Weihnachten Wie Weihnachtsmärkte sich um Nachhaltigkeit bemühen

Nächste Woche eröffnen überall in Deutschland die Weihnachtsmärkte, auch in Mitteldeutschland. Neben dem ein oder anderen Geschenkkauf wollen dort viele einfach einen Glühwein trinken oder eine Bratwurst essen. Dabei fällt aber auch eine ganze Menge Müll an. Einige Kommunen haben deshalb jetzt strengere Auflagen erlassen.

von Birgit Raddatz, MDR AKTUELL

Angelika und ihre Freundinnen nutzen ihren freien Tag, um in Leipzig bummeln zu gehen. Die drei Altenburgerinnen haben eine Stofftasche mit dabei. Plastiktüten wollen sie so vermeiden, sagt Angelika. Und auch beim Weihnachtsmarkt müssten manche Dinge einfach nicht sein.

Man könne da schon viel bei den Getränken anfangen, sagt Angelika. Durch Pfandtassen oder -gläser, die man entweder zurückgeben oder als Souvenir mit nach Hause nehmen könnte, würde schon viel gespart. Und Plastebesteck brauche kein Mensch, das "funktioniert eh nicht".

Leipziger Weihnachtsmarkt wird nachhaltiger

Auf Mehrweg bei den Glühweintassen setzt die Stadt Leipzig schon längst, sagt Marktamtsleiter Walter Ebert. Jede Tasse würde – je nach Stand – bis zu 20 Mal in der Woche gespült. Und auch beim Licht habe man sich etwas überlegt.

Vor drei Jahren haben wir den Weihnachtsbaum umgestellt, von fast 30.000 Kilowattstunden in der gesamten Laufzeit auf nur noch 1.800 Kilowattstunden.

Walter Ebert, Marktamtsleiter in Leipzig

Das sei ein gewaltiger Sprung Richtung Nachhaltigkeit gewesen, findet Ebert. Zudem sollen Verpackungen reduziert werden. Laut Ebert müsse die Ware zwar geschützt aber auch im Original abgegeben werden. Da sei die Stadt auf einem guten Weg.

Glühbirnen sind nicht mehr zugelassen, für die Müllentsorgung müssen die Händlerinnen und Händler Bio-Container bei der Stadtreinigung bestellen, heißt es im Marktkonzept des Leipziger Weihnachtsmarkts.

Zum Gleich-Essen oder zum Mitnehmen?

Doch gerade bei den Verpackungen beginne das Dilemma, findet Anja Wolf. Sie und ihr Mann verkaufen seit über 20 Jahren Süßwaren wie Mandeln oder Fruchtspieße auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt.

Dabei stellen sie den Kunden immer die Frage: Zum Gleich-Essen oder zum Mitnehmen? Bei der ersten Option gebe es nur eine Pappe und eine Serviette. Weil die meisten Gäste aber "zum Mitnehmen" sagen würden, komme das Essen in eine Tüte, welche im Weggehen gleich wieder ausgepackt und weggeworfen werden würde, erzählt Anja Wolf.

Auch Erfurt stellt sich neu auf

Keine Frage, die Händlerinnen und Händler sollten über das Thema Nachhaltigkeit auch mit ihrer Kundschaft sprechen, findet Sven Kästner, Marktleiter des Erfurter Weihnachtsmarktes. 1,7 Millionen Menschen besuchten diesen im vergangenen Jahr. Gerade, weil so viel unterschiedlicher Müll anfällt – Glas, Plastik, Restmüll – müsse alles, was recyclingfähig ist, auch sortiert werden, sagt Kästner.

Der Erfurter Weihnachtsmarkt 2017 am Abend der Eröffnung
Auch der Erfurter Weihnachtsmarkt wird nachhaltiger. Bildrechte: MDR/Bernd Krekel

Denn tatsächlich wandere nur der Marktabfall, der nicht mehr sortierbar und auch nicht kompostierbar ist, als Gewerbeabfall in die Müllpresse, erklärt Kästner.

Der neue Weihnachtsbaum "Martin" leuchtet laut Kästner statt mit rund 1.500 Glühbirnen à 15 Watt nun mit 20.000 LED-Birnen. Und auf dem städtischen Teil des Marktes gebe es nur Mehrweggeschirr.

Platzlimitierung ein Problem

Auf dem Dresdner Striezelmarkt setzt die Stadt auf kompostierbare Teller – und zwar verpflichtend. Das reduziert aber erst einmal den Müll nicht. Über 47 Tonnen waren es im vergangenen Jahr in Dresden, rund 49 Tonnen in Leipzig. Es verändert nur die Art, wie das Geschirr recycelt wird. Über Mehrweg denke man zwar nach, so der Amtsleiter für Wirtschaftsförderung, Robert Franke, aber bei etwa 230 Händlern gebe es auf dem Striezelmarkt eine gewisse Platzlimitierung.

Das heißt, jeder Quadratmeter ist ausgeteilt und in den Hütten selbst muss man bei Mehrweggeschirr auch Platz vorhalten.

Robert Franke, Amtsleiter für Wirtschaftsförderung in Dresden

Immerhin: Die Mehrwegtassen, die sonst zu einer zentralen Stelle zum Spülen gefahren werden mussten, können in Dresden nun in der Nähe des Marktes gereinigt werden. Das spare, so Franke, Transportkosten und CO2.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. November 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2019, 05:00 Uhr

5 Kommentare

Jan vor 2 Wochen

Ich finde gut, dass sich die Betreiber der Weihnachtsmärkte Gedanken darüber machen, wie sie nachhaltiger werden und trotzdem noch wirtschaftlich sind.
Da kommen unterschiedliche Lösungen raus. Warum nicht? Es zeigt doch, dass die Städte erkannt haben - ein weiter so wirde es nicht geben.
Und dann gibt es Menschen, die immer nur meckern können, ohne selbst was auf die Beine zu stellen oder gute Vorschläge zu machen.

Wir sind Steimle. vor 2 Wochen

Die ganze alte Beleuchtung landet also auf dem Müll und für die neue Beleuchtung wurden jede Menge Ressourcen verbraucht um ein bisschen Strom zu sparen. Wie soll das funktionieren, wenn wir dann alle Elektroautos fahren ? Purer Aktionismus um ein reines Gewissen vorzutäuschen.

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 2 Wochen

"Vor drei Jahren haben wir den Weihnachtsbaum umgestellt, von fast 30.000 Kilowattstunden in der gesamten Laufzeit auf nur noch 1.800 Kilowattstunden."

1.800 kwh???

bei ungefähr 500 g CO2 pro kwh können sie sich selbst ausrechnen wie lange es noch dauert bis der Kollaps droht!!!

Und wieviel Weihnachtsmärkte gibt es in Deutschland?

Eine Schande damit noch zu prahlen!!!