Baustelle auf der B2 Warum wird auf Baustellen nicht rund um die Uhr gearbeitet?

Autofahrer kennen das: Straßenbaustellen, an denen nicht gearbeitet wird - sogenannte Schlafbaustellen. Ein Ärgernis für viele Verkehrsteilnehmer. MDR AKTUELL-Nutzer Manfred Fikenzer aus Markkleeberg fährt mehrmals in der Woche nach Leipzig. Er steht regelmäßig wegen Bauarbeiten auf der B2 im Stau und wollte wissen, warum dort zu bestimmten Zeiten nicht gearbeitet wird. Wir haben nachgehakt.

Baustellenschild
Nicht auf allen Baustellen wird nachts und am Wochenende gearbeitet. Warum? Bildrechte: Colourbox.de

Täglich rollen mehr als 40.000 Fahrzeuge über die Bundesstraße 2. Das geht an die Substanz der Fahrbahn. Aktuell werden zwei Brücken instandgesetzt.

Keine Wochenend- und Nachtschichten auf der B2

Auftraggeber ist das Land. Ob in Schichten oder an Wochenenden gearbeitet werde, könne vertraglich geregelt werden, erklärt Isabel Pfeiffer, Pressesprecherin beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr.

Im Auftrag an die Baufirma, die in Markkleeberg die B2 instand setze, sei von Anfang an keine Wochenend- und Nachtarbeit vorgesehen gewesen, sagt Pfeiffer: "Weil das in keinem Verhältnis zueinander stünde - der finanzielle und auch der Ressourceneinsatz der Mitarbeiter im Verhältnis zu dem, was man erreichen könnte. Auch wenn es eine sehr stark befahrene Bundesstraße ist, gibt es keine Festlegung darüber, ob es mehrerer Schichten oder Wochenendarbeit bedarf. Das reicht vollkommen, im Bauvertrag zu sagen, die Bauzeit Ende Juli bis Mitte November muss eingehalten werden."

Unternehmen, die rund um die Uhr auf einer Baustelle arbeiten, seien zudem kaum noch zu finden. "Wir haben in den letzten Jahren, seit ungefähr so drei bis vier Jahren, festgestellt, dass sich auf solche Ausschreibungen fast niemand mehr bewirbt."

Immer mehr Staus in und um Leipzig

Gründe hierfür: Strenge Auflagen, hohe Kosten bei Nacht- und Wochenendarbeiten. Davor schrecken offenbar viele Bauunternehmer zurück. Außerdem tritt auch hier der Fachkräftemangel zutage. Schichtarbeiter sind nur schwer zu finden. Die Folge sind Staus.

Helmut Büschke, Vorstandsmitglied für Verkehr und Technik des ADAC Sachsen, sieht da eine Tendenz nach oben: "Insbesondere in Sachsen hat die Zahl der Staus erheblich zugenommen. Damit hat sich deutschlandweit gesehen die Situation bei uns sehr verschlechtert. Wir hatten allein in den sechs Wochen in den Ferien über 2.100 Staus mit einer Länge von 3.100 Kilometer. Das waren immerhin 1250 Stunden, die da verloren gegangen sind."

Auch in Leipzig und Umgebung nehmen die Staus zu. Ein Grund: Leipzig wächst, und damit auch das Verkehrsaufkommen. Heute sind rund 72.000 Autos mehr in der Stadt unterwegs als noch vor zehn Jahren. Zudem kommen immer mehr Pendler zum Arbeiten in die Stadt. Das belastet die Straßen, die müssen häufiger repariert werden. Ergo gibt es mehr Baustellen.

ADAC fordert mehr Tempo auf Baustellen

Derzeit sind es über 100 Verkehrseinschränkungen. Der ADAC sieht das Baustellenmanagement der Stadt kritisch: "Der ADAC fordert schon lange mehr Tempo bei den Baustellen. Vor allem beginnt das schon mit einer guten Vorbereitung, mit der Ausschreibung, mit der Beauftragung. Dass man dort klare Regelungen trifft, vor allem zur Länge der Bauzeit. Aber es sind einfach zu viele Baustellen auf einmal, die dann auch zu den vielen Staus führen."

Große Bauvorhaben werden jahrelang geplant, kleinere eher kurzfristig beantragt. Priorität bei der Planung habe zudem vor allem eins, erklärt die Stadt auf Anfrage schriftlich: "Oberstes Gebot ist, dass auch unter Baustellenbedingungen die Verkehrssicherheit gewährleistet wird. Ein flüssiger Verkehrsablauf ist dabei nachrangig."

Neben den großen Baustellen in diesem Jahr stehen bereits weitere in den Startlöchern. Auch in Zukunft müssen die Bürger der Stadt mit der einen oder anderen Verkehrseinschränkung rechnen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Oktober 2020 | 05:22 Uhr

1 Kommentar

mensrea vor 5 Wochen

Also dass sich keine Baufirma auf Aufträge bewirbt, die auch nachts/wochenends arbeiten, kann sich nur durch schlechte Vergütung erschließen. Ja, das kostet mehr, sehr viel mehr. Aber bevor jetzt jemand wegen verschwendeter Steuergelder Beschwerde führt, bitte daran denken, dass auch die "Lebenszeit" der Autofahrer Kosten sind. Versteckte Kosten, die gerne vergessen werden. Auch ÖPNV kann nur bedingt helfen, denn der würde auch mehr Zeit als Individualverkehr kosten, denn er müßte flächendeckend halten.

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