Ein Drogensüchtiger spritzt sich in einem Druckraum sich einen Schuss Heroin in den Unterarm.
Der UN-Drogenbericht sieht als Hauptprobleme den Anstieg beim Missbrauch von Schmerz-Opioiden sowie Heroin. Bildrechte: dpa

UN-Bericht Hunderttausende Drogentote weltweit

Knapp 600.000 Menschen weltweit sind nach UN-Daten 2017 an Drogenmissbrauch gestorben. Mehr als 270 Millionen Menschen konsumieren illegale Rauschmittel. Das Erschreckende: Binnen acht Jahren hat sich die Zahl der Drogennutzer um fast ein Drittel erhöht. Die Kokainproduktion erreichte ein Rekordhoch, illegale Opioide überschwemmen Nordamerika und Afrika.

Ein Drogensüchtiger spritzt sich in einem Druckraum sich einen Schuss Heroin in den Unterarm.
Der UN-Drogenbericht sieht als Hauptprobleme den Anstieg beim Missbrauch von Schmerz-Opioiden sowie Heroin. Bildrechte: dpa

Etwa 585.000 Menschen weltweit sind im Jahr 2017 am Drogenmissbrauch und damit zusammenhängenden Krankheiten gestorben. Das teilte das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Wien mit.

Demnach greifen 270 Millionen Menschen zu Drogen wie Cannabis, Kokain, Opium oder zu synthetischen Substanzen. Im Vergleich zu 2009 ist dem UN-Bericht zufolge die Zahl der Drogenkonsumenten um 30 Prozent gestiegen. Gut fünf Prozent der Weltbevölkerung konsumiere illegale Rauschmittel.

Nie war so viel Kokain auf dem Markt

Die am häufigsten genutzte Droge bleibt Cannabis. Schätzungsweise 188 Millionen Menschen greifen demnach zum Haschisch. Darüber hinaus habe die illegale Herstellung von Kokain 2017 mit fast 2.000 Tonnen ein Allzeit-Hoch erreicht. Fortschritte sehen die Drogenbehörden im Kampf gegen Designer-Drogen. Psychoaktive Substanzen spielten nicht die vor einiger Zeit befürchtete Rolle.

Rekordzahlen in Nordamerika

Das Medikament «Fentanyl»
Fentanyl ist ein Schmerzmittel und macht stark abhängig. Bildrechte: dpa

Eine der tödlichsten Drogenkrisen erleben dem UN-Bericht zufolge die USA und Kanada.

In den USA starben mit 70.000 Menschen so viele wie nie zuvor an einer Überdosis Drogen, zwei Drittel davon wegen Missbrauch von Opioiden, meist synthetischen Drogen wie Fentanyl und ähnlichen Stoffe.

Überdosen haben ein epidemisches Ausmaß erreicht.

 UN-Expertin Angela Me

Die UN-Experten kritisieren, in den USA und Kanada seien diese Schmerzmedikamente leicht verfügbar. Der Zugang zu Opioiden ohne medizinische Notwendigkeit habe Millionen Menschen in die Abhängigkeit getrieben.     

Tramadol-Labore in Nigeria  

Zugleich sehen die UN-Experten in großen Teilen Afrikas eine verstärkte Verbreitung des Opioids Tramadol. Innerhalb weniger Jahre sei die beschlagnahmte Menge von wenigen Kilogramm auf 215 Tonnen gestiegen.

Dieses an sich wichtige Schmerzmittel werde zum Beispiel in Nigeria in Drogenlaboren mit hoher Konzentration gezielt für den illegalen nicht-medizinischen Markt hergestellt. Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas sind nach UN-Schätzungen vier Millionen Menschen Tramadol-süchtig.

UN-Expertin: "Heroin ist zurück"

Als besonders dramatisch bewerten die UN-Experten den Vormarsch von Opioiden in Indien und Nigeria mit einer Zunahme von mehr als 50 Prozent im Vorjahresvergleich. Darunter fallen Heroin und andere synthetische Substanzen.

