Symbolfoto zum Thema Armut in Deutschland : Eine Frau in einer Unterfuehrung an einer Plattenbau-Siedlung in Halle-Neustadt
Mieterhöhungen treiben viele Rentner in die Schuldenfalle. Die Zahl der verschuldeten Rentner jedenfalls steigt. Bildrechte: IMAGO

Altersarmut Zahl verschuldeter Rentner steigt

Fast jeder fünfte 30-Jährige ist verschuldet. Laut aktuellem "SchuldnerAtlas" der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ist die Zahl junger Schuldner im Vergleich zum Vorjahr jedoch gesunken. Bei älteren Menschen hingegen steigt sie: Waren 2018 noch zwei Prozent der Über-70-Jährigen verschuldet, sind es dieses Jahr schon drei Prozent. Was muss geschehen, damit nicht noch mehr Rentner in die Schuldenfalle tappen?

von Grit Bobe, MDR AKTUELL

Symbolfoto zum Thema Armut in Deutschland : Eine Frau in einer Unterfuehrung an einer Plattenbau-Siedlung in Halle-Neustadt
Mieterhöhungen treiben viele Rentner in die Schuldenfalle. Die Zahl der verschuldeten Rentner jedenfalls steigt. Bildrechte: IMAGO

Cornelia Hansel sitzt in ihrem Büro bei der Verbraucherzentrale Sachsen. Hansel ist Insolvenz- und Schuldnerberaterin. Jede Woche spricht sie mit 30 bis 40 Menschen, die Gefahr laufen, in die Schuldenfalle zu geraten oder längst in ihr festsitzen. Mit jungen wie alten Menschen. Eine stärkere Nachfrage von Senioren habe sie zwar nicht festgestellt, aber: "Wenn ältere Menschen zu uns kommen, kommen die oft erst, wenn es gar nicht mehr geht."

Ältere hätten zudem eine andere Beziehung zu Schulden, erklärt Hansel: "Da ist noch eine andere Mentalität, eine andere Erziehung dahinter." So hätten Rentner ein großes Bestreben, die Rechnungen für Leistungen, die sie in Anspruch genommen hätten, auch abzuzahlen.

Mieterhöhungen bringen Rentner in Bedrängnis

Doch das klappe eben nicht immer. Bei jüngeren Menschen könne Armut eine vorübergehende Lebensphase sein. Ein neuer Job, eine neue Ausbildung brächten Chancen, sich aus der schwierigen Situation herauszuarbeiten. Ältere Menschen hätten weniger Möglichkeiten, wieder auf den grünen Zweig zu kommen.

Ein Rentner ist mit einem Rollator in Potsdam unterwegs.
Junge Menschen können sich durch Arbeit leichter aus der Schuldenfalle befreien, als ältere, die kaum Möglichkeiten haben. Bildrechte: dpa

Weitere Gründe seien die vielen gebrochenen Erwerbsbiographien und der Anstieg der Mieten: "Ein alter Mensch hat eben den Wunsch, in der gewohnten Umgebung zu bleiben. Da ist oft die Entscheidung: Dann muss ich eben die 30 Euro Mieterhöhung zahlen."

Dazu komme, dass Senioren nur selten den Versorger wechselten - obwohl sie dabei Geld sparen könnten. Zum Beispiel ein Stromanbieterwechsel: Ältere sind laut Hansel häufig nach wie vor bei den Stadtwerken und da treue Kunden. "Wenn man denen vorschlägt, ihr könnt doch woanders hingehen - das ist für die undenkbar."

Bisher nur die Spitze des Eisbergs

Michael Richter sieht die Entwicklung mit großer Sorge. Der Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Sachsen sagte MDR AKTUELL, man mahne seit vielen Jahren schon vor wachsender Altersarmut:

Das ist ja noch lange nicht das Ende, sondern erst die Spitze des Eisbergs, denn die gesetzliche Rente reicht seit langem nicht mehr aus für die Kosten, die in der Gesellschaft entstehen.

Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Sachsen

Die unterbrochenen Erwerbsbiographien der letzten Jahre und die geringen Einkommen werden das in Zukunft noch weiter verschärfen, sagt Richter und ergänzt, dass damit eine riesige Welle auf uns zukommen werde.

Doch was hilft? Die Antwort sei zunächst ganz einfach, sagt Richter. Gegen Armut helfe mehr Geld. Die Renten müssten steigen. Da führe kein Weg dran vorbei.

Schuldnerberatung besser aufstellen

Wichtig sind laut Richter zudem soziale Kontakte, damit Schulden nicht zur Vereinsamung führten: "Wir müssen schauen, dass die Menschen sich beraten lassen können. Dass Beratungsangebote auch erreichbar sind für ältere Leute, dass nicht alles nur über Smartphones läuft, sondern es Beratungsstellen vor Ort gibt."

Die Beratungsangebote, die da seien, müssten besser vernetzt werden. Das fordert Richter von der Landespolitik. Schuldnerberatungsstellen müssten langfristig finanziert werden. Sie leisteten einen wichtigen Beitrag. Dass die Verzahnung mit dem Verbraucherschutz und mit der Verbraucherinsolvenzberatung noch besser funktioniert, da "können wir ganz konkret was anpacken in den nächsten Jahren", ist Richter zuversichtlich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. November 2019 | 05:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. November 2019, 13:18 Uhr

42 Kommentare

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 3 Wochen

"Sie sind wieder mal schlecht informiert."
was soll das, wieder? Gehts noch?

"Das neue Wohngeldgesetz ... wurde am 08.11.2019 auch vom Bundesrat (d.h. den Ländern) gebilligt."
wenn dem so ist, dann habe ich es nicht mitbekommen und bedanke mich für den Hinweis.
Allerdings bin ich AN und habe nicht den ganzen Tag Zeit, so wie manche Selbständige von der SPD!!! ALLES zu lesen.

"Wie ich immer sage: Erst informieren, dann schreiben."
jetzt komme mal wieder runter von deiner ekelhaften arroganten herablassenden Art!!

Das der MDR das veröffentlicht ist eine Schande!!!

kennemich vor 3 Wochen

Wie auch im Internet zu lesen war und noch ist, hätten die Renten in 2020 um 5% steigen können durch einen Sondereffekt nur hat wieder mal die Politik in das System eingeriffen, weil sonst die Renten in 2021 nicht so angestiegen wären.

kennemich vor 3 Wochen

Wenn dann mußt du auch sagen oder schreiben, wieviel der bis 30 oder 40jährigen die gewählt haben.

Es sollen ja auch sehr viele sein, wie man bei der Wählerwanderung wenn es die ARD in den Wahlsendungen brachte zu sehen war.