Umbauarbeiten im und vor dem Hauptbahnhof Chemnitz für das Nahverkehrsprojekt Chemnitzer Modell
Stand der Umbauarbeiten beim Chemnitzer Hauptbahnhof 2013. Bildrechte: MDR/Dagmar Borchert

Strecke Chemnitz-Thalheim-Aue Nahverkehr: Chemnitzer Modell muss noch viele Hürden nehmen

Beim sogenannten Chemnitzer Modell sollen die Nahverkehrszüge aus dem Umland – dem Erzgebirge zum Beispiel – direkt in die Innenstadt fahren, ohne Umsteigen am Hauptbahnhof. Bertram Zetzsche aus Plauen, der auch beim Fahrgastverband Pro Bahn aktiv ist, fragt sich, ob das Modell plan- und zeitgemäß fertiggestellt werden kann. Denn zurzeit stocke die Realisierung der Strecke zwischen Chemnitz, Thalheim und Aue.

von Christine Reißing, Landeskorrespondentin Sachsen MDR AKTUELL

Umbauarbeiten im und vor dem Hauptbahnhof Chemnitz für das Nahverkehrsprojekt Chemnitzer Modell
Stand der Umbauarbeiten beim Chemnitzer Hauptbahnhof 2013. Bildrechte: MDR/Dagmar Borchert

Chemnitz-Thalheim-Aue: Diese Strecke bildet die zweite von insgesamt fünf Stufen im Chemnitzer Modell. Und tatsächlich stockt es hier, räumt Harald Neuhaus ein – der Geschäftsführer des verantwortlichen Verkehrsverbunds Mittelsachsen.

Wenn Sie hier nach einem Fertigstellungstermin fragen, da würde ich jetzt aus heutigem aktuellen Kenntnisstand sagen: Ende 2020. Geplant war es ursprünglich schon für Ende 2019.

Harald Neuhaus Geschäftsführer Verkehrsverbund Mittelsachsen

Verzögert habe sich der Zeitplan auch wegen eines Umweltschutzgutachtens. Das sei aber mittlerweile erledigt. Nun warte er auf das Okay vom Eisenbahnbundesamt, das zurzeit noch sogenannte öffentliche Belange abarbeite.

Laut Neuhaus sagten Bürger da etwa: "Ich möchte meine Einfahrt gewährleistet haben über die gesamte Bauzeit. Ja – und dann wollt ihr auch noch Sachen bei mir abstellen, mein Grundstück wird beeinträchtigt. Dann möchte ich von euch eine kleine Entschädigung haben." Das seien alles Fragen, die dort beantwortet werden.

Verkehrsverbund und Land müssen Finanzierung abstimmen

Das Chemnitzer Modell ist ein sehr langwieriges Projekt. Die Pilotstrecke, die Stufe null, wurde schon 2002 in Betrieb genommen. Erst fast 20 Jahre später soll nun Stufe zwei fertiggestellt werden. Den Bahnexperten Christian Böttger wundert das nicht.

Der VMS ist ja ein Verkehrsverbund, das ist kein Unternehmen. Und wir haben bei uns die Regelung, dass der Bau und der Betrieb von Nahverkehrsstrecken Aufgabe der Kommunen ist.

Christian Böttger Bahnexperte

Die Eisenbahn wiederum sei Aufgabe des Landes, erklärt Böttger. Verkehrsverbünde wie der VMS aus Chemnitz müssten deshalb mit Stadt, Land und Umlandkreisen die Finanzierung abstimmen – insgesamt 300 Millionen Euro sind dort nötig. "Und wir haben eben immer knappe öffentliche Mittel. Das ist richtig so, dass die öffentliche Hand jetzt nicht das Geld mit vollen Händen ausgeben kann. Deswegen dauern solche Projekte finanziell eben recht lange."

