Flüchtlinge an Bord des Seenotrettungsschiffs "Alan Kurdi" während ein Boot der italienischen Guardia di Finanza vorbei fährt.
65 Flüchtlinge hat die Besatzung der "Alan Kurdi" von einem Schlauchboot im Mittelmeer gerettet. Bildrechte: Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa

Malta "Alan Kurdi": Wer nimmt die Flüchtlinge auf?

Nach tagelanger Irrfahrt über das Mittelmeer durfte das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" am Sonntag seine Flüchtlinge in Malta von Bord lassen - unter der Bedingung, dass sie von dort weiter verteilt werden. Doch wer nimmt die 65 Geretteten auf?

Flüchtlinge an Bord des Seenotrettungsschiffs "Alan Kurdi" während ein Boot der italienischen Guardia di Finanza vorbei fährt.
65 Flüchtlinge hat die Besatzung der "Alan Kurdi" von einem Schlauchboot im Mittelmeer gerettet. Bildrechte: Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa

Nach ihrer Irrfahrt auf dem Mittelmeer sind die 65 Migranten vom deutschen Rettungsschiff "Alan Kurdi" in Malta von Bord gegangen - jetzt stellt sich die Frage, wie es mit ihnen weiter geht. Fest steht, dass die Geretteten umgehend auf andere europäische Länder verteilt werden müssen. Denn das war die Bedingung Maltas, sie überhaupt von Bord zu lassen.

Gespräche zwischen der maltesischen Regierung, der EU-Kommission und Deutschland darüber fanden bereits am Sonntag statt, ohne dass dazu Details bekannt wurden. Die 65 Migranten kamen nach Armeeangaben am Sonntagabend in Malta an. 62 von ihnen seien an ein Patrouillenboot des Inselstaats übergeben worden. Drei Migranten, die dringend ärztliche Hilfe brauchten, wurden demnach schon vorher per Lufttransport geholt.

Salvini verweigert "Alan Kurdi" anzulegen

Die "Alan Kurdi" hatte zuvor mehrere Tage lang erfolglos vor der italienischen Insel Lampedusa auf die Erlaubnis zum Anlegen gewartet. Italiens rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini hatte dies verweigert. Auch Malta hatte zunächst ein Anlegeverbot ausgesprochen. An Bord spitzte sich die Lage zu.

Erst die Bereitschaft anderer EU-Staaten, die Geretteten aufzunehmen, brachte Bewegung in die Situation. Malta erklärte sich am Sonntagabend bereit, die 65 Migranten an Land zu lassen. Die maltesischen Behörden teilten mit, außerdem sei eine Vereinbarung erzielt worden, dass EU-Länder die Hälfte von weiteren 58 Migranten aufnehmen werden, die von der maltesischen Marine aus dem Mittelmeer gerettet worden seien.

Seehofer für Aufnahme von 40 Flüchtlinge

Bundesinnenminister Horst Seehofer begrüßte, dass Malta den insgesamt 123 Migranten erlaubt hatte, an Land zu gehen. "Auf Bitten von Malta sollen hiervon 94 Personen in andere Mitgliedstaaten verteilt werden. Im Geiste der europäischen Solidarität habe ich angeboten, dass wir uns hieran mit bis zu 40 Personen beteiligen", teilte er am Abend über sein Ministerium mit.

Die kommissarische SPD-Chefin Manuela Schwesig forderte eine gerechte Verteilung von Flüchtlingen in Europa. "Wir müssen das Drama im Mittelmeer umgehend beenden. Dafür benötigen wir eine gesamteuropäische Lösung für die Verteilung von Geflüchteten, bei der alle EU-Staaten ihren Anteil beitragen", sagte Schwesig den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Müller fordert Hilfe für Flüchtlinge in Libyen

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller forderte einen sofortigen internationalen Rettungseinsatz für die Flüchtlinge in Libyen. "Notwendig ist eine gemeinsame humanitäre Initiative von Europa und Vereinten Nationen zur Rettung der Flüchtlinge auf libyschem Boden. Die neue EU-Kommission muss sofort handeln", sagte Müller der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Die Menschen in den dortigen Elendslagern haben die Perspektive, in den Camps durch Gewalt oder Hunger zu sterben, auf dem Rückweg in der Wüste zu verdursten oder im Mittelmeer zu ertrinken."

