Französischer Ex-Präsident Valéry Giscard d'Estaing ist tot

Der frühere französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing ist tot. Er starb am Mittwochabend im Alter von 94 Jahren. Giscard d'Estaing stand von 1974 bis 1981 an der Spitze des französischen Staates. Ihn verband eine besondere Freundschaft zum deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt.

Valery Giscard d'Estaing, ehemaliger französische Staatspräsident.
Frankreichs früherer Staatschef Valéry Giscard d'Estaing ist tot. Bildrechte: dpa

Valéry Giscard d'Estaing, der von 1974 bis 1981 im Élyséepalast amtiert hatte, ist tot. Der Politiker starb im Alter von 94 Jahren, wie das Präsidialamt am späten Mittwochabend bekanntgab.

Wie seine Familie mitteilte, starb Giscard d'Estaing an den Folgen einer Covid-19-Infektion. Er war erst Mitte November nach einem fünftägigen Aufenthalt aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Enge Zusammenarbeit mit Kanzler Schmidt

Giscard d'Estaing galt zusammen mit Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt als Architekt der europäischen Integration. Die Wahl von "Giscard", wie er in Frankreich genannt wird, im Mai 1974 erfolgte nur drei Tage nach der Wahl Schmidts zum Bundeskanzler. Beide regierten fast zeitgleich.

Helmut Schmidt und Valery Giscard d'Estaing
Valery Giscard d'Estaing mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt 1979 in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn. Bildrechte: picture alliance / AP Photo

Als Staatschef galt Giscard d'Estaing als Reformer in Frankreich: Er veranlasste die Absenkung des Wahlalters auf 18, liberalisierte die Abtreibung und das Scheidungsrecht. In der Außen- und Europapolitik vertraute er auf seinen deutschen Partner Schmidt: Gemeinsam mit dem SPD-Politiker konzipierte der Franzose das Europäische Währungssystem EWS, das 1979 in Kraft trat.

Mit dem Hamburger berief er 1975 auch das erste G6-Treffen auf Schloss Rambouillet bei Paris ein, aus dem ein Jahr später die G7 wurden.

In Deutschland geboren

Eine besondere Verbindung zu Deutschland hatte Giscard d'Estaing von Geburt an: Er kam am 2. Februar 1926 in Koblenz zur Welt - die Stadt am Rhein stand damals unter französischer Verwaltung. Mit nur 29 Jahren wurde er Abgeordneter und mit 36 Jahren Frankreichs jüngster Wirtschafts- und Finanzminister.

In Giscard d'Estaings Amtszeit fielen die Wirtschaftskrise nach den großen Ölschocks, Inflation und straffe Sparprogramme. Außerdem schlug ein Skandal um Diamanten hohe Wellen: Giscard hatte sie von dem zentralafrikanischen Diktator Bokassa geschenkt bekommen. Die Affäre trug zu seiner Niederlage gegen Francois Mitterrand bei den Präsidentschaftswahlen 1981 bei.

Spekulationen um Liebesroman

Neben seinem politischen Engagement machte sich Giscard d'Estaing auch als Autor von Liebesromanen einen Namen. Mit "Die Prinzessin und der Präsident" schürte der vierfache Vater sogar Spekulationen über eine frühere Affäre mit Lady Di. Dann jedoch gab er zu Protokoll, die Liebesgeschichte sei frei erfunden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Dezember 2020 | 00:30 Uhr