Dürre Wasserrechte in Sachsen-Anhalt werden zum "Gerechtigkeitsproblem"

Schon wieder rechnen die Meteorologen mit einem Hitzesommer und warnen vor Dürre. Trockenheit bedroht schon seit Jahren die Existenz der Bauern, auch in Sachsen-Anhalt. Hier soll nun künstliche Beregnung helfen. Doch bevor beregnet werden kann, müssen zuallererst die Wasserrechte geklärt werden. Landwirtschaftsministerin Dalbert will eine einvernehmliche Lösung.

Beregnung eines Kartoffelfeldes
Bewässerungsanlagen auf einem Feld. Bildrechte: imago/Rust

Hadmersleben auf halber Strecke zwischen Magdeburg und Halberstadt: Hier baut Urban Jülich Getreide und Raps an und seit über 20 Jahren auch Kartoffeln. Lady Claire hat er auf dem Feld – eine Kartoffel aus der wunderbar Pommes und Chips gemacht werden können.

Aber: Ohne künstliche Beregnung keine gute Qualität, erklärt Jülich: "Und eine Kartoffel, die schöne Chips oder Pommes ergeben soll, muss eben gleichmäßig wachsen und dafür brauchen wir gleichmäßig Wasser." In Hadmersleben habe man seit über 20 Jahren Wasserrechte, sagt Jülich weiter, daher könne man die Felder auch künstlich beregnen."

Trockene Jahre wecken Begehrlichkeiten

Komme das Wasser nicht gleichmäßig, verteile sich die Stärke in der Kartoffel nicht gut und Pommes und Chips brechen und bröseln, erklärt Jülich – eine Frage der Qualität. Die Wasserrechte seien vor 20 Jahren noch nicht so ein Thema gewesen.

Jetzt sind wir in mehreren trockenen Jahren hintereinander, da rückt das Thema viel stärker in den Fokus.

Urban Jülich Landwirt

So gebe es mehr Begehrlichkeiten, da mehr Leute beregnen wollen würden, sagt Jülich weiter. Daher werde man in Zukunft genauer auf die Wasserrechte schauen.

Landwirtschaftsministerin sieht Gerechtigkeitsproblem

Auch Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert von den Grünen glaubt, die Wasserrechte werden zukünftig ein großes Thema sein. Denn in der jetzigen Situation gebe es ein Gerechtigkeitsproblem, sagt die Ministerin. Die Wasserrechte seien in der Vergangenheit zum Teil unbefristet vergeben worden.

Bedeutet: "Die einen haben die Genehmigung schon, die anderen kriegen sie vielleicht gar nicht, weil gar nicht so viel Wasser da ist."

Daher findet Landwirtschaftsministerin Dalbert, dass es gerade in Gegenden mit wenig Wasser und vielen Interessenten – also gerade in der Landwirtschaft – einen Ort brauche, an dem man die Wasserrechte verhandele, denn: "Man kann das nicht rechtlich lösen. Wer die Genehmigung hat, hat sie. Man kann das eigentlich nur in einem Dialog lösen." Dalbert plädiert deshalb für Wasser- und Bodenverbände vor Ort.

Modelle könnten bei Planung helfen

Erfahrung mit Wasserrechten hat man auch bei der Trinkwasserversorgung Magdeburg (TWM). Mehr als 750.000 Menschen im Land trinken nach eigenen Angaben Wasser, das die TWM aus dem Boden fördert. Wie es mit der künstlichen Beregnung und den Wasserrechten für die Landwirte weitergeht, beobachtet man auch hier genau.

Christiane Wiesner ist die technische Leiterin des Versorgers und erklärt: "Bei der Vergabe von neuen Wasserrechten muss natürlich berücksichtigt werden, welche Entnahmen schon bewilligt worden sind." Diese sollten nach Wiesners Meinung in eine Modellbetrachtung eingebettet werden, "die auf wissenschaftlichen Grundlagen beruht, wo bestimmte Einflüsse auch berücksichtigt sind, sodass man den Gesamtwasserhaushalt nicht negativ beeinflusst."

Und diese Modelle sind sehr kompliziert und aufwendig, auch finanziell. Es geht um Geologie, Niederschlag, Verdunstung und die Frage, wie viel Wasser wann entnommen wird. So könne vorhergesehen werden, was eine Wasserentnahme bedeutet, sagt Wiesner.

Bauern wollen Planbarkeit

Für Landwirt Jülich ist klar: Bei den Wasserrechten müsse vor allem Planbarkeit her: "Solche Beregnungsanlagen sind teuer, man investiert relativ viel Geld und dementsprechend braucht man natürlich auch einen Zeitraum für die Amortisation."

Kurzfristige Entscheidungen kommen auch deshalb nicht infrage, weil einmal ausgelegte Kartoffeln nicht mittendrin auf ihr Wasser verzichten könnten, sagt der Landwirt und mahnt auch deshalb langfristige Lösungen an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Mai 2020 | 06:55 Uhr

9 Kommentare

Eulenspiegel vor 15 Wochen

Als ich denke das Grundwasser ist sowieso schon seit geraumer Zeit gesunken. Wer somit glaubt unser Wasserproblem lösen zu könne in dem er vermehrt auf das Grundwasser zurückgreift der vertreibt Selbstmord auf Raten. Wenn man den Klimaforschern glauben kann so nehmen die Extremwetterlagen zu. Das heißt extreme Hitze nimmt zu, extreme Stürme nehmen zu und extreme Regenfälle nehmen zu. Und durch die Zunahme der extremen Regenfälle nehmen natürlich auch die Überschwemmungen und die Überschwemmungsschäden zu. Wer da genauer wissen möchte was uns dem nächst a erwartet der kann sich ja mal bei den Versicherungen erkundigen. Die müssen nämlich die ganzen Schäden bezahlen. Darum was wir in Zukunft benötigen ist Hochwasserschutz, Regenrückhaltebäckern, jede Art von Speicher für überschüssiges Regenwasser und natürlich zusätzliche Talsperren. Ich denke dann werden wir wohl für die nächsten Jahrzehnte genügend Wasserreserven haben. Eine Garantie ist das aber nicht.

augu vor 15 Wochen

Wenn die Gletscher in Grönland und Antarktis schmelzen, fließt das Wasser ins Meer, daraus folgt nicht zwangsläufig, dass bei uns mehr Niederschlag fällt. Es kann weniger werden, wenn wir heißeres Klima bekommen und dann kann auch der Grundwasserspiegel sinken.

Kritiker vor 15 Wochen

+...Für Landwirt Jülich ist klar: Bei den Wasserrechten müsse vor allem Planbarkeit her: "Solche Beregnungsanlagen sind teuer, man investiert relativ viel Geld und dementsprechend braucht man natürlich auch einen Zeitraum für die Amortisation....+
Wenn das Politikerinnen (egal welcher Partei) verstehen würden, wäre es für die Landwirtschaft einfacher Beregnungen zu schaffen, sofern das Finanzielle dafür reichen würde. Eine Planbarkeit kann nicht gewährleistet werden, da niemand im Voraus weiß wie die Frühjahres.- & Sommermonate werden. Wetter kann noch nicht beeinflusst werden.