Die "Alan Kurdi" hat sich derweil direkt wieder auf den Weg gemacht. Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler twitterte am Sonntagabend: "Es geht weiter. Wir fahren die #AlanKurdi direkt zurück ins Einsatzgebiet. Meine #Crew will #weiterretten." Dank der schnellen Hilfe der Regierung von Malta sei man einsatzfähig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Juli 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juli 2019, 09:42 Uhr

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50 Kommentare

09.07.2019 09:33 jochen 50

Am besten Alle in Seehofers Wohnort ausladen und unterbringen.

08.07.2019 22:41 D.o.M. 49

Malta profiliert sich jetzt wahrlich als einladend weit geöffnetes Einfallstor. Und wenn Sie jetzt noch einen Dreh gefunden haben, wie sie die Ankommenden schnell durchreichen können, dann haben sie Europa einen richtig guten Dienst erwiesen. Einen richtig nachhaltigen, an dem noch Genrationen zu knabbern haben werden wie an Lembasbrot.

08.07.2019 21:42 Auf der Sonnenseite des Lebens 48

"Peter 47
"Denn wirkliche Lösungen dagegen wurden nie gefunden."

Weil nicht danach gesucht wurde!

08.07.2019 21:03 Peter 47

Es wird nicht mehr aufhören, dass Afrika und der Nahe Osten nach Europa übersiedeln. Und das ist auch gut so. Es wäre nur Zufall gewesen, wenn der Flüchtlingsstrom endete. Denn wirkliche Lösungen dagegen wurden nie gefunden. So wird auch dieses Fluchtproblem gelöst werden wie viele andere ungelöste Probleme der Menschheit: mit Ablehnung, Ungerechtigkeit, Gewalt und vielleicht sogar Krieg. Die Mehrheit hat das Ergebnis so nicht gewollt, aber verursacht.

08.07.2019 20:59 Auf der Sonnenseite des Lebens 46

"Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler twitterte am Sonntagabend: "Es geht weiter."

früher hat man verschlüsselte Nachrichten übermittelt, oder hat sich wenigstens bemüht es zu verschleiern. LOL

Dann holt mal die Schiffbrüchigen ab.

08.07.2019 18:49 carla 45

Den Menschen, welche sich für die Migration nach Europa stark machen, unterstelle ich keine bösen Absichten. Der Gedanke und/oder Wunsch noch möglichst vielen Menschen zu helfen oder Leben zu retten ist nachvollziehbar. Eines haben sie jedoch dabei aus den Augen verloren: die Bevölkerungszahl in Afrika beträgt 1,216 Milliarden Menschen. Es ist unklar, wie viele Menschen sich noch auf den Weg machen werden. Es ist eine reine Rechenaufgabe, wie hoch die Zahl bei 0,5% oder 1% wäre. Beim besten Willen wird Europa das nicht schaffen.

08.07.2019 18:36 Peter 44

Diese NGOs versuchen auf Kosten von Menschenleben ihre politischen Ziele durchzusetzen. Man will provozieren, grösstmögliche Aufmerksamkeit auslösen mit diesem Affront gegen Italien. Es ist ein faules Spiel, verwerflich wie diese "Aktivisten" agieren. Nebenbei befördert man noch die Schlepperei, betätigt sich am Ende sogar noch selbst daran.

08.07.2019 16:45 Kritischer Bürger 43

@Frank 28: +... Es bleibt der falsche Ansatz. Hilfe und Perspektive für diese Menschen in ihren Heimatländern wäre langfristig sinnvoller für alle....+
SICHER hilfreich und sinnvoll nur bei solchen Regierungen in entsprechenden Ländern wie Syrien, Libyen und andere afrikanische, zentral und südafrikanische Länder aus denen viele der Flüchtlinge kommen geht genau diese Hilfe zum großen Teil in ganz andere Taschen als zu den Armen. Nun frage ich mich: WOHER haben die armen, verfolgten Menschen nur so viel Geld, Wertstücke etc. um Überfahrten bezahlen zu können? Von zentral.- oder Südafrika durch das ganze Land zu ziehen und solche Werte mit sich zu führen kann doch dann wohl kaum so gefährlich sein. Genau auf diese NGOs wird sich verlassen, das Geschäft der Schlepper boomt und keiner denkt daran diese "armen" mit tausenden von Dollar oder Euro durch das ganze Land ziehende Menschen sind / kommen auf dem Mittelmeer dann in SEENOT und müssen gerettet werden.

08.07.2019 16:28 Mikro 42

Immer mit den Goldstücken.Hab extra Teddybären organisiert.Ich freu mich drauf.

08.07.2019 16:00 Abo abschließen 41

Die Schleuser sollten Abo abschließen,monatl.soviel in die jeweiligen Länder...erspart viel Stress u.der Sekt kann schon kaltgestellt werden für die fleißigen Retter........