Bewertungsportal Yelp darf Algorithmus für Gesamtbewertungen nutzen

In die Gesamtnote vom Bewertungsportal Yelp, die für Restaurants und andere Läden vergeben wird, fließen nicht alle Nutzerbewertungen ein, sondern nur solche, die das Unternehmen mit Hilfe eines Algorithmus als "empfohlen" einstuft. Der Bundesgerichtshof urteilte: Das ist erlaubt.

Eine Frau steht im Fitnessstudio und hält ein Handy mit dem Logo von Yelp in der Hand.
Klägerin Renate Holland wollte erreichen, dass alle Bewertungen ihrer Fitnessstudios in ihre Gesamtnote bei Yelp einbezogen werden. Bildrechte: dpa

Das Onlinebewertungsportal Yelp darf seine in Sternen ausgedrückte Gesamtbewertung von Unternehmen mit Hilfe eines Algorithmus erstellen. Damit fließen nur ausgewählte Rezensionen in die Note ein und nicht alle. Das entschied der Bundesgerichtshof.

Klägerin: trotz positiver Bewertungen schlechte Gesamtnote

Geklagt hatte die frühere Bodybuilding-Weltmeisterin Renate Holland. Sie betreibt im Raum München mehrere Fitnessstudios und sah ihre Yelp-Bewertungen als unfair an. Als Gesamtbewertung hatte sie nur zwei bzw. drei Sterne erhalten. Grundlage dafür waren nur wenige Einzelbewertungen, die von Yelp als "empfohlen" eingestuft wurden.

Die meisten Bewertungen, die positiv gewesen seien, seien bei der Gesamtnote nicht mit berücksichtigt, sondern von einem Algorithmus aussortiert worden, kritisierte die Klägerin. Das ist nach ihrer Ansicht geschäftsschädigend und rechtswidrig.

Wenn die guten Bewertungen die schlechten überwiegen, dann kommt ja ein sehr gutes Ergebnis heraus und ich finde, das muss das einfach widerspiegeln.

Renate Holland, Fitnessstudiobetreiberin

Yelp: Gefälschte Bewertungen herausfiltern

Yelp sah das Bewertungsverfahren als legitim an. Es gehe darum, gefälschte Bewertungen herauszufiltern. Rezensionen, die bestimmte Kriterien nicht erfüllten, würden deswegen mit Hilfe eines Algorithmus aussortiert werden, erklärte der Rechtsanwalt der Portals.

Alle Bewertungen – auch die, die nicht in die Gesamtnote einbezogen werden – können aber eingesehen werden. Wie der Algorithmus der Seite genau funktioniert, will Yelp nicht preisgeben – damit auf dieser Grundlage nicht manipulierte Bewertungen geschrieben werden könnten, die nicht erkannt würden.

BGH: Berufs- und Meinungsfreiheit

Das Oberlandesgericht München hatte in vorheriger Instanz der Klägerin Recht gegeben, mit der Begründung dass ein automatisches Aussortieren bestimmter Bewertungen zu einem verzerrten Gesamtbild führten und dem Wesen eines neutralen Bewertungsportals widerspreche. Der Bundesgerichtshof urteilte nun zugunsten von Yelp. Die rechtlich geschützten Interessen der Klägerin überwiegen nach Überzeugung des BGH-Senats nicht die schutzwürdigen Belange von Yelp.

Die Einstufung von Bewertung in "empfohlen" und "nicht empfohlen" sei durch die Berufs- und Meinungsfreiheit geschützt. "Ein Gewerbetreibender muss Kritik an seinen Leistungen und die öffentliche Erörterung geäußerter Kritik grundsätzlich hinnehmen", sagte der Vorsitzende Richter.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Januar 2020 | 06:12 Uhr

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