Sachsen Waldbrandgefahr durch alte Munition

In Jüterbog in Brandenburg hat im vergangenen Sommer alte Munition einen riesigen Waldbrand immer wieder neu entfacht. Ein Gebiet in Mitteldeutschland, in dem das auch passieren könnte, ist der ehemalige Truppenübungsplatz in der Gohrischheide bei Meißen.

Waldbrand mit meterhohen Flammen
In Jüterbog hatte alte Munition im vergangenen Sommer Waldbrände immer wieder neu entfacht. Bildrechte: MDR

Was tun, wenn es in der Gohrischheide brennt? Die Antwort lautet: nichts. Zumindest, wenn das Feuer mittendrin wütet. Denn da geht Sicherheit vor, sagt Kreisbrandmeister Ingo Nestler: "Die Gefahr ist zu groß. Wir befinden und hier ja mitten in einem ehemaligen militärischen Gebiet, das munitionsverseucht ist. Wir sind also übereingekommen, dass wir kein Risiko eingehen wollen. Weil es keine Gefährdung oder Dinge gibt, die wir, sage ich mal, auf Teufel komm raus retten müssen."

Drohnen statt Hubschrauber

Ganz untätig bleiben die Feuerwehren im Landkreis Meißen aber natürlich auch nicht, meint Nestler: "Wir werden dann Riegelstellungen aufbauen, um ein Übergreifen in nahe gelegene Waldlandschaften bzw. auf umliegende Siedlungen zu verhindern."

Hilfe per Hubschrauber ist übrigens keine Lösung. 1.000 Meter Sicherheitsabstand gilt für die Feuerwehrleute – am Boden, genauso wie in der Luft. Löschwasser aus dieser Höhe bringt fast nichts: Es gleiche einem Nebel, wenn es unten ankomme, so Kreisbrandmeister Nestler. Dafür setzen er und die Feuerwehr seit letztem Sommer auf etwas anderes: eine Drohne. Sie helfe bei der Entscheidungsfindung, erklärt Nestler:

"Und man kann sich natürlich ein besseres Bild der Lage verschaffen, also Livefilm oder Foto von oben. Und wir haben noch eine Wärmebildkamera beschafft, mit der wir die Brandherde lokalisieren, wo das Feuer am intensivsten im Waldboden steckt. Da sind wir im Freistaat vorneweg und da bin ich auch stolz drauf."

Munition aus fast 300 Jahren Militärtradition

Und der Waldboden ist tückisch. Ähnlich wie der Truppenübungsplatz bei Jüterbog hat die Gohrischheide eine lange militärische Tradition. Schon August der Starke veranstaltete in der Gegend 1730 seine große Truppenschau: das Zeithainer Lustlager. Bis Anfang der 90er Jahre war das Gebiet in sowjetischer Hand.

Die Vergangenheit wird oft erst auf den zweiten Blick sichtbar. Manchmal aber auch auf den ersten, weiß Stefan Müller. Er ist Revierförster im Naturschutzgebiet Gohrischheide. Alte Munition findet Müller hier immer wieder.

Das ist eine Granate, die hier liegt. Eine russische Panzerfaust. Das finden Sie hier im ganzen Gelände.

Stefan Müller Revierförster im Naturschutzgebiet Gohrischheide

Welche Gefahr von dieser Granate jetzt noch ausgehe, könne man nicht sagen, meint Stefan Müller.

Und Kreisbrandmeister Nestler verweist vor allem auf die unsichtbare Gefahr: "Das Problem für uns als Feuerwehr ist ja auch, man sieht das hier nicht. Das ist ja alles überwuchert. Das ist auch das Problem, wenn hier Leute reingehen in die Heide zum Wandern oder zum Pilze sammeln."

Munitionsfreiheit im ganzen Gebiet unmöglich

Daher müssen Besucher in der Gohrischheide unbedingt auf den Wegen bleiben, Schilder warnen.

Nur die Wege und die extra breiten Waldbrandstreifen sind beräumt, so Revierförster Müller: "Die Waldbrandstreifen sind zum Beispiel dafür da, dass sich Bodenfeuer auslaufen in dem Bereich. Die sind hier zehn Meter breit. Üblich sind sonst 2,50 Meter und diese Bereiche sind auch absolut kampfmittelfrei. Den kompletten Bereich von Munition und Blindgängern zu befreien: völlig unmöglich bei 26 Quadratkilometern und in einem Naturschutzgebiet."

Ginster und Kiefer als Brandherde

Die Flora der Gohrischheide ist eine zusätzliche Brandgefahr, erklärt Förster Müller: "Gerade in trockenen Sommern sind diese Ginsterfelder hier sehr trocken und die haben ätherische Öle. Die explodieren dann regelrecht und haben Stichflammen von bis zu zehn Metern Höhe. Anschließend sehen wir diese Kiefernbestände, geschädigt auch durch den Borkenkäfer. Diese Kiefern hier sind sehr anfällig für solche Waldbrände. Deswegen gibt es hier Eichenriegel. Da könnte sich das Feuer bei gutem Wetter theoretisch auch totlaufen."

In den letzten Sommern haben der Kreisbrandmeister und der Revierförster bei jedem Alarm ihren Puls gespürt. Von Bränden wie bei Jüterbog ist die Gohrischheide bislang verschont geblieben. Doch die Gefahr bleibt allgegenwärtig, besonders an heißen Tagen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Dezember 2019 | 08:10 Uhr