Ein Mann arbeitet in einer Holzwerkstatt mit einem Handhobel.
Viele alte Meister haben eines gemein: ihr Handwerk wird immer seltener. Bildrechte: dpa

Zunft mit Zukunft? Wie traditionelle Handwerker ums Überleben kämpfen

Es gibt sie noch, auch wenn sie mittlerweile als ausgestorben gelten. Meister, die auf traditionelle Art und Weise ihrem Handwerk nachgehen. Wir stellen vier Betriebe vor, die es geschafft haben, für sich eine Nische zu finden.

Ein Mann arbeitet in einer Holzwerkstatt mit einem Handhobel.
Viele alte Meister haben eines gemein: ihr Handwerk wird immer seltener. Bildrechte: dpa

Altes Handwerk heute

Metalldrücker, Instrumentenbauer oder Mühlenbauer. Berufe, die vor vielen Jahrzehnten noch alltäglich waren, werden immer seltener. Die noch bestehenden Betriebe haben alle Hände voll zu tun, ihre Tradition zu erhalten und den Spezialanforderungen gerecht zu werden.

Produkte werden meist auf Bestellung gefertigt oder Dienstleistungen auf Nachfrage erbracht. Das Handwerk steht der Industrie mit der Massenproduktion gegenüber. Dem Handwerk fehlen Fachkräfte. Oft ist das traditionelle Handwerk auf Restaurierung ausgerichtet oder baut historisches nach.


Metalldrücker in dritter Generation

Metalldrücker
Metalldrücker Karl-Heinz Schmidt aus Erfurt bei der Arbeit. Bildrechte: MDR/Claudia Sachsenröder

Die Metalldrückerei Schmidt aus Erfurt besteht seit 50 Jahren und ist heute ein Handwerks- und Familienbetrieb in dritter Generation. Das Metalldrücken ist ein Verfahren der Metallumformung. Mit dieser Technik werden Blechrondelle aus Metall hergestellt. Früher entstanden so Bratpfannen, Kochtöpfe, Milchkannen, Herdplatten für Küchenöfen und Lampenschirme in allen Größen und Formen für den täglichen Bedarf. 

Vom Blech zur Pfanne So entsteht eine Kupferpfanne

Karl-Heinz Schmidt zeigt, wie viel Arbeit in der Herstellung einer Kupferpfanne steckt.

Ein glänzendes Kupferblech
Ein einfaches Stück Kupferblech wird zuerst zurechtgeschnitten. Aus einem runden Blech entsteht eine runde Pfanne. Bildrechte: MDR/Claudia Sachsenröder
Ein glänzendes Kupferblech
Ein einfaches Stück Kupferblech wird zuerst zurechtgeschnitten. Aus einem runden Blech entsteht eine runde Pfanne. Bildrechte: MDR/Claudia Sachsenröder
Ein Kupferblech in einem Schraubstock
Das Blech wird in der Maschine eingespannt. Bildrechte: MDR/Claudia Sachsenröder
Eine Drehmaschine
Nun kann der Meister mit der Arbeit beginnen und das Blech mit Hilfe eines Werkzeuges durch drücken und drehen formen. Bildrechte: MDR/Claudia Sachsenröder
Ein Mann hält ein getriebenes Kupferblech in der Hand
Das sieht einer Pfanne doch schon sehr ähnlich. Bildrechte: MDR/Claudia Sachsenröder
Metall wird mit einem Gasbrenner erhizt
Fehlt nur noch der Griff. Dieser wurde seperat gefertigt und nun an die Pfanne angebracht. Bildrechte: MDR/Claudia Sachsenröder
Eine Kupferpfanne in der Produktion
Noch nicht ganz fertig, aber schon eindeutig. Mit lebensmittelechtem Streuzinn und Hanfwolle wird nun die Pfanne noch tauglich für die sorgenfreie Benutzung gemacht. Bildrechte: MDR/Claudia Sachsenröder
Eine Kupferpfanne
Und das ist das Ergebnis. So schön wie ein Schmuckstück und doch so praktisch das man gleich ein Ei reinhauen möchte! Bildrechte: MDR/Claudia Sachsenröder
Alle (7) Bilder anzeigen
Ein glänzendes Kupferblech
Ein einfaches Stück Kupferblech wird zuerst zurechtgeschnitten. Aus einem runden Blech entsteht eine runde Pfanne. Bildrechte: MDR/Claudia Sachsenröder

