Symbolfoto: World Overshoot Day (Weltüberlastungstag)
Würden alle Menschen so leben wie die Deutschen, bräuchte es sogar drei Erden, sagen Umweltschützer. Bildrechte: dpa

Ressourcen verbraucht Erdüberlastungstag erstmals im Juli

Seit Montag lebt die Weltbevölkerung auf "Pump": Der Welterschöpfungstag markiert das Datum, an dem die natürlichen Ressourcen der Erde für das Jahr theoretisch verbraucht sind. Er fällt diesmal zum ersten Mal schon in den Juli.

Symbolfoto: World Overshoot Day (Weltüberlastungstag)
Würden alle Menschen so leben wie die Deutschen, bräuchte es sogar drei Erden, sagen Umweltschützer. Bildrechte: dpa

Die natürlichen Ressourcen der Erde sind für dieses Jahr rechnerisch verbraucht. Alles, was seit Montag konsumiert wird, kann die Erde nicht auf natürliche Weise erneuern. Nach Angaben der Organisation Global Footprint Network markiert der Welterschöpfungs- oder auch Erdüberlastungstag den Tag im Jahr, ab dem die Weltbevölkerung "auf Pump" lebt.

Berechnet wird Raubbau an Naturvorkommen

In die Berechnungen der Denkfabrik Global Footprint Network fließt zum Beispiel der Verbrauch von Holz, Acker- und Weideland sowie Fischgründen ein, außerdem die Waldflächen, die nötig wären, um den CO2-Ausstoß von Kraftwerken und Verkehr zu absorbieren und der Flächenverbrauch durch Städte und Straßen. Nicht berücksichtigt werden endliche Ressourcen wie Erdöl.

Nach Darstellung der Autoren der Studie macht der CO2-Ausstoß einen immer größeren und den am schnellsten wachsenden Anteil des menschlichen Einflusses auf die Erde aus; er belaufe sich auf mittlerweile 60 Prozent des sogenannten ökologischen Fußabdrucks. Doch auch die wachsende Weltbevölkerung und steigender Konsum trügen wesentlich dazu bei, dass die Substanz des Globus aufgezehrt werde.

Umweltforscher: Regenerationsfähigkeit der Erde wird überschätzt

Der Mitbegründer der Denkfabrik, Mathis Wackernagel, sagte MDR AKTUELL, die Regenerationsfähigkeit der Erde werde überschätzt. Die Menschen müssten begreifen, dass nachhaltiges Wirtschaften eine Notwendigkeit sei. Derzeit herrsche aber die Einstellung vor, Klimarettung sei etwas Nobles, das man nur Sonntag nachmittags mache. Wackernagel betonte, wenn der CO2-Ausstoß weltweit halbiert würde, was technisch bereits möglich sei, wäre der Erdüberlastungstag erst in 93 Tagen.

Lebensweise der Deutschen würde drei Erden brauchen

Die Weltbevölkerung beansprucht  die Ressourcen von 1,75 Erden. Würden alle Menschen so leben wie die Deutschen, bräuchte es sogar drei Erden, sagen Umweltschützer. Besonders kritisch sei hier der CO2-Ausstoß, vor allem durch Verkehr und Kohlekraftwerke. Seit 2009 sei der CO2-Ausstoß in Deutschland nicht gesunken. Auch die große Flächennutzung von Ackerland hier schlägt zu Buche.

Symbolfoto: World Overshoot Day (Weltüberlastungstag)
Mit großer Flächennutzung für Ackerland werden die natürlichen Ressourcen der Erde verbraucht. Bildrechte: dpa

"Statt ökologisch gegen die Wand zu fahren, wäre es für Deutschland von Vorteil, wenn sich seine Regierung für eine wesentlich ambitioniertere Energie-, Verkehrs- und Agrarpolitik stark machen und sich von der ressourcenintensiven und wachstumsbesessenen Wirtschaftsweise befreien würde", forderte Mathis Wackernagel vom Global Footprint Network.

Würden alle Menschen wie in den USA leben, würden sogar die Ressourcen von fünf Erden benötigt werden. China mit einem Bedarf von 2,2 Erden lebt hingegen etwas nachhaltiger als Deutschland.

Vertrocknete Sonnenblume auf einem Feld 44 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Vertrocknete Sonnenblume auf einem Feld 44 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erdüberlastungstag immer früher

Die Politik muss jetzt Entscheidungen fällen, um die systematische Zerstörung unseres Planeten zu beenden. Ansonsten werden wir 2050 auf einer kaputten Erde voller sozialer Konflikte leben.

Myriam Rapior, Bundesvorstand BUND Jugend

Im vergangenen Jahr fiel der Erdüberlastungstag noch auf den 1. August. Bisher rutschte er jedes Jahr etwas weiter nach vorn: 1987 war das "Erdkonto" nur leicht überzogen, damals lag der Wendepunkt auf dem 19. Dezember. 13 Jahre später, im Jahr 2000 fiel der Tag bereits auf den 23. September. Nun fällt der Tag erstmals schon in den Juli.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 29. Juli 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2019, 18:53 Uhr