Corona-Falschmeldungen Youtube löscht Tausende Fake News

Auch auf Youtube sind jede Menge Fake News zum neuen Coronavirus unterwegs. Die Videoplattform priorisiert deshalb bei Corona-Suchen offizielle Quellen und hat eine Infoplattform ins Netz gestellt. Doch sie hat auch schon viele Videos gelöscht - nach welchen Kriterien, das lesen Sie hier.

YouTube-Logo und Mauszeiger auf einem Bildschirm.
Youtube löscht Corona-Fake-News Videos. Bildrechte: imago images / photothek / Florian Gärtner

Egal ob auf Twitter, Facebook oder Youtube – wer eine der großen Social-Media-Plattformen nutzt, wird dieser Tage meist mit Informationen zu Corona oder Covid-19 begrüßt. Youtube zum Beispiel blendet gleich nach seinen Empfehlungen Videos zu Covid-19 ein. Außerdem entfernt die Plattform Falschmeldungen zu Corona. "Wir haben bereits Tausende von Videos, die irreführende oder gefährliche Inhalte zum Coronavirus verbreitet haben, überprüft und entfernt", sagte ein Youtube-Sprecher MDR AKTUELL.

Zugleich wird die Sichtbarkeit relevanter Inhalte aus glaubwürdigen Quellen erhöht, wie der Sprecher sagte, und es werden Informationstafeln der WHO oder deutscher Behörden angezeigt. Der Inhalt dieses sogenannten Covid-19-"News-Shelfs" werde "algorithmisch generiert, wobei Hunderte von Signalen verwendet werden, einschließlich der Relevanz für Covid-19 sowie der Aktualität und Region." 

Google und Youtube mit Covid-19-Nachrichtenseite

Konkret heißt das: Eine Covid-19- oder Corona-Suche auf Youtube führt derzeit zuallererst zu einem babyblauen Teaser. Dieser enthält einen Link zur Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und zu einer Google-Bündelseite zum Thema Sars-CoV-2. Darunter erscheinen Video-Inhalte von Nachrichtenanbietern und Youtubern zum Thema.

Eine wichtige Voraussetzung für die angezeigten Videos: "Alle Seiten müssen die Richtlinien für Google-News-Inhalte einhalten", sagt der Youtube-Sprecher. Und: Sie müssen die Richtlinien einhalten, die Youtube für Videos und Posts zum Thema Covid-19 aufgestellt haben. "Seit Entwickeln der Coronakrise haben wir eng mit der WHO und lokalen Gesundheitsbehörden zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass unsere Richtlinien die Verbreitung schädlicher Inhalte wirksam verhindern."

Folgende Inhalte verstoßen gegen die Youtube-Richtlinien:

  • Inhalte, die jemanden davon abhalten, medizinische Behandlung zu suchen
  • Inhalte, die medizinisch nicht fundierte Methoden zur Verhinderung schwerer Krankheiten anstelle medizinischer Behandlung empfehlen
  • Inhalte, die die Wirksamkeit der Leitlinien der WHO oder der jeweiligen Gesundheitsbehörde ausdrücklich bestreiten, was dazu führen könnte, dass Menschen gegen diese Leitlinien verstoßen, z. B. Leitlinien zu sozialer Distanzierung und Selbstisolation
  • Inhalte, die behaupten, dass das Coronavirus nicht existiere
  • Inhalte, die medizinisch unbegründete diagnostische Hinweise für Covid-19 enthalten
  • Inhalte, die die Existenz oder Übertragung von Covid-19, wie von der WHO und den örtlichen Gesundheitsbehörden beschrieben, bestreiten

Werden solche Inhalte gemeldet, werden sie dem Sprecher zufolge zügig gelöscht.

Youtube bündelt und löscht

Youtube also fährt mehrgleisig, um seine monatlich rund zwei Milliarden User vor problematischen Inhalten und vor Corona schützen: Die Plattform bündelt nützliche Informationen und platziert sie prominent, priorisiert Behördeninformationen, blendet Informationstafeln der Behörden ein und löscht zugleich schädliche Inhalte.

"Da sich die Berichterstattung in den Medien momentan überschlägt, ist es ist für die Bevölkerung wichtiger denn je, auf vertrauenswürdige Inhalte zugreifen zu können und wir werden unseren Nutzern auf Youtube auch weiterhin akkurate Informationen liefern" schreibt Youtube-Chefin Susan Wojcicki in ihrem "Coronavirus-Update" am 11. März.

Zunächst keine Werbung auf Corona-Videos

Dennoch hat auch die Plattform selbst in diesen bewegten Zeiten für Verwirrung gesorgt – und zwar unter den Youtubern selbst: Sie hatte die Pandemie als "sensibles Ereignis" eingestuft. Damit kann auf Videos mit dem Coronavirus als Hauptinhalt keine Werbung geschaltet werden, der "Creator", der Youtuber, verdient nichts. Zunächst ein richtiger Schritt, glaubt Pascal Jürgens, Wissenschaftler und Social-Media-Experte an der Universität Mainz. In den USA hätten Fake-News-Kanäle auf Youtube viel Geld mit ihren Inhalten gemacht. Mit der Demonetarisierung falle dieser Anreiz weg.

Doch betroffen sind auch Kanäle, die keine Fake News verbreiten. Youtube will hier nachsteuern: Inzwischen sei das Coronavirus aus der Kommunikation nicht mehr wegzudenken, schreibt Wojcicki. Einer begrenzten Anzahl von Kanälen – darunter solchen, die eine korrekte Selbstzertifizierung vorlegen – oder Youtube-Nachrichtenpartnern sollen demnach solche Anzeigen erlaubt werden. Eine weitere Ausweitung in den kommenden Wochen wurde in Aussicht gestellt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 06. Mai 2020 | 20:15 Uhr