Schulzeugnis
Bildrechte: imago/Sven Simon

Schuljahresende Wörtliche Beurteilungen auf Zeugnissen immer seltener

Noten haben wörtliche Beurteilungen auf Zeugnissen weitestgehend abgelöst, auch aus Zeitgründen, wie der Sächsische Lehrerverband erklärt. Aber reichen Zensuren aus, um die Leistung eines Schülers einzuschätzen?

von Raja Kraus, MDR AKTUELL

Schulzeugnis
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Lange Texte, ganz individuelle Einschätzungen von Lehrern über die Leistungen von Schülern. Man findet sie kaum noch auf Zeugnissen, erklärt Katlen Worotnik vom Sächsischen Lehrerverband.

Mädchen hält Zeugnis in den Händen
Lehrerverband: "Notenziffern reichen als Beurteilung aus." Bildrechte: imago/McPHOTO

Es ist sicher für die Eltern interessant, eine verbale Einschätzung für ihren Sohn oder ihre Tochter zu haben. Aber die eigentliche Bedeutung ist nicht mehr so hoch, wie es früher mal war. Weil die Zensur drückt eigentlich aus, wie der Leistungsstand oder der Entwicklungsstand des Kindes ist.

Katlen Worotnik Sächsischer Lehrerverband

Sachsen: Verbale Beurteilungen ab der zweiten Klasse freiwillig

In Sachsen etwa sind verbale Beurteilungen überhaupt nur noch in der ersten Klasse verpflichtend, da es dort noch keine Noten gibt. In den höheren Klassenstufen sind solche Beurteilungen ergänzend möglich, aber keine Pflicht. Jede Schule entscheidet selbst.

Lehrer nutzen vorgefertigte Formulierungen  

Worotnik ist froh, dass die verbalen Beurteilungen weniger geworden sind: Integration, die Betreuung von Seiteneinsteigern und Referendaren: Die Aufgaben der Lehrer seien in den letzten Jahren immer mehr geworden. Wenn Beurteilungen geschrieben werden, suchen sich Lehrer deshalb oft Hilfe im Internet.

Worotnik sagt: "Man verfällt ja auch immer wieder, wenn man 20 oder 25, 30 solcher Worturteile schreibt, oftmals in dieselben Formulierungen. Und da können solche Klicks hilfreich sein. Ich denke auch schon, dass unsere Kollegen diese Medien nutzen."

Schlechte Beurteilungen könnten Arbeitgeber abschrecken

Praktikantin Aya Smirees und Ausbilder Lutz Döffel
Stefan Düll ist wichtig, dass kein Schüler keine Ausbildung findet, weil er negative Beurteilungen erhalten hat. Bildrechte: imago/Ulli Winkler

Offizielle Codes, wie verbale Beurteilungen formuliert sein sollen und wie sie zu deuten sind, gibt es nicht, sagt Stefan Düll. Er ist der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes und selbst Direktor an einem Bayerischen Gymnasium.

Düll sagt: "Wenn ich Formulierungen habe wie 'Das Verhalten war angemessen' oder 'die Mitarbeit ist altersgemäß'. Dann kann ein Außenstehender vermuten, dass es hier wohl problematisches Verhalten oder geringe Mitarbeit im Unterrichtsgeschehen gegeben hat."

Deshalb steht in vielen Schulordnungen, dass verbale Beurteilungen, gerade in den letzten Klassenstufen, motivierend oder positiv sein sollen, erklärt Düll. Er sagt: "Man muss schon auch sehen, dass das Verhalten und die Mitarbeit in der Schule nicht unbedingt repräsentativ ist für das, was später in der Lehre und am Arbeitsplatz gezeigt wird. Schule ist schon noch eine andere Welt, sage ich mal, als die Lehrstelle. Und insofern ist es, glaube ich, auch ganz vernünftig, dem Arbeitsgeber das nicht so deutlich hinzuschreiben."

Das beste Mittel, um Probleme aber auch besondere Begabungen anzusprechen, seien ohnehin die Elterngespräche, ist sich die Lehrerschaft einig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Juli 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juli 2019, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

05.07.2019 13:13 Querdenker 4

Zitat: „Weil die Zensur drückt eigentlich aus, wie der Leistungsstand oder der Entwicklungsstand des Kindes ist.“

Unsinn der verbreitet wird bei Lehrermangel. Symptome vom maroden Schulwesen. Wer so was sagt, sollte eigentlich nicht Schüler unterrichten bzw. im Bildungswesen arbeiten.

Zitat: „Integration, die Betreuung von Seiteneinsteigern und Referendaren: Die Aufgaben der Lehrer seien in den letzten Jahren immer mehr geworden.“

Massenabfertigung und Rationalisierung auf Kosten der Schüler.

Wie können Lehrer Vorbild sein, wenn die noch nicht mal - ein mal im Jahr - einen kleinen Text für eine individuelle Beurteilung zustande bekommen.

Zitat: „Deshalb steht in vielen Schulordnungen, dass verbale Beurteilungen, gerade in den letzten Klassenstufen, motivierend oder positiv sein sollen, erklärt Düll.“

Was ja auch gemacht werden kannudn soll. Aber kein Grund darauf zu verzichten.

05.07.2019 09:32 Wachtmeister Dimpfelmoser 3

Wörtliche Beurteilungen fallen "aus Zeitgründen" weg? Meine drei Klassenlehrer haben sich 12 Jahre Zeit genommen bzw. nehmen müssen, jedem einzelnen Schüler in jedem Schuljahr handschriftlich eine mehrzeilige individuelle Beurteilung ins Zeugnisheft zu schreiben. Und da sollen heutzutage, im Zeitalter von Textverarbeitung, Textbausteinen mit vorgefertigten Wortgruppen oder Sätzen und Laserdruckern, "Zeitgründe" gegen eine Beurteilung sprechen? Die Gründe sind ganz andere. Schulen und Lehrkörper haben die Hoheitsrechte am objektiven Verfassen und Ausweisen dieser Beurteilungen mit allen Konsequenzen längst eingebüßt. Heute wird die Schule zur Squashwand für zahlreiche Eltern, die ihre Schützlinge vermeintlich ungerecht ver- statt be-urteilt sehen. Und die einfachste Lösung? Richtig(?): Man lässt sie einfach weg - Problem gelöst!

05.07.2019 08:20 Info 2

Sehr geehrtes MDR-Team,

wenn es der Tatsache entspricht sind auch schlechte Beurteilungen zulässig. Geschönte Beurteilung, welche nicht der Realität entsprechen sind auch für den Betroffenen fahrlässig, da es spätestens in der Ausbildung auffällt. Jedoch ist es jedem Überlassen wie er sich verhält. (In einer schriftlichen Beurteilung lässt sich z. B. das Verhalten besser ausdrücken als eine Zensur zu geben und es macht es objektiver an was man ggf. arbeiten kann um das Verhalten zu korrigieren)

Viele Grüße
Info

05.07.2019 05:48 Spottdrossel 1

Zeugnisse und Schule gänzlich abschaffen. Stattdessen können sich die Kinder über Leerangebote im Netz bilden. Dort können auch Prüfungen abgelegt werden. Darüber kann sich das Kind ein Zertifikat über erfolgreiche Teilnahme ausdrucken.