Geleaktes Dokument Behördenbericht legt Hygiene-Mängel bei Wurstfirma Wilke offen

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat einen internen Bericht des hessischen Regierungspräsidiums veröffentlicht, der die Produktionsbedingungen bei Wilke offenlegt. Die Rede ist von Mäusekot und Verwesungsgeruch.

Wilke-Logo
Logo des inzwischen dicht gemachten Wurstherstellers Wilke Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Verbraucherorganisation "Foodwatch" wirft den hessischen Behörden im Umgang mit der keimbelasteten Wurst von Hersteller Wilke zu spätes Eingreifen und Fehlentscheidungen vor.

Geleaktes Dokument vom Regierungspräsidium

Ihre Kritik stützt die Organisation auf einen Prüfbericht der zuständigen Task Force Lebensmittelsicherheit des Regierungspräsidiums Darmstadt. Im Bericht geht es um eine Betriebskontrolle bei Wilke am 2. Oktober im nordhessischen Twistetal-Berndorf – einen Tag, nachdem der Betrieb auf Weisung des zuständigen Kreises dicht gemacht wurde.

In der Wilke-Wurst waren wiederholt Listerien-Keime gefunden worden. Diese können bei einem geschwächten Immunsystem lebensgefährlich sein. Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind drei Todesfälle und insgesamt mindestens 37 Erkrankungsfälle aus den Jahren 2014, 2016, 2017, 2018 und 2019 demselben Listeriose-Ausbruch zuzuordnen.

Wörtlich heißt es im Bericht:

Der Betrieb bietet in dem anlässlich der Kontrolle vom 2. Oktober 2019 vorgefundenem Zustand ideale Bedingungen für eine persistierende Ansiedlung, Vermehrung und Verbreitung von Listerien. Eine singuläre, punktuelle Listerienquelle existiert nicht. Vielmehr muss der gesamte Produktionsbereich als großflächig kontaminiert angesehen werden.

An anderer Stelle ist im Bericht von einem Kühlraum mit Mäusekot die Rede, in dem Naturdärme zum Verzehr auch offen gelagert worden seien. In einem Aufzug, in dem auch Wurst und  Fleisch offen transportiert worden seien, habe "Verwesungsgeruch" gehangen. Ein Foto zeigt zudem Schimmel an der Decke eines Gewürzlagers.

Foodwatch kritisiert Behörden

Foodwatch kritisiert, dass es schon viel früher mehrfach zu einem öffentlichen Rückruf von Wilke-Produkten hätte kommen müssen. Die hessischen Behörden hätten es versäumt, die Menschen zu schützen.

Ministerium verteidigt sich

Vom hessischen Verbraucherschutzministerium hieß es am Montag, man habe erst durch den Bericht von den Mängeln im Betrieb erfahren. Man arbeite weiter mit Hochdruck an der Aufklärung. Der Bericht sei auch der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt worden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Oktober 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2019, 20:22 Uhr

1 Kommentar

kennemich vor 22 Wochen

Na kann schon mal geschehen, wir müssen es den Käufern nur schmackhaft machen.

Man sieht es doch wie die Politiker so gute Gesetze vorschreiben ( Ampel oder wie es auch heißen mag ) und wir dürfen dann so einige gute Pillen für die Gesundheit schlucken !