Todesfälle durch Listerien Wilke-Wurst auch unter anderem Namen verkauft

Der Fall um keimbelaste Fleischwaren des hessischen Wurstherstellers Wilke weitet sich aus. Anders als von den Behörden dargestellt, wurde die Wurst auch unter anderem Namen verkauft, so vom Großhändler Metro. Auch wurde bekannt, dass in einer Klinik auch nach dem Rückruf Wilke-Wurst auf den Tisch kam.

Heruntergelassen Rolltore beim Fleischherstellers Wilke Wurstwaren. Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren muss der Hersteller die Produktion stoppen
Der hessische Fleischhersteller Wilke-Wurstwaren hat nach Todesfällen durch keimbelastete Waren Insolvenz angemeldet. Bildrechte: dpa

Entgegen der Darstellung von Behörden wurde Fleisch des wegen Keimen geschlossenen Wurstherstellers Wilke auch unter anderem Namen verkauft. Nach Angaben des Großhändlers Metro wurden Wilke-Produkte als Metro-Eigenmarken angeboten. Man habe alle Produkte der hessischen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH aus dem Sortiment genommen.

Inzwischen wurde auch bekannt, dass Wilke-Wurstwaren in allen Bundesländern verkauft wurden und an verschiedene Supermarktketten, darunter Kaufland. Produkte der Firma wurden weltweit zurückgerufen. Die Behörden warnten vor Wurstwaren mit der Kennzeichnung "DE EV 203 EG". Die Produkte seien auch in Kantinen verwendet und an Frischetheken verkauft worden.

Wilke meldet Insolvenz an

In Waren von Wilke waren mehrfach Listerien-Keime nachgewiesen worden. Behörden bringen zwei Todesfälle in Südhessen damit in Verbindung. Das Unternehmen meldete inzwischen Insolvenz an.

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg als Aufsichtsbehörde hatte am Mittwoch noch erklärt, es gebe keine Wilke-Waren unter anderem Namen. Daher sei keine Liste der Produkte für den Rückruf nötig.

Metro: Bei Eigenmarken keine Auffälligkeiten

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte publik gemacht, dass Wilke auch Fleisch und Wurst etwa an die Metro-Kette lieferte, die dort unter der Eigenmarke "Aro" vertrieben werde. Metro zufolge ist auch Aro-Salami-Pizza betroffen.

Der Großhändler betonte, auf eigene Initiative vor dem Rückruf alle Wilke-Produkte aus den Regalen genommen und die Kunden sofort informiert zu haben. Bei den Eigenmarken gebe es zusätzliche Stichproben. Dabei sei Wilke in den letzten Monaten nicht auffällig geworden.

Foodwatch sieht Behörden-Versagen

Foodwatch wirft den Behörden und dem nordhessischen Wurstproduzenten schwere Versäumnisse vor. Es sei inakzeptabel, dass keinerlei Angaben zu den Verkaufsstellen gemacht worden seien. Auch gebe es bislang keine Liste der betroffenen Produkte. Verbraucherinnen und Verbraucher könnten die Herkunft der Produkte nicht sicher nachvollziehen, kritisierte Foodwatch.

In Südhessen hatte es zwei Todesfälle bei älteren Personen gegeben. Mittlerweile ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Kassel wegen fahrlässiger Tötung. Es gebe einen Anfangsverdacht, sagte eine Sprecherin.

Uniklinik Köln tischte noch am Donnerstag Wilke-Wurst auf

Das Universitätsklinikum Köln räumte indes ein, dass Patienten noch nach dem Rückruf Wurst der Firma Wilke angeboten bekamen. Durch Fehler bei der Tochtergesellschaft UniReha sei am Donnerstag noch Wurst des Herstellers ausgegeben worden. Wie viele Reha-Patienten betroffen sind, blieb zunächst offen. Wilke hatte die Produktion am Dienstag eingestellt.

Listerien sind weit verbreitete Bakterien. Sie können bei Menschen und Tieren Infektionskrankheiten auslösen. Die Bakterien können sich in unhygienisch hergestellten Milch-, Fleisch- und Fischprodukten vermehren.

Meist verläuft die Krankheit bei Menschen harmlos, mit grippeähnlichen Symptomen. Menschen mit geschwächtem Immunsystem können aber schwer erkranken, etwa durch eine Hirnhautentzündung. Schwangeren droht eine Fehlgeburt.

Listerien sind nicht herauszuschmecken. Geraten wird, Fleisch und Fischgerichte immer durchzugaren.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Oktober 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2019, 20:53 Uhr

4 Kommentare

Sapere Aude vor 26 Wochen

unter anderen Namen (Umständen) Gammelfleisch und Ekelwurst mit Kennzeichnung "DE EV 203 EG". Die Produkte seien auch in Kantinen und bei Kaufland verwendet und an Frischetheken verkauft worden
BIO-Läden haben sowas hoffentlich nicht oder nur an AfD Anhänger*innen abgegeben

zenkimaus vor 26 Wochen

Weniger Chemie reinmachen. Auf Hygiene achten und den Preiskampf versuchen nicht mit zu machen. Ampel find ich gut. Ich nehme mich da nicht raus, wenn was billiger angeboten wird kaufe ich auch.

Atheist vor 26 Wochen

Also ich möchte heutzutage kein Lebensmittel Produzent sein.
Neben der ganzen Verantwortung soll das Produkt auch möglichst billig sein, alle Warnungen was Inhalt Herkunft ...muss auf die Verpackung, möglichst noch mit Piktogramm jetzt noch mal eine Ampel.