Corona-Pandemie Große Konkurrenz im Rennen um einen Corona-Impfstoff

Weltweit tüfteln mehr als 100 Forscherteams an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Acht Projekte haben schon mit klinischen Studien begonnen. Ist so viel Wettbewerb und Konkurrenz überhaupt gut? Was passiert, wenn ein Forscher-Team das Rennen gewinnt? Werden wir alle profitieren?

Ärztin, der einen Impfstoff für einen Patienten vorbereitet
Mehr als 100 Forscherteams auf der ganzen Welt arbeiten an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus Sars-CoV-2. Bildrechte: imago images / Westend61

Mehr als 100 Forscherteams arbeiten derzeit an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus – von den USA über Deutschland, Südkorea bis Australien. Rolf Hömke, Forschungssprecher des Verbandes der forschenden Pharmaunternehmen, hält diese große Anzahl für bemerkenswert und notwendig im Kampf gegen die Pandemie:

"Es gab ja schon mal ein ähnliches Virus, Anfang der 2000er. Das Sars-Virus. Damals sind 22 Projekte für Impfstoffe angelaufen. Das hielten wir schon für viel", sagt Hömke.

Man braucht enorme Mengen an Impfdosen. Das bedeutet: Je mehr Unternehmen gleichzeitig produzieren können, umso mehr Dosen werden wir zeitig haben.

Rolf Hömke, Sprecher des Verbandes der forschenden Pharmaunternehmen

Unterschiedliche Lösungsansätze führen zum Erfolg

Ein Wettkampf zwischen den Ländern, wie es US-Präsident Donald Trump formuliert hat, sei das aber nicht, sagt Helga Rübsamen-Schaeff. Sie ist Unternehmerin, Virologin und als solche Expertin der Leopoldina. "Ich habe den Eindruck, dass die Wissenschaftler untereinander gut vernetzt sind und auch zusammenarbeiten, weil jeder weiß: Die Welt kann nur profitieren, wenn jedes Land auch geimpft werden kann", so die Virologin.

So sieht das auch Thomas Hesterkamp vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung: Es seien viele verschiedene Lösungsansätze und unterschiedliche Impfstofftechnologien nötig, sagt er. "Ich glaube aber auch, dass irgendwann genug Projekte gestartet sind und wir die Mittel auf ausgewählte Kandidatenimpfstoffe fokussieren müssen, um diese zu beschleunigen."

Wettbewerb um Fördergelder

Dabei spielen natürlich auch die in Aussicht gestellten 7,5 Milliarden Euro eine Rolle. Regierungen, Organisationen und Privatleute haben diese Summe jetzt für die Covid-19-Forschung zugesagt. Hesterkamp geht davon aus, dass im Hintergrund sehr viel um diese Mittel gekämpft wird. "Letztlich würde ich uns davon nicht ausnehmen", sagt der Forscher.

Melinda Gates, die mit ihrem Mann Bill die größte Privatstiftung der Welt verwaltet, hatte angemahnt, dass es bei einem Impfstoff nicht um den "Wettbewerb des höchsten Bieters" gehen könne und arme Länder am Ende leer ausgingen. Hesterkamp geht davon aus, dass Forscher, die Geld aus dem 7,5-Millarden-Topf bekommen, mit einem Impfstoff nicht machen dürfen, was sie wollen – zum Beispiel zu horrenden Preisen verkaufen. Wer öffentliche Fördergelder annehme, beuge sich auch der öffentlichen Hand und damit einhergehenden Vorgaben.

Gelder für Impfstoffe, Medikamente und Tests

Das Geld soll in drei Bereiche fließen: Impfstoffe, Medikamente und Tests. Des Weiteren soll explizit auf die spätere Verteilung der Impfung in aller Welt geachtet werden, sagt der Sprecher der Pharmaunternehmer, Rolf Hömke. "Für Impfstoffe soll das Geld an Gavi und Cepi gehen. Cepi ist eine Organisation, die dafür da ist, die Entwicklung von Impfstoffen zu fördern. Gavi kümmert sich um Impfstoffverteilung in der Welt."

Bedenken, dass ein Impfstoff nicht überall ankommt, hat er nicht – wann auch immer das Mittel gefunden wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Mai 2020 | 06:09 Uhr

4 Kommentare

CrizzleMyNizzle vor 23 Wochen

"Gemeinsam sind wir stark!
Zählt Alles nicht. Geld Geld ...
Es hört nie auf."
leider ist das so, Geld macht halt vieles möglich.
Klar wäre es schön wenn mehr nach Idealen gelebt wird, aber das ist Wunschdenken, so funktioniert die Menschheit nicht.

Peter vor 24 Wochen

"wer auch immer": Sie meinen die USA und Mr. Trump? Da könnten Sie recht haben.
"Melinda Gates, die mit ihrem Mann Bill die größte Privatstiftung der Welt verwaltet, hatte angemahnt, dass es bei einem Impfstoff nicht um den "Wettbewerb des höchsten Bieters" gehen könne und arme Länder am Ende leer ausgingen. Hesterkamp geht davon aus, dass Forscher, die Geld aus dem 7,5-Millarden-Topf bekommen, mit einem Impfstoff nicht machen dürfen, was sie wollen – zum Beispiel zu horrenden Preisen verkaufen. Wer öffentliche Fördergelder annehme, beuge sich auch der öffentlichen Hand und damit einhergehenden Vorgaben." Genau das ist der richtige Weg.

Magdeburg vor 24 Wochen

Wir hoffen das beste. Von Amerika erwarte ich natürlich nichts. Kapitalismus in seiner abartigsten Form.