Coronavirus Virologe Kekulé für Coronavirus-Tests für alle

Der hallesche Virologe Kekulé hat Coronavirus-Tests für alle gefordert. Im MDR-AKTUELL-Podcast verglich er die Tests mit einem Geigerzähler. Er kritisierte, dass nur Menschen mit Symptomen getestet würden. Außerdem lobte Kekulé das RKI für dessen jüngste Präsentation der Reproduktionszahlen.

Im Medizinischen Zentrallabor vom Klinikum St. Georg in Leipzig bereitet die medizinisch-technische Assistentin Katrin Grabietz Patientenproben zur Abklärung des Coronavirus vor.
Der hallesche Virologe hat Alexander Kekulé hat Coronavirus-Tests für alle gefordert. Damit könne ein unsichtbarer Feind für die Menschen sichtbar gemacht werden. Bildrechte: dpa

Coronavirus-Tests müssen nach Ansicht des halleschen Virologen Alexander Kekulé schnellstmöglich für alle Menschen verfügbar sein. Kekulé sagte im MDR-AKTUELL-Podcast: "Das wichtigste Instrument, das wir überhaupt haben, um diesen unsichtbaren Feind für die Menschen sichtbar zu machen [...], ist der Test. Am besten in der Hand von jedermann und überall."

Vergleich mit Geigerzähler

Das Instrument sei vergleichbar mit einem Geigerzähler bei der Atomkatastrophe von Tschernobyl: "Alle Menschen, die einen hatten, hatten einen Riesenvorteil, weil sie wussten, wo die Strahlung ist. Wer keinen hatte, war paralysiert vor Angst." Der Geigerzähler für die jetzige Situation sei der Corona-Test.

Geld für die Tests gut angelegt

Kekulé kritisierte, dass Patienten weiterhin nur bei Symptomen kostenlos getestet würden. Hier sollte die Politik nachsteuern. Er sagte, wenn in wirtschaftlichen Fragen die Bazooka ausgepackt werde und wenn 750 Millionen Euro allein in Deutschland für die Impfstoffentwicklung auf den Tisch gelegt würden, dann sei das Geld für diese Tests in der jetzigen Situation mindestens genauso gut angelegt. Ein Test sei für das Individuum und für die Gesellschaft insgesamt die beste Versicherung im Moment.

Kekulé sagte weiter, es seien bereits Schnelltests für zu Hause entwickelt worden. Der Test sei verfügbar, das sei ein reines Produktionsthema. Könnten Menschen sich zu Hause selber testen, wäre das ein Quantensprung sowohl für die Einzelnen als auch für die Bevölkerung insgesamt.

Lob für neue Informationen zur Reproduktionszahl

Kekulé lobte im MDR-AKTUELL-Podcast zudem das Robert Koch-Institut für die neuen Informationen zur Reproduktionszahl beim Coronavirus. Er sagte, das Presse-Briefing vom Dienstag sei eine der besten Pressekonferenzen gewesen, die das RKI bisher gemacht habe. Die Entwicklung der Zahlen sei gut nachvollziehbar erklärt worden. Das sei dringend notwendig gewesen, um einer Falschinterpretation der Auskünfte vorzubeugen.

Kekulé bedauerte, dass die Zahl der Neuinfektionen aktuell ein Plateau bei 900 bis 1.000 Fällen am Tag erreicht habe. Damit wären seines Erachtens die Gesundheitsämter überfordert. Man müsse auf etwa 200 bis maximal 500 Fälle pro Tag kommen, damit die Kontakte in Deutschland konsequent nachverfolgt werden könnten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Mai 2020 | 15:47 Uhr