Demonstration für das Recht auf Abtreibung.
Mein Körper, meine Entscheidung: Frauen demonstrieren gegen strenge Abtreibungsgesetze. Bildrechte: IMAGO

Internationales Recht Abtreibungsgesetze: Zwischen Lockerung und Verschärfung

In Deutschland sorgt der Paragraf 219a auch nach seiner Lockerung immer wieder für Diskussionen über das Abtreibungsrecht. Auch in anderen Teilen der Welt ist das Thema umstritten: Während Island seine Gesetze lockert, gelten in Norwegen strengere Regelungen. In den USA soll sogar ein Gesetz von 1973 gekippt werden.

Demonstration für das Recht auf Abtreibung.
Mein Körper, meine Entscheidung: Frauen demonstrieren gegen strenge Abtreibungsgesetze. Bildrechte: IMAGO

Das Werbeverbot für Abtreibungen ist reformiert worden, trotzdem kocht die Debatte über die Abtreibungsgesetze in Deutschland immer wieder hoch. Grundsätzlich sind Abtreibungen bis zur 13. Schwangerschaftswoche möglich, wenn sich die Betroffene vorher beraten lassen hat. Wenn das Leben oder die Gesundheit einer Schwangeren in Gefahr sind, kann sie bis zur 22. Woche abbrechen. Auch andere Länder überdenken ihre Abtreibungsgesetze - viele wollen sie sogar verschärfen. Ein Überblick.

Polen

Polen, Warschau: Demonstranten halten ein Banner bei einem Protest gegen die Verschärfung des Abtreibungsgesetzes
Polen demonstrieren in Warschau gegen die Verschärfung des Abtreibungsgesetzes. Bildrechte: dpa

Das polnische Abtreibungsrecht zählt zu den strengsten in Europa. Frauen können eine Schwangerschaft nur abbrechen, wenn sie vergewaltigt wurden, ihr Leben in Gefahr ist oder das Kind eine schwere Behinderung hat. Den letzten Punkt wollen Abtreibungsgegner auch noch verbieten lassen. Eine entsprechende Gesetzesinitiative wird debattiert.

Umfragen zufolge sind die meisten Polen aber für eine Lockerung der Gesetze. Die regierende Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) gilt als Befürworterin strengerer Abtreibungsgesetze.

Norwegen

Eine Mehrheit des norwegischen Parlaments hat sich Mitte Juni für eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes ausgesprochen. Frauen, die Mehrlinge erwarten, sollen demnach künftig nicht mehr ohne guten Grund einen Fötus oder mehrere Föten entfernen lassen können. Dem Gesetzentwurf zufolge soll dann ein Gremium darüber entscheiden, ob die Abtreibung erlaubt ist. Die angepeilte Änderung war ein Zugeständnis der liberal-konservativen Regierungsparteien an ihren neuen Koalitionspartner, die Christliche Volkspartei.

Argentinien

In Argentinien ist eine Initiative zur Legalisierung der Abtreibung gescheitert. Sie ist bislang nur im Fall von Vergewaltigung oder Lebensgefahr für die Mutter erlaubt. Nach der gültigen Gesetzgebung von 1921 machen sich bei einer Abtreibung nicht nur die Ärzte, sondern auch die Frauen strafbar. Zwischen 2007 und 2016 sind in Argentinien 63 Menschen in Verbindung mit illegalen Abtreibungen vor Gericht verurteilt worden.

USA

Die als Magd verkleidete Margeaux Hartline protestiert während einer Kundgebung gegen ein Abtreibungsgesetz vor dem Alabama State House.
Das Abtreibungsgesetz in Alabama verbietet Abtreibungen in fast allen Fällen. Frauen gehen dagegen auf die Straße. Bildrechte: dpa

Der Senat von Alabama hat ein Gesetz verabschiedet, das Abtreibungen in fast allen Fällen verbietet. Ausgenommen sind nur Fälle, in denen eine Abtreibung notwendig ist, "um eine ernste Gesundheitsgefahr für die Mutter des ungeborenen Kindes zu verhindern“. Nach dem Gesetz würden Ärzte, die Abtreibungen vornehmen, künftig eine schwere Straftat begehen und könnten mit bis zu 99 Jahren Haft bestraft werden. Strafbar wären demnach auch Schwangerschaftsabbrüche nach Vergewaltigung oder Inzest.

Auch das Repräsentantenhaus des US-Bundesstaates Missouri hat ein Gesetz verabschiedet, nach dem Abtreibungen nach der achten Schwangerschaftswoche verboten werden sollen. Schwangerschaftsabbrüche wären dann nur noch in medizinischen Notfällen möglich, nicht aber bei Vergewaltigungen oder Inzest. Abtreibungsgegner wollen erreichen, dass eine Grundsatzentscheidung des obersten US-Gerichts von 1973 gekippt wird. Diese hatte Abtreibungen legalisiert.

Irland

Die Iren haben im vergangenen Jahr mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit für eine Verfassungsänderung gestimmt, die es dem Parlament erlaubt, Regelungen für eine legale Abtreibung zu schaffen. Geplant ist, dass Schwangerschaftsabbrüche bis zur zwölften Woche legalisiert werden sollen, bei Gefahr für das Leben oder die Gesundheit der Mutter sogar darüber hinaus. Bislang gilt in Irland ein äußerst striktes Verbot, das Abtreibungen so gut wie unmöglich macht.

Island

Das isländische Parlament hat die Frist für erlaubte Abtreibungen verlängert. Dort darf seit Mai bis zur 22. Schwangerschaftswoche eine Abtreibung vorgenommen werden, ohne dass die Frau die Zustimmung eines medizinischen Ausschusses braucht. Das vorherige Gesetz hatte Abtreibungen nach der 16. Woche verboten. Der Vorstoß hatte eine leidenschaftliche Debatte ausgelöst und war lange im Parlament diskutiert worden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Juni 2019 | 15:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2019, 21:54 Uhr