Abgebrannter Wald bei Bulleritz, Nahaufnahme eines Astes
Ein abgebrannter Wald nahe des nordsächsischen Bulleritz. Bildrechte: MDR/Jens Falkowski

Waldbrandgefahr Waldbrandschutz in der DDR und heute

Die Trockenheit setzt den deutschen Wäldern zu. Besonders betroffen sind davon die Kiefernwälder. Hier gibt es viel Totholz und abgestorbene Bäume. Ein Funke reicht oft, um mehrere Hektar Wald in Brand zu setzen. Ein Zustand, der auch MDR-AKTUELL-Hörer Enrico Smolka aus Großkmehlen Sorgen macht. Er erinnert sich an Brandschutzstreifen zu DDR-Zeiten und fragt sich, wie der moderne Waldbrandschutz aussieht und wie viel DDR noch in ihm steckt.

von Jens Falkowski, MDR AKTUELL

Abgebrannter Wald bei Bulleritz, Nahaufnahme eines Astes
Ein abgebrannter Wald nahe des nordsächsischen Bulleritz. Bildrechte: MDR/Jens Falkowski

Ein abgebrannter Kiefernwald nahe der Ortschaft Bulleritz – statt grüner Kiefern stehen auf über zwei Hektar nur schwarze Stämme. Ein Bild, das sich häufig in Wäldern zwischen Sachsen und Brandenburg findet. Allein im Landkreis Bautzen hat es in diesem Jahr 52 Mal gebrannt.

Digitale Überwachung statt Feuerwachtürmen

Ausgedienter alter Feuerwachturm von Bulleritz, wird demnächst abgerissen
Der ausgediente Feuerwachturm von Bulleritz wird demnächst abgerissen. Bildrechte: MDR/Jens Falkowski

Nicht weit entfernt steht der alte Feuerwachturm. Einst gehörte er zum Rückgrat der DDR-Waldbrandbekämpfung. Heute hat er ausgedient, erklärt Thomas Sobczyk von der Forstverwaltung. Es sei einer der Türme, die in den 1960er Jahren in der Region zur Überwachung der Waldgebiete installiert wurden.

"Das System sah damals vor, im Abstand von acht Kilometern im Dreiecksverband Feuerwachtürme zu errichten und über Kreuzpeilung konnten Bediener, die da oben mit dem Fernglas gesessen haben, Rauchentwicklung erkennen und haben das an die Feuerwehr gemeldet", erzählt Sobczyk. Heute wird der Wald überwiegend voll automatisch überwacht. Eine Kamera erkennt, ob im Umkreis von zwölf Kilometern Rauchschwaden aufsteigen und schlägt Alarm.

Schutzstreifen ohne Rücksicht auf Eigentum

Die zweite wichtige Methode zur Brandbekämpfung waren die Schutzstreifen. Thomas Sobczyk erinnert sich noch, wie die Schneisen einfach durch den Wald gezogen wurden. Zu DDR-Zeiten sei man diese Sache sehr zentralisiert und normiert angegangen. Es sei unabhängig vom Eigentum verfahren worden und die Forstverwaltung habe die Brandschneisen selbst angelegt.

Ein Mann steht unter einem Feuerwachturm
Thomas Sobczyk Bildrechte: Jens Falkowski

Da gab es Maßnahmenpläne, die wurden strikt durchgesetzt. Das ist natürlich mit dem heutigen Eigentumsverständnis, dem heutigen Rechtsstaat nicht mehr vereinbar.

Thomas Sobczyk, Forstverwaltung Landkreis Bautzen

Dennoch muss auch heute im privaten Wald der Brandschutz eingehalten werden. Dazu gehören gepflegte Waldwege, die von der Feuerwehr befahren werden können.

Brandschutz in Königsbrücker Heide kompliziert

Die klassischen Waldbrandschneisen aus DDR-Zeiten sind stellenweise noch erhalten, wie in der Königsbrücker Heide entlang der B97. In dem Naturschutzgebiet ist Kaj Krumbiegel für den Brandschutz zuständig.

Ein Waldweg
Ein Waldbrandschutzstreifen wie zu DDR-Zeiten. Bildrechte: Jens Falkowski

"Der Waldbrandschutzstreifen, den wir aus früheren Zeiten kennen, hatte eine Regelbreite von drei Metern und war hauptsächlich angelegt in waldbrandgefährdeten Gebieten. Und war wund gehalten durch Bodenbearbeitung und hatte die Aufgabe, ein Bodenfeuer zu verhindern", erklärt Krumbiegel.

Der Brandschutz in der Königsbrücker Heide ist besonders kompliziert. Zum einen, weil es sich um einen alten Truppenübungsplatz handelt und zum anderen, weil der Naturschutz einen direkten Eingriff verhindert.

Breitere Schutzstreifen schützen vor größeren Feuern

Kaj Krumbiegel steht auf einem circa zwölf bis 15 Meter breiten Streifen. Dieser wurde gemeinsam mit Feuerwehr und THW entwickelt und soll besonders gefährdete Gebiete auch vor großen Feuern schützen. Krumbiegel erklärt, man wolle einen mindestens drei Meter breiten Wundstreifen haben – das sei die minimalste Bearbeitungsbreite der heutigen Landwirtschaftstechnik – und einen gehölzfreien Streifen.

Ein Mann steht an einem Waldrand
Kaj Krumbiegel auf einer modernen breiten Waldbrandschneise. Bildrechte: Jens Falkowski

"Wir wollen nicht nur ein Bodenfeuer verhindern, wir wollen auch möglichst die Temperatur bei einem anrückenden Feuer, egal aus welcher Richtung, herabsenken, so dass es sich möglichst hier in diesem Wundstreifen, in diesem Waldbrandschutzstreifen aufhält", meint Krumbiegel.

Wo automatisierte Kamerasysteme den Wald überwachen und breitere Waldbrandschneisen angelegt sind, ist das System wesentlich ausgefeilter als zu DDR-Zeiten. Allerdings: Die meisten Feuer sind menschengemacht, daran kann auch die beste Technik nichts ändern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 05:00 Uhr

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3 Kommentare

14.08.2019 15:22 Fragender Rentner 3

Jetzt weiß ich auch, dass die DDR für dieses Klima welches wir jetzt haben verantwortlich ist.

14.08.2019 14:37 Mane 2

Schutz Streifen sind wichtig.

14.08.2019 11:53 Pattel 1

Brandschutzstreifen sind wichtig. Der Schutz der Allgemeinheit steht über Privatbesitz.

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