Warnung vor Kontrollverlust USA: Corona-Neuinfektionen schnellen in die Höhe

Die USA schienen den Höhepunkt der Corona-Pandemie schon hinter sich zu haben. Doch nun steigen die Neuinfektionen auf Höchststände – und der Chef-Epidemiologe warnt vor bis zu 100.000 Neuninfektionen pro Tag.

Passanten tragen Mundschutz, um eine Verbreitung des Coronavirus zu verhindern während sie an einem Wandgemälde eines wiedereröffnetes Geschäfts vorbei gehen.
In den USA steigen die Corona-Neuinfektionen massiv an. Bildrechte: dpa

In den USA steigt die Zahl der bestätigten Corona-Neuinfektionen so schnell wie nie zuvor. Am Dienstag gab es der Nachrichtenagentur Reuters zufolge mit rund 47.000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden einen neuen Höchststand. In den Vereinigten Staaten gab es insgesamt bereits mehr als 2,6 Millionen Infektionen mit dem Virus.

Angesichts der steigenden Zahlen warnte der Präsidentenberater und Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, vor einer weiteren Zuspitzung der Lage: "Ich bin sehr besorgt", sagte Fauci bei einer Anhörung im Senat. "Wir bewegen uns in die falsche Richtung." Falls der Anstieg in den betroffenen Bundesstaaten nicht unter Kontrolle gebracht werden könne, seien landesweit bald bis zu 100.000 Neuinfektionen pro Tag vorstellbar.

Die Pandemie könne derzeit nur eingedämmt werden, wenn die Menschen in der Öffentlichkeit konsequent Masken trügen und auf ihren Sicherheitsabstand achteten. Wenn sich die Menschen nicht daran halten würden, "werden wir weiter große Probleme haben", warnte Fauci.

Lockerungen werden zurückgenommen

Anthony Fauci
Anthony Fauci warnte vor noch mehr Neuinfektionen. Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Nachdem es bereits Ende März und Anfang April vor allem in New York zu vielen Neuinfektionen gekommen war, hatte sich die Lage in den USA zunächst etwas entspannt. Doch inzwischen melden mehr als die Hälfte der Bundesstaaten einen raschen Anstieg, einige sogar Rekordzahlen. Betroffen sind vor allem Regionen im Süden und Westen des Landes. Mittlerweile wird zwar auch mehr getestet, allerdings verzeichnen viele Städte mehr Einlieferungen in Krankenhäuser.

In Texas, Florida, Kalifornien und Arizona versuchen die lokalen Regierungen, der Entwicklung entgegenzusteuern, und pausierten die phasenweise Lockerung von Corona-Auflagen oder machten sie rückgängig. In Südkalifornien sollen am kommenden Feiertagswochenende im Bezirk Los Angeles die Strände geschlossen bleiben, ebenso in Teilen Floridas.

Wahlkampf trotz Corona

Kritiker machen US-Präsident Donald Trump für die verheerenden Auswirkungen der Pandemie mitverantwortlich. Der Republikaner hatte die Gefahr durch das Virus lange Zeit kleingeredet – und drängte dann auf eine rasche Lockerung der Corona-Beschränkungen, um im Wahljahr 2020 die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Trumps Herausforderer bei der Wahl am 3. November, der Demokrat Joe Biden, kündigte am Dienstag hingegen den Verzicht auf große Wahlkampfveranstaltungen an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juni 2020 | 20:45 Uhr

1 Kommentar

Peter vor 15 Wochen

Dr. Fauci kann lange warnen, im Weißen Haus sitzt ein Mann, der nach wie vor Covid-19 für eine Grippe hält. Dem ist der Wahlkampf wichtiger als das Wohl der Menschen.
Und nun schaue der geneigte Leser nach Deutschland. Gibt´s solche Meinungen bei uns auch? Wenn ja, woher kommen Sie?