Generell meinte die UN-Expertin Angela Me: "Heroin ist zurück." Die Zahl der Drogensüchtigen, die eine medizinische Behandlung brauchen, ist deutlich von rund 30 auf 35 Millionen gestiegen. Das führt UNODC ebenfalls vor allem auf neue Erhebungen in Nigeria und Indien zurück.

Zudem beklagt die UN-Organisation, dass statistisch nur einer von sieben Drogenabhängigen mit schweren gesundheitlichen Störungen behandelt werde. Besonders in Gefängnissen gebe es kaum vorbeugende Maßnahmen, um die Gefahr einer Ansteckung mit HIV, Hepatitis C oder Tuberkulose zu verringern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Juni 2019 | 07:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2019, 09:50 Uhr

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4 Kommentare

26.06.2019 12:46 Morchelchen 4

Bei so vielen Konsumenten ist diese Zahl eigentlich beruhigend. Vielleicht mag meine Meinung für Bessermenschen makaber sein, doch sollte man einfach mal die Toten durch resistente Keime (weltweit oder bloß mal in Deutschland) dazu ins Verhältnis setzen. Man kriegt Drogen nicht aufgeredet oder wird ohne sein Zutun süchtig. Ich habe andere "Baustellen" zum Sorgen, um noch Mitleid zu haben mit Junkies. Jeder Mensch weiß um die Gefährlichkeit von Drogen- oder Alkoholmissbrauch. Ausreden finden sich natürlich immer. Leider leben wir in einer Zeit, wo solche für jedes Laster gefunden werden und, was echt seltsam ist, so viel Verständnis vorhanden ist, dass durch Alkohol geschädigte als Kranke gelten und durch die Folgen eher Renten bekommen, als durch körperliche Gebrechen dauergeschädigte Mitmenschen. Was in unserem Land Unsummen zusätzlich für den (häufig sinnlosen) Entzug ausgegeben werden, das ist auch ein Tabuthema, obwohl diese Zahlungen alle Kassenzahler mit finanzieren.

26.06.2019 11:52 Sabrina 3

Ich war von Anfang an von den Thesen, man könne mit der Freigabe von Drogen etwas an der Situation bessern, der Kriminalität den Markt entziehen, nicht überzeugt.

Im Gegenteil - es ist schwerer, Drogenkriminalität zu verfolgen, weil die Drogen ja auch aus legalen Quellen stammen könnten.

Die Drogenkartelle bekommen nun noch mehr Geld und können das einsetzen, um sich in die Strukturen der staatlichen Verwaltung einzukaufen.

Man muss genau den gegenteiligen Weg gehen, den Drogenkonsum verringern,
- indem man das Elend von Drogenabhängigkeit sichtbar macht, damit Leute da von vornherein die Finger davon lassen
- mehr investieren, insbesondere geheimdienstliche Methoden, um die Strukturen der Drogenszene aufzuklären und zu zerschlagen.
- Drogengelder und insbesondere Gewinne aus investierten Drogengeldern sind einzuziehen, damit sich das Geschäft nicht mehr lohnt.

26.06.2019 11:33 part 2

Ein Zeichen das es den Menschen schlecht geht in vielen Staaten dieser Welt oder gegenteilig zu gut, wie die Zahlen der Reichendroge Kokain zeigen. Eines haben Drogenproduktion- und Handel aber gemein, mit ihnen lassen sich Waffenhandel und Destabilisierung von Nachbarstaaten forcieren ohne das offizielle Haushaltsbudget zu belasten. Geheimdienstliche Mittelbeschaffung ohne parlamentarische Kontrolle. Die Sache allein mafiösen Strukturen zuzuschieben reicht heute nicht mehr aus.

26.06.2019 10:59 Normalo 1

Rechnet man die Konsumenten der Drogen Nikotin und Alkohol dazu vervielfacht sich diese Zahl gewaltig.