Weinteichsenke soll bebaut werden Naturschützer sehen Auengebiet bei Markkleeberg gefährdet

Wenn irgendwo etwas Neues gebaut werden soll, dann sorgt das manchmal für Streit mit Naturschützern: Das war bei der A143 bei Halle so oder bei der A14-Verlängerung im Norden Sachsen-Anhalts. Auch die Dresdner Waldschlösschenbrücke ist ein solches Beispiel. Jetzt wird die Liste noch etwas länger. In Markkleeberg fürchten Anwohner und Umweltschützer um die sogenannte Weinteichsenke – und streiten sich mit der Stadt.

Blick über ein weites Feld, die sogenannte Weinteichsenke nahe Markkleeberg.
Ein Blick über die Weinteichsenke bei Markkleeberg. Bildrechte: MDR/Andre Seifert

Einen Namen hat er nicht, der kleine Bach, der durch die Weinteichsenke fließt. Dafür ist er wohl zu klein. Nur ein paar hundert Meter nördlich des Markkleeberger Sees schlängelt sich der Bach von Wachau durch Markkleeberg, durch Wiesen, Auen, landwirtschaftliche Felder und ein kleines Wäldchen, bis er in die Pleiße mündet.

Bürgerinitiative befürchtet Bauarbeiten mitten durch Senke

Links und rechts von ihm, in der etwa 80 Hektar großen Weinteichsenke, konnte sich die Natur weitestgehend behaupten, erklärt Anwohner Birk Engmann: "Die Weinteichsenke ist eine der letzten Pleißenbachauen im Süden von Leipzig. Und es ist ein Refugium für sehr viele Tier- und Pflanzenarten." Und ein weiterer ganz wichtiger Aspekt sei einfach die landschaftliche Schönheit.

Blick über ein weites Feld, die sogenannte Weinteichsenke nahe Markkleeberg.
Ein weiterer Teil der Weinteichsenke Bildrechte: Andre Seifert/MDR

Birk Engmann ist nicht nur Anwohner, sondern auch Mitglied einer Bürgerinitiative, die die Weinteichsenke, genauso wie sie jetzt ist, erhalten will. Doch nach einem Stadtratsbeschluss sieht die Initiative den Erhalt gefährdet.

Sie fürchtet, dass neue Häuser und eine Straße mitten durch die Senke gebaut werden könnten, sagt ein weiteres Mitglied der Bürgerinitiative, Nikolo Zwetkow. Dadurch könnte der Bach versiegen. Denn mehrere Quellen des Baches lägen auf diesem Bebauungsgebiet oder zumindest dort in der Nähe. "Abgesehen davon, dass natürlich diese Flächen der Landschaft als solche verloren gehen", sagt Zwetkow.

Bürgermeister: Markkleeberg wächst und braucht Baugebiete

Markkleeberg wächst rasant. Vor allem Leipziger, die es sich leisten können, zieht es in die seenreiche kleine Nachbarstadt im Süden. In den nächsten zehn Jahren könnte die Einwohnerzahl nach Angaben der Stadtverwaltung um 2.000 Einwohner steigen.

Bauland ist begehrt und wird immer teurer, sagt Oberbürgermeister Karsten Schütze von der SPD. Die Stadt stehe vor einem Spagat: Auf der einen Seite wolle sie Umwelt und Natur erhalten. Doch auf der anderen Seite, meint Schütze, brauche eine Stadt auch Entwicklungsraum.

"Also wenn ich jetzt beschließen würde, ich weise keine Wohngebiete mehr aus, dann ist eine Stadt alleine irgendwann nicht mehr lebensfähig, d.h. dann müssten wir uns Leipzig beispielsweise angliedern und eingemeinden lassen", meint der Oberbürgermeister.

Keine konkreten Baupläne, dafür ein Leitbild 2030

Die Stadt hat daher ein sogenanntes Leitbild 2030 ausgearbeitet, eine Zukunftsvision für Markkleeberg, die unter anderem grob umreißt, wo in den nächsten Jahren was gebaut werden könnte. Der Stadtrat hat das Leitbild beschlossen. Und tatsächlich – demnach könnte auch ein kleiner Teil der Weinteichsenke bebaut werden, erklärt OB Schütze. Vielleicht mit zehn, vielleicht mit 40 Häusern.

Konkrete Baupläne gebe es nicht, auch keinen konkreten Stadtratsbeschluss. Alles sei noch weit entfernte Zukunftsmusik. "Natürlich ist das ein wunderschönes, natürliches Areal", sagt Schütze. "Natürlich ist das ein schützenswerter Bereich. Und dann muss man sich die Frage stellen: Ändert daran jetzt etwas, wenn man dort einreihig bebaut? Das wird zu diskutieren sein, ja."

Doch genau das ist es, was die Bürgerinitiative auf die Palme bringt: Auch eine einreihige Bebauung – also eine einzelne Häuserzeile – ist ihrer Meinung nach zu viel. Sie kämpft weiter: Zurzeit verteilt sie Postkarten an Haushalte in Markkleeberg auf denen sie für den Erhalt der Weinteichsenke wirbt. Und außerdem will sie sich dafür einsetzen, dass die Senke zum Landschaftsschutzgebiet erklärt wird. Gelingt das, wäre eine Bebauung in Zukunft tabu.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Januar 2020 | 05:00 Uhr

1 Kommentar

Jan vor 17 Wochen

Ich bin der Meinung, dass ruhig auch mal die Natur Vorfahrt haben sollte. Der Mensch versiegelt in meinen Augen viel zu viele Flächen.