Weinbau und Klima Wie sich die Winzer auf Klimaveränderungen einstellen

Milde Winter, warme Sommer: Die Wärme der letzten zwei Jahre hat sich auch auf den Weinbau im Saale-Unstrut-Gebiet ausgewirkt. Wie gehen die Winzer damit um und ist auch in den kommenden Jahren mit Wärme zu rechnen?

von Friedemann Zweynert und Marcus Hansmann

Weinberg "Naumburger Steinmeister"
Weinberg "Naumburger Steinmeister" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Weine von Saale und Unstrut haben bei der Gebietsweinprämierung im letzten Jahr so viele Auszeichnungen und Medaillen abgeräumt wie noch nie: 54 Mal Gold, 137 Mal Silber und 71 Mal Bronze. Geholfen hat dabei auch die Veränderung des Klimas, denn auch im nördlichsten Qualitätsweinanbaugebiet Europas, wurden in den zurückliegenden Jahren steigende Temperaturen registriert. Die Entwicklung der letzten Jahre hat allerdings auch ihre Tücken.

Besonders frühe Lese

Insbesondere die Sommer der Jahre 2018 und 2019 waren überdurchschnittlich warm. Das hat zu einer ungewöhnlich frühen Weinlese geführt, wie Hans Albrecht Zieger, der Präsident des Weinbauverbandes Saale-Unstrut erklärt:

Im Jahr 2018 hatten wir die ersten Lesetage schon im August, was es eigentlich bis dahin, bis 2018 in den letzten 50/100 Jahren nicht gegeben hat.

Auswirkungen auf den Wein

Das Plus an Sonne und Wärme greift nicht nur in den Zeitplan ein, sondern wirkt sich auch direkt auf den Wein aus. Zieger spricht von einem "positiven Effekt, was die Weinqualität betrifft", weil die Reben mehr Zeit für Wachstum und Entwicklung haben und die Trauben länger reifen können.

Diese Entwicklung könnte über kurz oder lang allerdings auch das Wesen der Weine beeinflussen, wie Hans Albrecht Zieger vermutet:

Hans Albrecht Zieger,  Präsident des Weinbauverbandes Saale-Unstrut
Hans Albrecht Zieger, Präsident des Weinbauverbandes Saale-Unstrut Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Stilistik wird sich unter Umständen verändern. Das heißt, dass wir reifere Weine bekommen, die kräftiger und voluminöser sind, wie man sie eher aus südlicheren Regionen kennt, und wo man sagt, dass das typische Geschmacksbild eben von leichten, frischen, fruchtigen Weißweinen deutlich schwieriger zu erreichen ist.

Immer trockener

Milde Winter und heiße Sommer führen zu einem weiteren Problem: Trockenheit. Aufgrund seiner Lage im Regenschatten von Harz und Thüringer Wald ist das Saale-Unstrut-Gebiet seit jeher schon eine relativ regenarme Region. "Wir müssten halt den Thüringer Wald und den Harz wegsprengen, um in Sachsen-Anhalt bessere Bedingungen zu haben, aber ich vermute, es gibt Leute, die etwas dagegen haben", erklärt der Wetterexperte Jörg Kachelmann mit einem Augenzwinkern und fährt fort: "Es ist natürlich auch deswegen eine Weinbauregion hier entstanden, weil wenig Regen eben auch viel Sonne bedeutet." Fallen hier noch weniger Niederschläge, kann es schnell zu Dürreperioden kommen. Einige Winzer rüsten ihre Weinberge darum inzwischen mit Bewässerungsanlagen aus, um ihre Weinstöcke "dürrefest" zu machen.

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie es weitergeht, sagt Kachelmann:

Jörg Kachelmann
Jörg Kachelmann Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn das jetzt weiter so bliebe, also wenn wir in einer Situation sind, dass wir sehen, dass ist jetzt jedes Jahr so, dann sind wir sicher in einer neuen Zeit. Dann wäre das wirklich sozusagen ein Klimasommer. Bisher können wir das nicht mit Sicherheit sagen, weil diese zwei Jahre alleine nicht für diese Behauptung reichen. Deswegen werden sicher die nächsten Jahre entscheidend sein, ob eben die Hypothese, dass wir schon in dieser neuen Welt drin sind, korrekt ist, oder ob das vielleicht noch, was auch nicht undenkbar ist, noch ein natürlicher Ausreißer war, was wir 2018 und 2019 erlebt haben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 25. Februar 2020 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2020, 11:07 Uhr