Energiewende Warum das Pumpspeicherwerk Dresden-Cossebaude stillgelegt wird

Das Pumpspeicherwerk im Dresdner Stadtteil Cossebaude soll vorübergehend stillgelegt werden. Einen entsprechenden Antrag hat der Energiekonzern Vattenfall gestellt. Mit der Schließung würde auch der zugehörige Stausee verschwinden. Die Cossebaudenerin Lotte Gärtner fragt nach dem Grund für die angekündigte Schließung: "Rechnet sich das Werk betriebswirtschaftlich nicht mehr und was bedeutet das für die Region?"

Pumpspeicherwerk Cossbaude
Das 90 Jahre alte Pumpspeicherwerk ist nicht mehr rentabel. Bildrechte: Ronny Arnold

Das Stauseebad Cossebaude ist geschlossen. Nur ein paar Surfer der Surfschule nebenan nutzen das schöne Wetter noch für eine Runde auf dem Wasser. Allen anderen Besuchern bleibt nur ein Blick durch den Zaun. Denn der See gehört zum Betriebsgelände des Pumpspeicherwerkes, welches der Betreiber Vattenfall nun abschalten will.

Für die Cossebaudenerinnen Beate Handschack und Ingrid Hoffmann eine traurige Geschichte: "Der Stausee ist für Cossebaude wie der Zwinger für Dresden. Wenn hier das Bad voll ist, wenn ein richtiger heißer Sommertag ist, dann sind hier bis zu 5.000 Leute in dem Bad. Die Wasserqualität ist immer sehr gut." Den beiden Frauen sei wichtig, dass das Bad erhalten bleibe.

Pumpspeicherwerk ist nicht rentabel

Deshalb haben die beiden eine Petition gestartet. Knapp zehntausend Unterschriften sind für den Erhalt des Stausees zusammengekommen. Das Problem: Vattenfall will das 90 Jahre alte Pumpspeicherwerk vom Netz nehmen. Wenn das passiert, sinkt der Wasserpegel. Denn der See ist nicht zu 100 Prozent dicht. Über Pumpen muss Grundwasser zugeführt werden. Und diese würden aus Kostengründen ebenfalls abgeschaltet, sagt Thomas Beyer, Betriebsleiter bei Vattenfall.

Die Anlagen entsprächen weitgehend dem Stand von vor 90 Jahren. Der Wirkungsgrad sei tatsächlich nicht mehr so effektiv, dass man die Anlage wirtschaftlich betreiben könne, erklärt Beyer: "Wir haben geprüft, diese Anlage wieder so herzustellen, dass sie den heutigen Ansprüchen genügen würde. Das Ergebnis war, dass wir einen deutlichen dreistelligen Millionenbetrag investieren müssten."

Stausee als Bad und Energiespeicher nützlich

Zu teuer und zu unrentabel – der Antrag zur vorübergehenden Stilllegung liegt nun bei der Bundesnetzagentur. Bis Ende des Jahres soll die Entscheidung gefallen sein. Vor allem für das Stauseebad wäre das Absinken des Wasserpegels fatal, erklärt Lutz Kusche, Ortsvorstand von Cossebaude. Der Wasserstand im Stausee würde nicht ausreichen, um einen Badebetrieb durchführen zu können, stellt Kusche fest. Wenn das Baden im Stausee nicht mehr möglich sei, verliere das größte und besucherstärkste Bad von Dresden seine Attraktivität, betont Kusche.

Dem Energiekonzern Vattenfall zufolge ist es möglich, auch nach der Stilllegung Grundwasser in den See zu pumpen. Das müsste dann aber die Stadt Dresden bezahlen. Bis zu 150.000 Euro jährlich könnte das kosten.

Stadt und Energiekonzern sind im Gespräch, Ergebnisse gibt es noch keine. Lars Rohwer sitzt für die CDU im Sächsischen Landtag. Cossebaude ist sein Wahlkreis. Über die erfolgreiche Petition hinaus wünscht sich Rohwer eine Signalwirkung Richtung Berlin: "Fakt ist, dass wir das Pumpspeicherwerk weiter benötigen werden. Das Ziel ist ja, ab 2038 in Deutschland nur noch erneuerbare Energie zu haben. Dann weiß jeder, man braucht Energiespeicher." Das Problem sei, dass die im Moment nicht wirtschaftlich betreibbar seien. Und deswegen müsse auf der Bundesebene das Netzentgelt definitiv für Energiespeicher fallen, betont Rohwer.

Rohwer zufolge ist nur so eine erfolgreiche Energiewende zu schaffen. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass im Stausee Cossebaude noch viele Jahre lang gebadet werden könnte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. September 2020 | 08:24 Uhr

18 Kommentare

jochen1 vor 5 Wochen

Deutschland ist ein Stromexporteur ?

Nach meinem Kenntnisstand kauft der deutsche Staat fehlenden Strom zu hohen Preisen im Ausland ein - Atomstrom ! aus Polen, Tschechien, Frankreich . Eigene Atomkraftwerke werden und wurden dagegen abgeschaltet.
Und auch sehr interessant - überschüssiger deutscher Strom wird in angrenzende und umliegende europäische Staaten --- Verschenkt !
Das ist der heutige deutsche Staat.

Eulenspiegel vor 5 Wochen

Hallo Kritiker
Nur zu ihrer Information:
„Dies bedeutet das im Jahr 2019 circa 37 Terawattstunden mehr exportierte, als es importierte. Im Jahr 2002 importierte Deutschland das letzte Mal mehr, als es exportierte.“

augu vor 5 Wochen

So toll ist die Leistung von Pumpspeicherwerken nicht, dass mit ihnen das Problem der Speicherung von überschüssigem Windstrom künftig gelöst werden könnte.
PSW Cossebaude hat 143 m Fallhöhe, wenn 10 m3 = 10. 000 Liter Wsr. 143 m hochgepumpt werden, wird eine elektrische Energie (beim Herabfließen gewinnbar) von ca. 3,5 kWh als potentielle Energie gespeichert, das ist ungefähr die Energiemenge die 3 Windräder von 4,3 MW Lstng in e i n e r Sekunde erzeugen. Dies nur um die Größenordnung der gespeicherten Energiemenge zu verdeutlichen.
Tatsächlich fließen in Cossebaude wohl so 32...35 m3 Wsr pro 1 sec. => 40 MW Lstng => 10 Windräder je 4 MW

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