Lehrermangel Können verbeamtete Lehrer zwangsversetzt werden?

Überall fehlen Lehrerinnen und Lehrer. In Sachsen werden sie seit 2019 deshalb verbeamtet. Seitdem sind die Bewerberzahlen deutlich gestiegen. Doch die meisten wollen in Dresden und Leipzig arbeiten. Im ländlichen Raum fehlen nach wie vor viele Lehrkräfte. MDR-AKTUELL-Hörerin Monika Dirk aus Leipzig fragt sich deshalb: "Besteht im Beamtentum eine Weisungsgebundenheit und können Lehrer abgeordnet werden an Stellen, wo sie fehlen?"

von Regine Förster, MDR AKTUELL

Lehrerin hilft Schüler.
Gerade auf dem Land fehlen Lehrer: was tun? Bildrechte: imago/Westend61

Die Vorteile liegen für viele Lehrerinnen und Lehrer auf der Hand: Beamte sind unkündbar, haben ein deutlich höheres Nettogehalt, weil weniger Sozialabgaben zu leisten sind. Und nicht nur die Altersbezüge fallen höher als bei angestellten Kollegen aus. Auch wenn der Dienst vorzeitig aufgegeben werden muss, sind Beamte viel besser versorgt.

Viele Faktoren

Kann der Staat dafür nicht auch etwas verlangen? Der Leipziger Rechtsanwalt Erik Jochem erklärt: "Grundsätzlich muss man sagen, dass der Beamte bestimmte Treuepflichten hat gegenüber seinem Dienstherrn. Und der zentrale Begriff dafür, ob man an dem Wunschort arbeiten darf oder nicht, ist das dienstliche Bedürfnis."

Ob das dann zu einer Versetzung an eine andere Schule führt, hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel vom jeweiligen Bundesland, denn die Bildung wird föderal verantwortet. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel ist die Verbeamtung seit Langem die Regel. 160.000 Beamte stehen 40.000 Angestellten gegenüber. Die Bildungsgewerkschaft GEW bestätigt: Bei Abordnungen sind Beamte durchaus als erste dran.

Versetzungen sind bei Beamten und Angestellten möglich

In Sachsen werden Lehrerinnen und Lehrer erst seit Anfang des Jahres verbeamtet. Die Vorsitzende der GEW Sachsen, Ursula Kruse vermutet: "Man wollte die Verbeamtung erst einmal zu einem politischen Erfolg machen und wollte die Daumenschrauben noch nicht in dem Maße zeigen."

Bei dringendem Bedarf wurde auch bisher schon versetzt oder abgeordnet. Denn das geht auch bei angestellten Lehrern und Lehrerinnen, unter Berücksichtigung von sozialen Belangen. Dieses Recht haben auch Beamte. Die in der Mehrzahl jungen Beamtinnen und Beamten können da oft gegenüber älteren Kollegen punkten: mit kleinen Kindern, alten Eltern oder dem neuen Eigenheim.

In Zukunft müsse das Kultusministerium umdenken, meint Gewerkschaftschefin Ursula Kruse. Denn das sei schwer zu vermitteln: "Wenn ich die Auswahl habe zwischen einem Angestellten, dem ich ein niedrigeres Nettogehalt und niedrigere Renten zumute und einem Beamten, der eine Menge Vorteile hat, wie ich es aushalte, dass ich einen Tarifbeschäftigten schicke."

Zwangsversetzungen reißen Löcher auf, um andere zu stopfen

Roman Schulz, der Sprecher der Leipziger Bildungsagentur, befürchtet allerdings, dass sich dann Absolventen nach dem Studium doch noch für ein anderes Bundesland entscheiden würden. Verbeamtet wird schließlich inzwischen überall.

Dennoch meint Schulz: "Wir haben im Januar mit der Verbeamtung in Sachsen begonnen und wir werden dienstrechtlich auch auf diese Möglichkeiten zurückgreifen. Wir sagen ja nicht, Ihr seid jetzt verbeamtet und es gibt kein Entgegenkommen. Also das wird auch passieren, aber ich kann es noch nicht konkret sagen, weil wir in dieser Situation bisher nicht waren."

Denn derzeit ist die Lage überall angespannt. Eine Versetzung von Leipzig oder Dresden in die Lausitz oder ins Erzgebirge würde bedeuten, ein zu Loch stopfen, indem man ein anderes aufreißt. Die Personaldecke ist überall knapp, auch an den Stadtschulen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Dezember 2019 | 07:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Dezember 2019, 14:56 Uhr

8 Kommentare

Agnostiker vor 7 Wochen

"fürstliche Besoldung"
Nur zu, in Sachsen werden gerade Quereinsteiger eingestellt wie nie. Die werden übrigens auch verbeamtet. Dann bekommen Sie auch was ab von dieser fürstlichen Besoldung. Oder Sie schauen vorher mal in die Entgelttabelle und werden merken, dass die Besoldung zwar gut ist aber nicht so fürstliche wie mancher denkt. Aber dümmlicher Populismus ist dann eben doch einfacher.

Normalo vor 7 Wochen

Oh da sind Sie, wieder mal, falsch informiert. Können Sie ganz leicht rausfinden wenn Sie den Eid durchlesen, den Beamte leisten müssen. Frisch ans Werk 😁

ElBuffo vor 7 Wochen

Nein, um Gottes Willen, man wird doch jetzt den beamten für ihre lebenslange fürstliche Besoldung jetzt nicht mit der einzige Pflicht kommen, die dafür auf der Gegenseite steht. Nein, das kann man jetzt wirklich nicht verlangen.

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