Ungewöhnliche Vornamen Warum Kinder Hamlet oder Khaleesi heißen dürfen

Noah, Ben und Matteo bei den Jungs; Mia, Emilia und Hannah bei den Mädchen – das sind einige der beliebtesten Vornamen, die junge Eltern im letzten Jahr ihren Babys gegeben haben. Doch es gibt auch immer mehr Exoten. Manche Kinder werden nach Shakespeares Hamlet oder Khaleesi aus der Serie 'Game of Thrones' benannt. Das ist in Deutschland möglich, andere Vornamen dagegen lehnt das Standesamt ab. Nach welchen Kritrien wird dabei entschieden?

Game of Thrones
Daenerys Targaryen, auch "Khaleesi" genannt, ist eine der beliebtesten Figuren der Serie 'Game of Thrones'. Bildrechte: imago images / Cinema Publishers Collection

"Nomen est omen", der Name ist ein Vorzeichen. Nimmt man diese lateinische Redensart wörtlich, so wird schnell klar, warum Standesämter in Deutschland Namen wie Luzifer und Satan abgelehnt haben. Auch andere Namen kommen nicht in Frage, sagt Linguistin Frauke Rüdebusch von der Gesellschaft für deutsche Sprache.

Batman, Chaotika, Eisenstein oder Urmel – diese Namen haben wir nicht bestätigen können.

Frauke Rüdebusch, Gesellschaft für deutsche Sprache

Eltern steckten heute mehr Energie als früher in die Wahl des Vornamens, glaubt Rüdebusch. Die Folge: Es gebe immer mehr Vornamen. Zehn Millionen seien bereits in der Datenbank, und jedes Jahr komme gut eine Million neue Namen hinzu. "Sowas wie Shakespeare-Namen, Hamlet und Othello, oder auch aus der Serie 'Game of Thrones' Khaleesi oder Stannis, aus der Mythologie wie Apollo oder Achilles, Berufe wie Sheriff, Ortsnamen wie London oder Bethlehem, Pflanzennamen wie Magnolia und Dahlia. Aber da sind dann auch wirklich Erfindungen dabei – und das ist jetzt grundsätzlich gar nicht unmöglich – wie Juliander, Lenias oder Julix."

Nach diesen Kriterien entscheidet das Standesamt

Wichtig ist ein Vorname-Charakter, wie Rüdebusch es nennt. Soll heißen: Der Name muss auch so klingen, als ob es sich um eine Person handelt. Möglicherweise wurden deshalb in den vergangenen Jahren Namen wie Joghurt, Whisky oder Popo von Standesämtern abgelehnt. "Das wichtigste Kriterium ist eigentlich, dass ein Kind unter einem Vornamen nicht leidet. Das heißt, es darf kein lächerlicher Name sein oder ein Name, der mit etwas negativem verknüpft ist, wie eben Luzifer."

Auch, dass der Name klar einem Geschlecht zugeordnet werden kann, spielt bislang oft eine Rolle. "Das ist aber tatsächlich am Kippen. Ein Name, der geschlechtsneutral ist, musste früher mit einem zweiten, geschlechtseindeutigen Namen in Verbindung stehen. Heute ist das oftmals nicht mehr so."

Was tun, wenn das Standesamt einen Namen ablehnt

Wer sich einen ungewöhnlichen Namen für sein Kind wünscht und beim Standesamt auf Unverständnis stößt, kann sich bei der Namensberatungsstelle der Uni Leipzig oder bei der Gesellschaft für deutsche Sprache ein Gutachten ausstellen lassen. Das kostet zwischen 30 Euro und 60 Euro. Die Standesämter würden den Empfehlungen zu 99 Prozent folgen, sagt Rüdebusch. Die Gesellschaft für deutsche Sprache lehne etwa fünf bis zehn Prozent der Gesuche von Eltern ab. Zum Beispiel bei Kiddo, Maybee und Churasko.

Oft finde man mit den Eltern auch einen Kompromiss, erklärt Rüdebusch. "Es war einmal die Anfrage zum Namen Berate. Das ist die weibliche Form von Berat, ein türkischer Vorname. Und Berate ist bei uns natürlich ganz eng verknüpft mit dem Imperativ von 'beraten'. Da haben wir empfohlen Berata zu vergeben und da haben sich die Eltern auch drauf eingelassen."

Nicht erfüllen könne man dagegen die Wünsche von Autofreunden, die ihre Kinder Lamborghini oder Porsche nennen wollen. Auch Fußballfans muss man beim Namen Borussia enttäuschen. Und auch, wer seine Kinder per Vornamen in den Adelsstand erheben will, geht leer aus, sagt Rüdebusch: Adelstitel wie König, Graf oder Prinz seien als Vornamen prinzipiell nicht möglich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Februar 2021 | 06:27 Uhr

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