Heute kommen die Kunden mit ganz individuellen Wünschen. Angefangen von Kronleuchtern, Feuerzangenbowlen, Wetterfahnen oder Kupferpfannen. Alles aus einer Hand mit viel Liebe zum Detail.


Wenn das Handwerk Musik macht

Cembalobauer
Cembalobauer Martin Schwabe aus Leipzig. Bildrechte: MDR/Claudia Sachsenröder

Martin Schwabe ist Instrumentenbauer. Der Leipziger hat sich spezialisiert auf historische Tasteninstrumente wie Cembali, Spinette und Virginale. Sein Handwerk verlangt ihm viel Wissen und Leidenschaft ab. Um die vier Instrumente baut er im Jahr. Mal für Musikschulen, mal für Konzertsäle oder für private Kundschaft.

Das Cembalo ist ein historisches Tasteninstrument, das aber Anfang des 20. Jahrhunderts wieder in Mode gekommen ist. Der Tonumfang ist kleiner als beim modernen Klavier und unterscheidet sich auch in der Tonerzeugung und Bauweise. Anfangs sehr beliebt, wurde dieses Instrument aber bald vom Klavier abgelöst. Bei einem Cembalo werden die Seiten nicht angeschlagen wie bei einem Klavier, sondern gezupft.


Das Holzfass feiert sein Comeback

Das klassische Böttcherhandwerk in Dresden gibt es seit 1889 und befindet sich mittlerweile in der siebenten Generation. Rainer Götze und Jost Arnhold gehören in Sachsen zu den letzten ihrer Zunft. An den Arbeitsschritten von damals hat sich bis heute nichts geändert. Bei der Herstellung von Fässern für Wein- und Spirituosenherstellung, Holzbadewannen und Holzpflanzkübel werden traditionelle Handwerksarbeit und moderne Verarbeitungstechnologie verknüpft. Nach wie vor werden die Dauben mit Muskelkraft zusammengezogen und in die Eisenringe geschlagen. Erst am Ende erledigt eine Maschine den letzten Druck.


Er lässt Mühlen wieder klappern

Mühlenbauer Gottfried Schumann
Mühlenbauer Gottfried Schumann mit Geselle Tom. Bildrechte: MDR/Annett Reeder

Während bis Anfang der 60er-Jahre noch in vielen Orten das Mehl in Mühlen gemahlen wurde, kam mit der DDR-Planwirtschaft das große Mühlensterben. Gottfried Schumann ist wohl der letzte Mühlenbauer in Sachsen. Sein Betrieb wurde 1878 von Urgroßvater Ernst August gegründet und besteht heute in vierter Generation. Die Firma ist auf die Restaurierung und den Nachbau historischer Mühlen und Wasserräder spezialisiert. 

Schumanns Vater konnte seinen Beruf noch in einer Dresdner Mühlenbauerschule erlernen. Das Handwerk ist inzwischen so selten, dass es dafür keine Ausbildung mehr gibt. Der Betrieb musste später auf Metallbau umstellen. Mühlen wurden nur noch nebenbei rekonstruiert. Heute ist der Betrieb der Schumanns wieder rentabel. Dank staatlicher Förderung konnte das Unternehmen viele technische Denkmäler, wie den Dorfchemnitzer Eisenhammer liebevoll restaurieren. Bei der jährlichen Wartung legt der Meister immer noch selbst Hand an.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 03.06.-06.06.2019 | 16:00 Uhr

Weitere Wochenserien

Zuletzt aktualisiert: 06. Juni 2019, 16:27 Uhr