Nachhaltige Weihnachtsbäume Warum gibt es auf Weihnachtsmärkten keine "lebenden" Bäume?

In Zeiten des Klimawandels wird immer häufiger danach gefragt, wo all die festlichen Dinge zur Weihnachtszeit herkommen. Für die meist extra mit Sattelschleppern herangeholten, großen Bäume auf den Weihnachtsmärkten interessiert sich Michael Jacob aus Kodersdorf in Sachsen. Er fragt, warum es auf Weihnachtsmärkten keine "lebenden" Bäume gibt, die natürlich gewachsen zur Weihnachtszeit genutzt werden. Wäre das nicht nachhaltiger?

Feuerwehrleute stehen neben einem liegenden Baum auf dem Marktplatz in Leipzig.
Eine 20 Meter hohe Fichte wird auf dem Leipziger Markt aufgestellt. Bildrechte: MDR/Moritz Arand

Weihnachtszeit, schönste Zeit. Für viele gehört da ein Besuch auf einem der zahlreichen mitteldeutschen Weihnachtsmärkte dazu. Und was hier wiederum nicht fehlen darf ist das Symbol zum Fest: der Weihnachtsbaum.

Fichte wegen City-Tunnel nicht auf Leipziger Markt pflanzbar

Walter Ebert, der Leipziger Marktamtsleiter, hat dieses Jahr eine über 20 Meter hohe Fichte extra aus dem Vogtland holen lassen. Hier vor Ort einen Baum einpflanzen? Für Ebert nicht umsetzbar. Die Wurzeln wären so umfangreich und das ganze Paket sehr groß, erklärt er. Auf dem Marktplatz würde es außerdem nicht gehen, weil darunter nur eine genau ausgerechnete Tragdecke sei. Und dann käme eine große Blase: der City-Tunnel, Haltestelle Markt.

Da ist eine Decke, und die würde ich mit diesem Wurzelballen natürlich locker durchbrechen, da würde im City-Tunnel oben so eine Blase Wurzeln hängen.

Walter Ebert, Leipziger Marktamtsleiter
Fertig aufgestellte Weihnachtsbaum auf dem Leipziger Marktplatz
Die geschmückte Fichte auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt. Bildrechte: Ronny Arnold

Die Weihnachtsfichte ist knapp sechs Tonnen schwer und hat die 140 Kilometer von ihrem Standort nach Leipzig per Sattelschlepper zurückgelegt. 70 Jahre lang stand sie im vogtländischen Limbach. Marktamtsleiter Ebert erklärt, die Fichte komme nicht aus einem Nutzwald, sondern von einem privaten Grundstück.

Außerdem habe sie auch ein Alter: "Der Baum wäre dieses nächstes oder übernächstes Jahr sowieso gefällt worden, weil er auch standsicher dann Probleme bekommt. Da sind ja Häuser in der Umgebung gewesen. Das ist, denke ich, schon vertretbar", meint Ebert. Man hätte gerne einen Baum aus Leipzig genommen, aber in der Größe wachse in der Umgebung einfach nichts.

Hallenser Baum wird nach Weihnachtsmarkt komplett verwertet

In Halle hatte man da etwas mehr Glück: Der Weihnachtsbaum hier kommt direkt aus der Stadt – er musste nur ein paar Kilometer entfernt aus einem Vorgarten abgeholt werden. Wie in Leipzig wäre auch in Halle ein eingepflanzter Baum unmöglich, erklärt Veranstaltungsleiter Jürgen Reichardt, weil unter dem Marktplatz diverse Versorgungsleitungen verliefen.

Der Weihnachtsbaum für Halle ist aufgestellt worden.
Der Weihnachtsbaum für Halle kommt direkt aus der Stadt. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Nachhaltig gedacht wird hier am Ende vor allem bei der Verwertung des Baums. Er werde nach dem Wintermarkt abgebaut und die Äste anschließend kompostiert, erklärt Reichardt. "Der Stamm wird zerkleinert, gehäckselt und vermulcht, und der Mulch wird dann eingesetzt zur Abdeckung von Grünflächen im städtischen Gebiet, sodass wir also auch bis zum Schluss eine vernünftige ökologische Nutzung haben."

Nachhaltigkeit auch für Leipziger Marktbetreiber wichtig

Der Leipziger Baum geht nach dem Fest ins Sägewerk und wird dort verwertet. Ökologisch sinnvoll, sagt Marktleiter Ebert, der beim Weihnachtsmarkt seit Jahren auch an die Umwelt denkt.

Nachhaltigkeit sei ein Riesenthema, sagt Ebert. Man habe seit vielen Jahren schon Auflagen, die heute modern seien und die man schon erfülle: "Also Mehrweggeschirr, mit unserer Tassenspülnummer, wo wir Umläufe haben, Spülvorgänge in hundertfacher Präsenz. Wenn sie das mit Einweggeschirr machen würden, können sie kurz nachdenken, was hier anfallen würde." Das sei seit vielen Jahren überhaupt nicht gestattet.

Gestattet bleiben wird, auch in den kommenden Jahren, aber mit Sicherheit der allseits beliebte Weihnachtsbaum – natürlich gewachsen und wohl wieder angeliefert aus dem Vogtland.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Dezember 2019 | 06:16 Uhr

1 Kommentar

Oekonazi vor 24 Wochen

Mein Hund würde sich freuen, ein Baum mehr zum pinkeln.

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