Ein rauchender Industrieschornstein
Kraftwerke stoßen Treibhausgase aus. Diese werden in der Einheit "ppm" gemessen. Bildrechte: imago/blickwinkel

Klimawandel Das ist "ppm"

Der Jahresbericht der Weltwetterorganisation zeigt: In der Atmosphäre ist 2018 die Treibhausgas-Konzetration gestiegen. Gemessen werden die in der Einheit "ppm". Doch was heißt das eigentlich? Und wie haben sich die Messwerte entwickelt?

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Ein rauchender Industrieschornstein
Kraftwerke stoßen Treibhausgase aus. Diese werden in der Einheit "ppm" gemessen. Bildrechte: imago/blickwinkel

Stellen Sie sich vor, die Atmosphäre unserer Erde wäre ein riesiges Bällebad mit Milliarden verschiedenfarbiger Bälle.

Verschiedene bunte Plastikbälle.
Ein Bällebad hilft als Metapher, um "ppm" zu verstehen. Bildrechte: Colourbox.de

Wenn ein Wissenschaftler wissen möchte, wie viele rote sich darunter befinden, dann würde er – im Bild gesprochen – mit einer großen Schaufel reinstechen und von den geschaufelten Bällen die roten zählen. Daraus könnte er Rückschlüsse ziehen, wie viele rote Bälle insgesamt im Bad sind.

Ähnlich verhält es sich in der Realität mit der Hilfseinheit PPM. Das steht im Englischen für "Parts Per Million", übersetzt "Teile von einer Million". Armin Jordan, Atmosphären-Experte am Max Planck Institut Jena, erklärt: Wäre ein Teil von einer Million Luftmoleküle ein CO2-Molekül, dann wäre das "1 ppm Kohlendioxid".

Armin Jordan sagt weiter: "Jetzt ist die Konzentration bei uns um die 410 ppm". Das heißt: Von einer Million Luftmoleküle sind  rund 410 – konkret 407,8 Moleküle – Kohlendioxid. Es geht also um die Zusammensetzung der Luft.

CO2 als Wärmeträger

Mittels der PPM geben die Forscher an, wie hoch die Konzentration von Treibhausgasen, wie zum Beispiel dem CO2, in unserer Atmosphäre ist und wie die Werte sich entwickelt haben. Für die Forscher ist es wichtig. Armin Jordan erklärt, warum:

"Ein CO2-Molekül hat die Möglichkeit, Wärmestrahlungsenergie zu absorbieren, das heißt aufzunehmen, und das zu einem späteren Zeitpunkt als Energie wieder abzustrahlen." Und ein Teil dieser Wärmestrahlung durch die Treibhausgasmoleküle gelangt somit wieder zurück auf die Erde. CO2 hat laut Armin Jordan den Löwenanteil an diesem Effekt. Das habe eine Erwärmung der Erdoberfläche zur Folge.

CO2-Moleküle verraten, wo sie herkommen

Zudem können die Forscher genau bestimmen, woher das CO2 in unserer Atmosphäre kommt. Seit Ende der 1950er Jahren werden die PPM- Werte kontinuierlich gemessen. Doch dank tiefer Bohrungen im Eis können die Wissenschaftler auch Aussagen treffen über die Treibhausgas-Konzentration von vor vielen Jahrtausenden.

Wie viel CO2 zum Beispiel durch die Verbrennung fossiler Energieträger hinzugeführt wurde und um welche es sich im Einzelnen handelt, erklärt Jordan: "Kohle, Erdöl oder Erdgas, die unterscheiden sich nämlich in der Massenzusammensetzung des Kohlenstoffs. Da gibt es ein bisschen weniger schweren Kohlenstoff und dafür etwas mehr leichten Kohlenstoff".

CO2-Konzentration steigt wie nie zuvor

Schwankungen hat es dabei immer gegeben, erklärt Armin Jordan, aber: "Es gab noch nie einen derart schnellen Anstieg von CO2. Das hat dann immer viele viele viele Tausend Jahre gedauert, in denen eine Entwicklung stattfand, die jetzt in Jahrzehnten stattfindet."

So stieg die Konzentration von CO2 von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis Ende der 1950er Jahre – also in 200 Jahren - um etwa 40 ppm. Von den 50er Jahren bis heute betrage der Anstieg fast 100 ppm, so der Atmosphären-Experte Jordan.

Mithilfe der PPM-Werte von Treibhausgasen kann man also genau sagen, wie der Klimawandel verläuft und beobachten, ob die Klimaschutzmaßnahmen wirken.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Dezember 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2019, 05:00 Uhr