Ein Schild an einem Haus weist in der kleinen Gemeinde auf eine Arztpraxis hin.
Ärzte fehlen auf dem Land – das ist nichts Neues. Medizinische Versorgungszentren sollen dabei helfen, das Problem zu lösen. Bildrechte: dpa

Gesundheit Medizinische Versorgungszentren helfen kaum gegen Ärztemangel

Medizinische Versorgungszentren, bei denen Ärzte angestellt arbeiten können, sollen auf dem Land gegen den Ärztemangel helfen. In Sachsen wächst ihre Zahl auch stetig. Schließen können sie die Versorgungslücke aber kaum.

von Astrid Wulf, Landeskorrespondentin Sachsen MDR AKTUELL

Ein Schild an einem Haus weist in der kleinen Gemeinde auf eine Arztpraxis hin.
Ärzte fehlen auf dem Land – das ist nichts Neues. Medizinische Versorgungszentren sollen dabei helfen, das Problem zu lösen. Bildrechte: dpa

Wenn die Ärztin Katarina Varga von ihrer Arbeit erzählt, merkt man ihr die Begeisterung an. Bis zu 16 Stunden arbeite sie jeden Tag, sagt sie. Die Spezialistin für Innere Medizin leitet neben ihrer Arbeit als Ärztin ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), im südöstlichsten Zipfel Sachsens.

Zahl der MVZ wächst

In Seifhennersdorf direkt an der tschechischen Grenze hat Varga vier weitere Ärzte angestellt, darunter auch Hausärzte. Die zu finden, sei in der Region nicht einfach gewesen, erzählt die gebürtige Slowakin. Durch die Form eines MVZ könne das Team nun mehr Patienten versorgen.

Vor allem in Gebieten, wo eine Unterversorgung drohe, lohne sich ein MVZ. Varga ist froh, ihre Kollegen zu haben: "Man kann miteinander Fälle besprechen, jeder Kollege bringt auch einen anderen Blick mit, wenn man sich auf etwas anderes fachlich spezialisiert hat."

Die Zahl der Medizinischen Versorgungszentren wächst, fast 200 sind es mittlerweile in Sachsen. Als Modell, um ländliche Regionen – wie im Fall von Katarina Varga – zu versorgen, habe sich das MVZ aber nicht durchgesetzt, sagt Erik Bodendieck, der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer.

MVZ lösen nicht das Problem

Der Ärztemangel sei nach wie vor ein Problem. Bodendieck sagt: "Das habe ich bereits bei der Einführung der MVZ prognostiziert, wo gesagt wurde, die MVZ versorgen ländliche Regionen. Das ist nicht so und das wird auch so nicht eintreten." Es sei schwer, die jungen Kollegen, die lieber in den Großstädten arbeiten, in die ländlichen Regionen zu bringen, ergänzt Bodendieck.

Hinzu komme, dass auch MVZ eher im großstädtischen Raum gegründet werden und dass sie schwer rentabel zu führen seien, wenn sie nicht, wie etwa die Hälfte der MVZ, an ein Krankenhaus angebunden seien. Eine Klinik-Anbindung führe aber wiederum dazu, dass die Praxen aus kleinen Orten weggezogen würden, sagt Ärzte-Vertreter Bodendieck.

Ärzte arbeiten kürzer in MZV

Das wesentliche Problem für die Versorgung – auch auf dem Land – ist aber, dass die angestellten Ärzte in den Medizinischen Versorgungszentren kürzer arbeiten als niedergelassene Ärzte. Deshalb reduzierten sie nur in wenigen Fällen den Mangel an Ärzten, sagt auch Klaus Heckemann. Als Chef der Kassenärztlichen Vereinigung in Sachsen muss er genau im Blick haben, wo Ärzte gebraucht werden.

In der größeren Zahl sei diese Anstellungsmöglichkeit für die Summe der Versorgung also eher kontraproduktiv, folgert Heckemann.

Nachwuchs fehlt trotzdem

Da auch immer mehr Ärzte in Teilzeit arbeiten wollen, brauche man heutzutage insgesamt mehr von ihnen. Dessen ist sich auch die sächsische Gesundheitsministerin Barbara Klepsch bewusst.

Eins ist ihr aber wichtiger als die Diskussion, in welche Versorgungsform der Arzt letztendlich gehe: "Wir brauchen die Medizinstudenten, die dann nach Abschluss ihres Studiums im Freistaat Sachsen bleiben; die hier entweder als niedergelassener Arzt oder eben auch in einem angestellten Verhältnis ihre Tätigkeit aufnehmen." Sie hofft, dass junge Ärzte auch über die Arbeit im Medizinischen Versorgungszentrum den Weg zur eigenen Praxis finden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. November 2019 | 06:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. November 2019, 06:53 Uhr

1 Kommentar

faultier vor 3 Wochen

Ganz einfache Lösung ,den Numrus Klausus für die abschaffen welche aufs Land
gehen und sich dort als Arzt niederlassen.