Flüchtlinge an Bord des Seenotrettungsschiffs "Alan Kurdi" während ein Boot der italienischen Guardia di Finanza vorbei fährt.
Gerettete Mittelmeer-Flüchtlinge an Bord der "Alan Kurdi". Bildrechte: Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa

Rettungsmission Malta übernimmt Migranten von "Alan Kurdi"

Tagelang hatte das Rettungsschiff "Alan Kurdi" nach einem sicheren Hafen für 65 Migranten gesucht. Nun nahm Malta die Flüchtlinge auf, will sie aber umgehend an andere EU-Staaten verteilen.

Flüchtlinge an Bord des Seenotrettungsschiffs "Alan Kurdi" während ein Boot der italienischen Guardia di Finanza vorbei fährt.
Gerettete Mittelmeer-Flüchtlinge an Bord der "Alan Kurdi". Bildrechte: Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa

Malta hat die 65 Migranten vom Rettungsschiff "Alan Kurdi" übernommen. Ein Boot der maltesischen Marine nahm die Menschen am Sonntagabend an Bord und brachte sie an Land. Wie die Regierung zuvor nach Gesprächen mit der Europäischen Kommission und der deutschen Regierung mitgeteilt hatte, sollen die Geretteten unmittelbar auf andere Mitgliedsstaaten der EU verteilt werden.

Kein einziger werde in Malta verbleiben, hatte die Regierung angekündigt. Außerdem sei eine Vereinbarung erzielt worden, dass EU-Länder die Hälfte von 58 weiteren Migranten aufnehmen werden, die von der maltesischen Marine aus dem Mittelmeer gerettet worden seien. Bundesinnenminister Horst Seehofer teilte am Abend mit, Deutschland sei bereit, insgesamt bis zu 40 Personen aufzunehmen.

Hilfsorganisation freudig überrascht

"Wir sind freudig überrascht", sagte der Einsatzleiter der Hilfsorganisation Sea-Eye, Gorden Isler. Zugleich meinte Isler: "Dass sich nun wieder Staatschefs mit der Verteilung einzelner Migranten befassen müssen, ist wirklich peinlich." Es müsse endlich ein Verteilungsmechanismus für Flüchtlinge und Migranten in Europa gefunden werden.

Malta und Italien fordern dauerhaften Mechanismus

Auch Malta und Italien sprachen sich für einen dauerhaften Mechanismus im Umgang mit Migranten aus. In einer gemeinsamen Erklärung sagten die Außenminister Abela und Moavero, es gehe nicht länger, immer nur von Fall zu Fall nach Lösungen in Notfällen zu suchen. Beide Minister schlugen vor, das Thema auf die Tagesordnung des nächsten Außenministertreffens im Juli zu setzen.

Italien verbietet Anlegen

Mit Aufnahme durch Malta endete eine tagelange Irrfahrt der "Alan Kurdi" auf dem Mittelmeer. Ursprünglich wollte das deutsche Rettungsschiff der Organisation See-Eye das italienische Lampedusa anlaufen. Angesichts massiver Drohungen der Regierung in Rom änderte die "Alan Kurdi" ihren Kurs Richtung Malta. Sea-Eye-Sprecherin Carlotta Weibl hatte erklärt: "Wir sind sicher, dass Malta uns einen sicheren Hafen bieten wird, sobald Deutschland und andere EU-Staaten anbieten, die Menschen aufzunehmen. Wir erwarten, dass Malta damit nicht allein gelassen wird."

65 Gerettete an Bord der "Alan Kurdi"

Die "Alan Kurdi" ist nach dem dreijährigen syrischen Flüchtlingsjungen benannt, dessen Leiche im Spätsommer 2015 an einem Strand in der Türkei angespült wurde. Das Schiff hatte nach eigenen Angaben am Freitag 65 Menschen von einem Schlauchboot im Mittelmeer gerettet. Ein Angebot der libyschen Küstenwache, den Hafen der Stadt Sawija als "sicheren Zufluchtsort" anzulaufen, lehnte das Rettungsschiff ab.

Zuvor war das Segelboot "Alex" der italienischen Hilfsorganisation Mediterranea mit 41 Migranten an Bord trotz Verbots in den Hafen von Lampedusa eingefahren. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bot an, einen Teil der Geflüchteten in Deutschland aufzunehmen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Juli 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juli 2019, 13:17 Uhr