Die Notfall-App «KATWARN», aufgenommen auf einem iPhone.
Die Notfall-App "Katwarn" soll Nutzerinnen und Nutzer bei Gefahren warnen. Bildrechte: dpa

Gefahreninformationen Wenn das Handy warnt: Wie zuverlässig ist die "Katwarn"-App?

Im Fall des Attentats von Halle haben die Behörden die Bevölkerung über das Warn- und Informationssystem "Katwarn" vor der Gefahr gewarnt. Das ist eine Smartphone-App, die im Gefahrenfall einen Alarmton und eine entsprechende Nachricht verschickt. Doch nicht alle Nutzer bekamen die gewünschten Informationen. MDR AKTUELL-Nutzer Dirk Jürgens will deshalb wissen, wie zuverlässig das System ist.

von Manuela Lonitz, MDR AKTUELL

Die Notfall-App «KATWARN», aufgenommen auf einem iPhone.
Die Notfall-App "Katwarn" soll Nutzerinnen und Nutzer bei Gefahren warnen. Bildrechte: dpa

Ein durchdringender Alarmton war am 9. Oktober auf 17.000 Handys in Halle zu hören. Um 12:48 Uhr kam die erste Warnung. Doch das Smartphone von Dirk Jürgens blieb stumm. MDR AKTUELL hat beim Entwickler der "Katwarn"-App, dem Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme Fokus, nachgefragt. Das Institut überprüfte die App-ID des Hörers und stellte fest, dass die Warnung auch an ihn herausgegeben wurde, so "Katwarn"-Sprecher Niklas Reinhardt. "Das System arbeitet sehr stabil und wir überwachen das natürlich auch regelmäßig. Aber es kann im Einzelfall passieren, dass zum Beispiel kein Zugang zum Internet vorlag."

Und es gibt noch eine andere Möglichkeit, warum die Nachricht nicht ankam, so Reinhardt. "Wir senden die Warnung raus an die Smartphones, aber die werden ja dann an die Server von Apple oder Google übermittelt und da kann es auch mal passieren, dass eine Warnung nicht ankommt."

Bei Funkloch wird nachgemeldet

Auch falsche Einstellungen in der App können ein Grund sein, dass man keine Meldungen bekommt. So muss sowohl in der App als auch im Smartphone die Ortserkennung aktiviert werden. Mitteilungen müssen erlaubt und aktiviert sein. Wer die App über ein Backup vom alten auf ein neues Handy spielt, muss die "Katwarn"-App danach einmal öffnen. Sonst kann es passieren, dass sie sich nicht richtig mit dem System verbindet. Zudem bleibt das Handy stumm, wenn sich ein Nutzer nicht im alarmierten Bereich befindet. Bei einem Funkloch wird nachgemeldet.

Denn anders als eine Sirene, die einmal ein Geräusch erzeugt und dann still ist, bleibt bei "Katwarn" die Warnung bestehen. "Das heißt, ich bekomme die Warnung auch zu einem späteren Zeitpunkt noch, wenn ich wieder Internet habe", sagt Sprecher Niklas Reinhardt. Personen, die sich zum Beispiel erst nach dem Zeitpunkt der Aussendung der Warnung in das Gefahrengebiet hineinbewegen, bekommen die Warnung zu einem späteren Zeitpunkt dann auf dem Handy angezeigt.

Geringe Fehlerquote, aber keine hundertprozentige Sicherheit

Pro Jahr meldet "Katwarn" etwa 500 Gefahrensituationen. Dabei werden rund 15 Millionen Meldungen abgesetzt. Die Fehlerquote sei gering, so Reinhardt.

Die Gesamtzahl der Meldungen, die rausgeht und die doch sehr geringe Zahl an Rückmeldungen, die wir kriegen, sind weniger als 0,01 Prozent der Warnmeldungen.

Niklas Reinhardt "Katwarn"-Sprecher

Das lasse den Schluss zu, dass es sich bei "Katwarn" um ein sicheres System handle. Hundertprozentige Sicherheit jedoch gäbe es damit nicht, sagt Reinhardt. Vielmehr sei es ein ergänzendes Warnsystem.

Auch für die Stadt Halle ist "Katwarn" nicht die alleinige Lösung im Gefahrenfall. Auf Nachfrage von MDR AKTUELL heißt es dort, es handle sich um "eine sehr gute Ergänzung zur Öffentlichkeitsarbeit unter anderem über die Medien, das Bürgertelefon, die Internetseite der Stadt, deren Facebook-Account und die Halle-App".

Wer Probleme mit seiner App feststellt, dem empfiehlt Niklas Reinhardt von Fraunhofer Fokus, die App-interne Feedbackinformation zu nutzen. Techniker können dann prüfen, ob ein Fehler vorliegt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. November 2019 | 08:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. November 2019, 10:04 Uhr

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