Corona-Warn-App Neue Version und alte Probleme

Seit Mitte der Woche gibt es eine neue Version der Corona-Warn-App. Sie soll vor allem technische Probleme beheben und Informationen besser bündeln. Doch grundsätzliche Probleme bleiben. Digitalpolitiker fordern deshalb ein grundlegendes Update, um die Anwendung attraktiver zu machen.

Die Corona-Warn-App mit der Seite zur Risiko-Ermittlung ist im Display eines Smartphone zu sehen.
Kritiker hoffen, das weitere Updates die Corona-Warn-App attraktiver machen. Bildrechte: dpa

Die Bundeskanzlerin ist ein Fan der Corona-Warn-App:

Ihre Bedeutung wächst mit jedem Tag und deshalb ist es wichtig, dass wir hier weiter für sie werben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Zwei Wochen ist das her. Die Download-Zahlen steigen seitdem weiter: Bisher haben gut 22 Millionen Nutzer die Corona-Warn-App auf ihrem Smartphone heruntergeladen. Das sind fast so viele Downloads wie vergleichbare Apps in Europa zusammengenommen.

In der derzeitigen zweiten Corona-Welle bleibt es nicht beim Herunterladen. Über die App teilen mehr und mehr Menschen ihre positiven Testergebnisse. Im Schnitt machen das jeden Tag etwa 2.200 Menschen. Bei den erfassten Kontaktpersonen springt dann die Anzeige von grün auf rot. Vor einem Monat wurden nur etwa 500 positive Testergebnisse täglich geteilt. Nach Angaben von Gesundheitsminister Jens Spahn melden die Labore außerdem jede Woche eine halbe Million Testergebnisse über die App.

Linke: Potenzial noch nicht ausgeschöpft

Ist die Corona-Warn-App also ein voller Erfolg? Die netzpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Anke Domscheit-Berg, hat da ihre Zweifel: Solange 30 Millionen Handynutzer die App nicht nutzten, könne deren volles Potenzial gar nicht ausgeschöpft werden. Ihrer Meinung nach wissen viele Menschen fünf Monate nach dem Start immer noch zu wenig über die Corona-Warn-App, zum Beispiel wie man sie richtig nutzt, was sie alles kann, und dass sie sparsam mit Daten umgeht.

Eine Grafik zur Corona-App 1 min
Wie die Corona-APP funktioniert! Bildrechte: MDR

Mit Hilfe einer App sollen die Infektionsketten des Coronavirus frühzeitig bemerkt und durchbrochen werden. So funktioniert die Smartphone-App.

Do 11.06.2020 14:49Uhr 00:51 min

https://www.mdr.de/nachrichten/app-aktuell/video-417706.html

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FDP: Anschluss ist "grauenhaft schlecht"

Harsche Kritik kommt auch von den Liberalen. Nach Einschätzung von FDP-Digitalpolitiker Manuel Höferlin ist die App technologisch top, "aber das Drumherum fehle.

Der Anschluss hinter der App, die Labore, die Benutzbarkeit – das ist grauenhaft schlecht. Ich kriege jeden Tag Meldungen, dass das nicht funktioniert. Dass Leute ihre Meldung gar nicht in die App reinkriegen, dass die Labore es nicht melden.

FDP-Digitalpolitiker Manuel Höferlin

Höferlin wirft der Bundesregierung vor, sich nicht besser um die Anbindung der Labore gekümmert zu haben. Außerdem dulde sie es, dass die App auf älteren Smartphones nicht laufe. Und auch in Grenzregionen gebe es Probleme, weil die App im Ausland oft aussteige.

CDU für mehr Datenaustausch

Auch der CDU-Gesundheitspolitiker Tino Sorge fordert, dass die App dringend attraktiver werden müsse. Er schlägt vor, dass die Gesundheitsämter angebunden werden und ein direkter Informationsausstausch zwischen Amt und App-Nutzer stattfindet. Davon würden alle Seiten profitieren. Es müsse aber alles freiwillig laufen, betont Sorge. Dann sei das auch mit den bestehenden Datenschutzregeln möglich.

Die Linken-Politikerin Domscheit-Berg sieht das skeptisch:

Die Rufe, die jetzt laut werden, nach weniger Datenschutz, sind hoch gefährlich, weil man dann nicht nur keine neuen Leute dazubekommen wird, man wird auch denen viele verlieren, die man jetzt schon im App-System hat.

Netzpolitikerin der Linksfraktion, Anke Domscheit-Berg

Die Bundestagsabgeordneten Domscheit-Berg, Sorge und Höferlin setzen große Hoffnungen in die geplanten Updates.  

Diese Woche ist eine neue Version der Corona-Warn-App erschienen. Sie soll den Nutzern vor allem mehr Informationen liefern. So sollen Warnmeldungen künftig mehrmals am Tag aktualisiert werden. Bisher findet das normalerweise nur einmal in 24 Stunden statt.

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