Hauptbaumaßnahme wahrscheinlich ab Sommer

Das zweite Problem sei das Planungsrecht. Gerade bei der Bahn sei das in den letzten Jahren immer komplexer geworden, erklärt Böttger. Wie im Fall von Chemnitz gebe es ein umfangreiches Klagerecht für Anwohner und Umweltschutzverbände. Der Bahnexperte meint: "Und wir haben derzeit noch einen dritten Punkt - das ist sozusagen die Nebenwirkung der wirtschaftlich guten Lage: Dass es keine Baufirmen mehr gibt, die bereit sind, Aufträge anzunehmen."

Passende Handwerker habe er immerhin schon organisiert, beteuert Harald Neuhaus, der Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Mittelsachsen. Er geht davon aus, dass die Hauptbaumaßnahme im Sommer losgehen kann. "Eine hundertprozentige Sicherheit kann man nie geben. Aber ich bin überzeugt davon, dass wir es schaffen", meint Neuhaus. Früher, erzählt der VMS-Geschäftsführer, habe er immer gesagt, alle fünf Stufen würden vor 2030 fertig. Mittlerweile aber traut er sich da keine Prognose mehr zu.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Mai 2019 | 06:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2019, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

20.05.2019 18:44 kai leonhardt 4

Die Probleme des grundsätzlich guten Chemnitzer Modells liegen in den Details: die Strecke nach Aue hat meines Erachtens kaum Fahrgastpotentiale, der Fahrzeitgewinn ist gering, bei den direkten Umlandgemeinden von Chemnitz sieht das schon besser aus. In der Innenstadt schleichen die Fahrzeuge förmlich. Jeder Monat Bauverzug stärkt dauerhaft die Abwanderung von der Bahn und die Autopendler-ströme. Warum nicht eine andere Stufe vorziehen?

20.05.2019 12:07 Max 3

Die Abbestellung des Schienenverkehres Richtung Aue ging dafür schneller. Dort rollt nämlich seit Mitte September 2018 nichts mehr planmäßiges. Obwohl der VMS 2017 zu einer Bürgerversammlung zusicherte, dass die Bahn bis zum letzten Tag vor Baustart fährt. Das Ergebnis sieht man täglich in den beiden SEV-Linien. Da ist ein nicht unerheblicher Teil der Fahrgäste bereits abgewandert.

20.05.2019 10:32 Sven Quinger 2

Das das Thema Chemnitzer Modell eine unendliche Geschichte ist, stimmt leider. Allerdings ist man von Seiten des VMS wahrscheinlich bei den einst genannten Terminen auch sehr blauäugig gewesen. Von eben diesen Terminen will man jetzt aber anscheinend auch nichts mehr wissen, denn zwei der Aussagen von Herrn Neuhaus stimmen nicht mit den ursprünglichen Planungen überein.

So war die Inbetriebnahme der zweiten Stufe des Chemnitzer Modells nach Thalheim eigentlich schon für den Dezember 2018 geplant (nicht für 2019, wie dies im Beitrag erwähnt wurde). Und die aktuell geplanten fünf Stufen des Chemnitzer Modells sind im Zielnetz 2020 zusammengefasst. Vor zwanzig Jahren ist man also davon ausgegangen, dass die gesamten fünf Stufen bis zum Jahr 2020 umgesetzt werden (und nicht erst bis 2030, wass man ja nun auch nicht mehr schafft).

Das man dann irgendwann von der Realität eingeholt wird, mag schon sein. Zu seinen einstigen Aussagen sollte man aber schon stehen.

20.05.2019 08:12 Bernd 1

Eigentlich ist das Modell gut und sollte die Zukunft sein (gibt es ja auch in Karlsruhe. Aber es gehen Jahre bis da was passiert. Haette man vor 180 Jahren in diesem Thempo mit dem Bau der Eisenbahnen begonnen es waere fraglich on die Strecke von Berlin nach Muenchen schon fertig waere. Das waere etwas fuer die Umwelt aber man tut sich schwer und lustig der Umweltschutz darf hier Einspruch erheben. Komisch geht es um Steuererhoehungen im Namen des Umweltschutzes, welche dafuer aber nichts bringen, ist man schneller.

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