Ein Firmen-Lkw-Anhänger steht auf dem Werksgelände des nordhessischen Wurstherstellers Wilke
Wilke-Wurst war nicht nur dort drin, wo auch Wilke draufstand: Weitere Marken und Handelsprodukte sind betroffen. Bildrechte: dpa

Nach Todesfällen Liste mit betroffenen Wilke-Produkten veröffentlicht

Zwei Menschen starben möglicherweise durch Produkte der Firma Wilke Wurstwaren. Eine Liste zurückgerufener Produkte ist aber mittlerweile im Internet einsehbar. Unterdessen gibt es mögliche weitere Todesfälle.

Ein Firmen-Lkw-Anhänger steht auf dem Werksgelände des nordhessischen Wurstherstellers Wilke
Wilke-Wurst war nicht nur dort drin, wo auch Wilke draufstand: Weitere Marken und Handelsprodukte sind betroffen. Bildrechte: dpa

Die Firma Wilke Wurstwaren hat im Internet eine Liste mit mehr als 1.000 Produkten veröffentlicht, die Keime enthalten könnten. Auf der Liste stehen nicht nur Bockwurst, Leberkäse oder Schweinekrustenbraten. Auch vegetarische und vegane Angebote, Gemüseprodukte wie Spinat und Karotten sowie Brot im Schälchen sind aufgeführt:

Weiter keine Kundenliste

Dagegen fehlt weiter eine Kundenliste des nordhessischen Herstellers. Bisher sei keine solche Liste des Wurstherstellers herausgegeben worden, sagte der Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch, Martin Rücker, am Dienstag. Mittlerweile hat Foodwatch Eil-Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen den Landkreis Waldeck-Frankenberg beim Verwaltungsgericht Kassel eingereicht. Die Verbraucherschützer wollen die Behörden zur Herausgabe einer Liste mit Abnehmern der wegen der möglichen Keimbelastung zurückgerufenen Wilke-Produkte zwingen. "Aus unserer Sicht offen ist zudem, ob Wilke auch an die Lebensmittelindustrie zur Weiterverarbeitung geliefert hat“, sagte Rücker.

Betroffene Marken und Handelsnamen Haus am Eichfeld 
Metro Chef
Service Bund "Servisa"
CASA
Pickosta
Sander Gourmet
Rohloff Manufaktur
Schnittpunkt
Korbach
ARO
Findt
Domino
Wilke 

Auf seiner Internetseite schrieb das Ministerium am Montag, dass Wilke zwar am 2. Oktober eine Kundenliste vorgelegt habe. Die Liste enthalte aber nur direkte Kunden der Firma, bei denen es sich überwiegend um Wiederverkäufer handele. Einzelhandelsverkaufsstellen seinen dagegen nicht aufgelistet.

Waren von Wilke werden mit zwei Todesfällen in Südhessen und 37 weiteren Krankheitsfällen in Verbindung gebracht. Immer wieder wurden Listerien-Keime in Wilke-Produkten nachgewiesen. Die Keime können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sei.

Möglicherweise weitere Todesfälle

Inzwischen wurde zudem bekannt, dass Wilke-Produkte möglicherweise mit weiteren Erkrankungen in Verbindung stehen. Ein Sprecher des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes sagte, insgesamt seien drei Fälle bekannt, in denen ein Listerientyp nachgewiesen wurde, der mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem hessischen Wurstbetrieb steht. Zwei der drei Erkrankten sind demnach gestorben - einer von ihnen starb an einer anderen Erkrankung. Bei der zweiten Person habe nicht ermittelt werden können, ob die Listeriose-Erkrankung die Todesursache war. Zwei der Fälle sind im Frühjahr 2019 ermittelt worden, der andere Fall stammt aus dem Jahr 2018.

Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen ein

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Kassel ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer von Wilke eingeleitet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Oktober 2019 | 23:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2019, 16:39 Uhr

6 Kommentare

MaP vor 5 Wochen

Ich glaube, sie haben meine Antwort, v.a. die 2. Hälfte, die die Armen unseres Landes betrifft und den Teil zu Großküchen, nicht richtig gelesen.
Doch was ihre Meinung zum Fleischkonsum betrifft, liegen sie völlig falsch, denn der geht seit Jahren zurück. Und was machen die produzierenden Firmen? Nein, nicht wie sie es schlussfolgern möchten, dass da weniger produziert wird. Weit gefehlt, es wird exportiert was nur geht. Und zwar unter anderem in Größenordnungen nach China!
Also bitte nicht die Schuld für solche Schweinereien in produzierenden Betrieben den Verbrauchern in die Schuhe schieben.

Jan vor 5 Wochen

Ich habe nicht gesagt, dass sich jeder vegetarisch ernähren soll. Aber was in Deutschland an Fleisch verbraucht wird ist in meinen Augen absolut nicht normal. Da wird zudem überproduziert und Massen an Wurst und Fleisch weggeworfen. Fleisch ist viel zu billig. Und das geht auf Kosten des Tierwohls und der Qualität. Fleisch und Wurst sollte jeder, egal welchen sozialen Herkunft, weniger konsumieren. Es kann doch nicht sein, dass vegetarische Essen in vielen Gaststätten teurer ist als Speisen mit Fleisch. Da läuft doch irgendwas schief...... Finden Sie nicht auch?
Jeder sollte mal das Experiment machen und das Tier, was er essen will, auch zu töten, und anschließend zu verarbeiten. Vielleicht hat man dann ein anderes Bild darauf, achtet das Tier, die Arbeit und Aufwand der Fleischer und versteht, dass das auch Geld kostet.

MaP vor 5 Wochen

Aus jedem Menschen einen Vegetarier machen zu wollen ist Unsinn, der Mensch war und ist Allesesser. Das ist aber noch lange kein Freibrief für Lebensmittelhersteller, nur für den Maximalprofit jegliche Sicherheit, Sauberkeit und Hygiene außer acht zu lassen und damit die Gesundheit der Verbraucher zu gefährden. Wenn ordentlich und regelmäßig kontrolliert würde und Verstöße mit finanziellen Strafen geahndet und bekannt gemacht würden, käme es gar nicht zu so eklatanten Vorkommnissen. Hier versagt das staatliche Kontrollsystem. Warum wohl? Lobbyismus sicher ebenso wie finanzielle Gründe.
Ihr Vorwurf bzgl. der Geiz ist geil Mentalität ist eine Missachtung der wirtschaftlichen Lage sehr vieler Bürger dieses Landes. Und eine Verkennung der Realität generell. Oder glauben sie, Küchen der Gemeinschaftsverpflegung für Betriebe, Senioren, Kindereinrichtungen, Krankenhäuser, Gastronomie etc. kaufen nicht zu den günstigsten Preisen ein? Auch hier geht es um Wirtschaftlichkeit und Gewinn.