Zweite Festnahme Niederlande: Vater von isoliert lebender Familie in Haft

Der Mieter des abgelegenen Bauernhofes im niederländischen Dorf Ruinerwold sitzt bereits in Haft. Nun wurde auch der vermeintliche Vater aus der isoliert lebenden Gruppe festgenommen.

Polizei vor dem Bauernhof in Ruinerwold
Ein Polizeiauto am Rande des Bauernhofes in Ruinerwold. (Archiv) Bildrechte: imago images/Hollandse Hoogte

Verdacht der Freiheitsberaubung

Die niederländische Polizei hat den vermeintlichen Vater einer seit Jahren auf einem Bauernhof isoliert lebenden Familie festgenommen. Wie die Behörden mitteilten, nahmen sie den 67-Jährigen wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung, der Beeinträchtigung der Gesundheit anderer sowie der Geldwäsche fest. Gegen den bereits festgenommenen 58 Jahre alten Mieter des Bauernhofs in Ruinerwold wurde indes Untersuchungshaft verhängt. Die Polizei ermittelt außerdem, ob "ein bestimmter Glaube" hinter dem Fall steckt.

Mieter des Hofes bereits in Haft

Der mysteriöse Fall war am Sonntag (13.10.) ins Rollen gekommen, als eine der sechs in dem Bauernhaus lebenden Personen in einem Gasthaus des Dorfs in der Provinz Drenthe um Hilfe bat. Bei der Durchsuchung des Gehöfts fand die Polizei in einem "kleinen, abgeschlossenen Raum" den Vater und seine vermeintlichen Kinder. Der österreichische Mieter , der als Josef B. identifiziert wurde, wurde am Donnerstag (17.10.) dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Er hatte den Bauernhof gepachtet, dort wohl aber selbst nicht gelebt. Er soll zwei Wochen in Untersuchungshaft bleiben.

Polizisten stehen vor Polizeiabsperrungen neben einer Brücke
Die Polizei sichert die Zufahrt zum abgelegenen Bauernhof in Ruinerwold. (Archiv) Bildrechte: dpa

Gruppe lebte offenbar isoliert von der Außenwelt

Die Polizei erklärte in einer Mitteilung, dass die Gruppe angebe, "eine Familie zu sein". "Es handelt sich um eine außergewöhnliche Situation", heißt es in der Erklärung. "Diese Menschen haben wahrscheinlich seit 2010 in diesem Haus gelebt, völlig isoliert von der Gesellschaft." Die Behörden haben Grund zur Annahme, dass die 18- bis 25-jährigen Kinder des Mannes "nicht freiwillig auf dem Gehöft lebten". Neun Jahre lang hätten sie in einem abschließbaren isolierten Raum mit mehreren Kammern gehaust, sagte die stellvertretende Polizeichefin in Drenthe. Nur ab und zu seien sie im Garten gewesen, aber sie hätten das Gelände nie verlassen.

Mitglieder der "Vereinigungskirche"?

Der niederländische Sender "RTV Drenthe" berichtet zuzdem von Verbindungen zu einer Sekte. Demnach seien der Österreicher, der Vater und die Kinder Mitglieder der umstrittenen "Vereinigungskirche" Südkoreas. Die Familie soll seit Jahren auf das "Ende der Zeit" gewartet haben. Der Bruder bestätigte der österreichischen "Kronen-Zeitung", dass Josef B. nach dem Ausscheiden aus dem Militärdienst Mitglied einer Sekte gewesen sei. Seit zehn Jahren bestünde aber kein Kontakt mehr.

ten/dpa/afp

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 18. Oktober 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2019, 12:00 Uhr

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