsgewinne bei den 30- bis 49-Jährigen und auch bei den 50- bis 64-Jährigen, sagt der Bevölkerungsforscher Rosenbaum-Feldbrügge. Gerade Letztere könnten zu denen gehören, die vor 30 Jahren den Osten verließen, nur um heute wiederzukehren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. September 2020 | 07:24 Uhr

23 Kommentare

altmarkboy vor 4 Wochen

Für viele Menschen gilt jetzt, dass das Leben in Mittel- und Ostdeutschland lebenswerter geworden ist, Die Gründe sind bekannt, darf ich hier aber nicht aussprechen. Ich sag nur Bevölkerungsstruktur und die Zusammensetzung von Schulklassen im Westen, die jetzt von Neubürgern dominiert werden.

Eulenspiegel vor 4 Wochen

Hallo Wachtmeister
Nach 30 Jahren immer noch nicht im Westen angekommen?
Die Mauer steht seit 30 Jahren nicht mehr. Wie wäre das wenn sie einfach mal anfangen sie mit den Möglichkeiten und natürlich auch mit den Grenzen unserer Demokratieauseinandersetzen. Hier gilt überzeugen und nicht ausbuhen, beleidigen oder anschreien. Sie sollten mal anfangen Demokratie zu lernen.

Udo vor 4 Wochen

Der letzte Absatz bezüglich "leicht einen Job finden" erstaunt mich etwas.
Ist das nicht zu allgemein ausgedrückt? Findet man wirklich in allen Bereichen leicht einen Job?