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Am Donnerstag wird der Literaturnobelpreis verliehen. Doch wer hätte den Preis verdient? Hier gehen die Meinungen weit auseinander. Bildrechte: colourbox.com

Literaturnobelpreis Unterhaltungsliteratur hat kaum Chancen auf Nobelpreis

Am Donnerstag werden gleich zwei Literaturnobelpreise verliehen. Die schwedische Akademie hat sich dafür entschieden, nachdem die Auszeichnung nach einem Skandal im zuständigen Komitee im vergangenen Jahr nicht vergeben worden war. In der Fachwelt kursieren nun bereits jede Menge Namen, die als Favoriten gelten. Doch wer hätte den Preis verdient?

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

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Am Donnerstag wird der Literaturnobelpreis verliehen. Doch wer hätte den Preis verdient? Hier gehen die Meinungen weit auseinander. Bildrechte: colourbox.com

Wem würden Sie den Literaturnobelpreis geben? Eine Auszeichnung, die immerhin mit 800.000 Euro dotiert ist. Lieber einer sperrigen, völlig unbekannten Autorin? Oder eher einem viel gelesenen Popliteraten, der schon Millionen Menschen begeistert hat?

Popkulturelle Autoren sind bei Leipzigern beliebt

Komplizierte Frage, finden die Leute in der Leipziger Fußgängerzone. Von Ahnungslosigkeit bis hin zu klaren Vorstellungen, gehen die Meinungen weit auseinander. Es fallen auch Namen von sehr bekannten Autoren und Autorinnen.

Auf eine besondere Art und Weise hätte zum Beispiel Joanne K. Rowling, die Harry-Potter-Autorin, den Literaturnobelpreis sicher verdient, sagen viele. Oder auch andere Bestsellerautoren wie Game-Of-Thrones-Autor George R.R. Martin, genauso wie Stephen King oder Paulo Coelho.

Popularität ein wichtiges Kriterium

Doch sollte sich der Literaturnobelpreis an der Popularität der Autoren und Autorinnen orientieren? Auch hier sind sich die Leipziger relativ einig. Viele denken, das Argument, dass diese junge Leute zum Lesen bringen und schöne Kindheitserinnerungen schaffen, sei wichtig bei der Beurteilung, wer den Literaturnobelpreis verdient hätte. Für andere ist diese Einschätzung sehr subjektiv und sie sagen, der Preis solle sich nicht an Bestsellerlisten orientieren.

Fachwelt nimmt Abstand von populären Autoren

J. K. Rowling
Harry-Potter-Autorin Rowling hätte den Nobelpreis verdient, meinen viele - doch die Fachwelt nimmt davon Abstand. Bildrechte: dpa

Auch der bekannte Dresdner Autor Uwe Tellkamp - zuletzt mit seinen neurechten Äußerungen eher umstritten - outete sich vor Jahren als Harry-Potter-Fan. Seiner Meinung nach wäre der Nobelpreis bei J. K. Rowling gut aufgehoben.

Doch damit steht er als Mann vom Fach ziemlich alleine da. Die meisten Autoren oder Philologen würden die Auszeichnung eher einer ernsten Schriftstellerin beziehunsgweise einem ernsthaften Schriftsteller geben.

Das sagt auch der Leipziger Autor Clemens Meyer. Für ihn sei die literarische Qualität wichtig und die Nominierung auf Popularität auszurichten, würde ein falsches Signal senden, sagt er. "Denn die ganzen Medien, die ganze Filmlandschaft ist ja auf Popularität ausgerichtet. Quote, Quote, Quote."

Unterhaltungsliteratur hat keine Chance

Ob ernste oder unterhaltende Literatur, das ist auch für Thorsten Ahrend keine Frage. Der 59-Jährige ist Geschäftsführer des Literaturhaus Leipzig e.V. und zugleich die bestimmende Person des Wallstein-Verlags. Er sagt, Rowling, Martin und Co. hätten am Donnerstag in Stockholm keine Chance auf den Preis.

Falls doch, wäre es mutig von der schwedischen Akademie, meint Ahrend. Dass die Nominierten literarisch innovativ sein sollten, davon ist er überzeugt. Obwohl, wenn man überlege, wer den Preis alles nicht bekommen hat, könne man das auch wieder infrage stellen. Ahrend denkt da an Autoren wie Franz Kafka oder James Joyce.

Dennoch: "Diese literarische Innovationskraft oder auch die tiefe literarische Leistung im Sinne von Tiefsinnigkeit spielt sicher eine Rolle. Unterhaltungsliteratur ist eigentlich nicht ausgezeichnet worden und wenn nur aus Versehen."

Experten rechnen mit ernsteren Literaten

Die Fachwelt hat deshalb andere Namen auf dem Zettel: Die ewigen Anwärter wie den Japaner Haruki Murakami oder Ngugi wa Thiong'o aus Kenia. Aber auch die Kanadierin Margaret Atwood oder als Außenseiter den Ungarn Péter Nádas.

Viele erwarten auch, dass die Akademie die beide Preise paritätisch vergibt, also eine Frau und einen Mann auszeichnet. Dagegen rechnet kaum ein Experte damit, dass die Juroren einen jüngeren Autor berücksichtigen – denn das zehnköpfige Komitee ist mit einem Durchschnittsalter von rund 70 Jahren selbst schon ziemlich in die Jahre gekommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2019, 05:00 Uhr