Brennende Trümmer einer Boeing 777 der Malaysia Airlines liegen nahe Donezk in der östlichen Ukraine
Brennende Trümmer der abgeschossenen Boeing 777 der Malaysia Airlines nahe Donezk. Bildrechte: dpa

Tragödie über Ostukraine Haftbefehle wegen MH17-Abschuss ausgestellt

Wegen des Abschusses eines malaysischen Passagierjets über der Ostukraine hat die niederländische Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen drei Russen und einen Ukrainer ausgestellt. Zwei der Männer wiesen eine Beteiligung vehement zurück. Beim Abschuss des Fluges MH17 im Juli 2014 waren 298 Menschen gestorben, die meisten von ihnen Niederländer.

Brennende Trümmer einer Boeing 777 der Malaysia Airlines liegen nahe Donezk in der östlichen Ukraine
Brennende Trümmer der abgeschossenen Boeing 777 der Malaysia Airlines nahe Donezk. Bildrechte: dpa

Knapp fünf Jahre nach dem Abschuss von Flug MH17 über der Ostukraine hat die niederländische Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen vier Tatverdächtige ausgestellt.

Wie der leitende Staatsanwalt Fred Westerbeke am Mittwoch in Nieuwegein mitteilte, werden vier hochrangige prorussische Rebellen des 298-fachen Mordes beschuldigt. Drei der von einem internationalen Ermittlerteam identifizierten Männer seien russische und einer ukrainischer Staatsbürger. Laut Westerbeke werden die Namen der Verdächtigen auf internationale Fahndungslisten gesetzt. Der Strafprozess gegen die vier Männer soll am 9. März 2020 in den Niederlanden beginnen.

Angeblich auch Geheimdienst-Offiziere

Start einer Flugabwehrakete: Screenshot aus der MH17-Untersuchung 2016
Abschuss einer Buk-Luftabwehrrakete (Screenshot aus der MH17-Untersuchung 2016). Bildrechte: dpa

Einer der Verdächtigen ist nach Angaben des niederländischen Staatsanwaltes der ehemalige Offizier des russischen Geheimdienstes FSB, Igor Girkin. Er soll unter dem Namen Igor Strelkow oberster Militärbefehlshaber und selbsternannter Verteidigungsminister der Rebellen in der Ostukraine gewesen sein.

Bei den übrigen drei Verdächtigen handelt es sich demnach um einen ehemaligen Mitarbeiter des Militärgeheimdienstes GRU, einen ehemaligen Elite-Soldaten und einen ukrainischen Separatisten. Zwei der Verdächtigen sollen sich in Russland aufhalten, ein weiterer sei zuletzt in der Ostukraine gesichtet worden.

Hauptverdächtiger weist Beteiligung zurück

Der Hauptverdächtige Girkin hat die Vorwürfe am Mittwoch - nicht zum ersten Mal - kategorisch zurückgewiesen. "Die Rebellen haben mit dieser Katastrophe nichts zu tun - weder ich noch andere", sagte er der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Ein zweiter Verdächtiger ließ über einen Sprecher ebenfalls eine Beteiligung zurückweisen.

Abschuss mit Buk-Rakete

Flug MH17 war am 17. Juli 2014 über dem Donbass in der Ostukraine von einer Luftabwehrrakete des Typs Buk abgeschossen worden, der sowohl in den russischen als auch in den ukrainischen Streitkräften eingesetzt wird. 298 Menschen starben bei dem Abschuss der Boeing-777 der Malaysia Airlines, die meisten waren Niederländer.

Die vier Verdächtigen werden von dem internationalen Ermittlerteam beschuldigt, für den Transport der Buk-Luftabwehrrakete aus Russland in die Ostukraine verantwortlich gewesen zu sein. An dem internationalen Ermittlerteam JIT beteiligen sich die Niederlande, Malaysia, die Ukraine, Australien und Belgien. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Juni 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2019, 16:56 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

8 Kommentare

20.06.2019 10:54 Frank 8

Vier hochrangige prorussische Rebellen werden des 298-fachen Mordes beschuldigt. Stand das nicht schon vor ca. 2 Jahren fest ?

Man darf gespannt sein, auf den Strafprozess. Dort werden wohl keine Indizien mehr ausreichen, dort müssen dann Beweise auf den Tisch.

@ 3: Warum man seit Jahren eine russische Beteiligung an der Ermittlung von Seiten dieses internationalen Ermittlerteams (JIT) kategorisch ablehnt ? Weil die Ukraine gegen eine Hilfe russischer Behörden bei den Ermittlungen interveniert hat. Und dem musste man sich dann wohl irgendwie "fügen".

20.06.2019 10:10 Peter 7

@3@4: Jeder Interessierte sollte sich die Zeit nehmen und bei wikipedia unter "Malaysia-Airlines-Flug 17" nachlesen.
Und danach kann man in Ruhe nachdenken, aber bitte ohne Scheuklappen.

20.06.2019 09:27 Meckersack 6

@pickering: Können Sie auch logisch erklären warum Russland ein UN- Tribunal mit seinem Veto- Recht blockiert hat!? Ich finde das unmöglich wie die Putin- Fans, bei MH-17, die Opfer verhöhnen. Die Beweislage ist mittlerweile erdrückend und die Russen haben von Anfang an eine riesige Desinformationskampagne gefahren und jegliche Verantwortung von sich gewiesen, mit widersprüchlichen Thesen. Ist doch logisch, dass die Holländer den JIT sich nicht sabotieren lassen wollten. BUK- Raketen werden zur Panzerunterstützung eingesetzt, um diese vor feindlicher Luftwaffe zu schützen. Die Rebellen hatten nie eine Luftwaffe, somit gab es für ukrainische BUKs überhaupt kein Einsatzprofil. Aber wer leugnet Panzer im Rebellengebiet einzusetzen, kann natürlich nicht zugeben Schutzschirme dafür benutzt zu haben. Ekelhaft so ein Lügengerüst und Rückratlos!

20.06.2019 07:33 Gaihadres 5

@Nr.1: Ich bezweifle, dass Sie oder ich auch nur annähernd genügend Informationen zu diesem Fall besitzen. Fakt ist aber eins, es sind bei diesem Absturz sehr viele Menschen zu Tode gekommen. Und so eine Maschine fällt nicht einfach so vom Himmel. Waffen die solch einen Absturz verursachen können im übrigen auch nicht.

19.06.2019 22:51 Baldur von Ascanien 4

@ 2 Lieber Peter ich hätte ihnen auch nicht zugetraut das sie von ihrer SPD Sympathie nichts mehr erzählen. Aber wenn alle schuldig wären, welchen man zutraut es gewesen sein zu können, hätten wir eine Welt voll Verdächtige. Das ihnen da die Russen super in ihren, eigentlich FJS-Horizont, passen ist ganz normal, wo doch die Mehrheit der Informierten weis, wer sein eigenes Volk mit Raketen beschossen hat. Aber das passt nicht in ihre idiologische Sicht auf die Welt. Entweder Putin oder die AFD, einer muss schuldig sein. Hatten sie das nicht auch bei Lübcke verlautbart? Das Putin mal zum Nazi mutieren würde? Das Volk mit den meisten Opfern der Braunen, ach, das wussten sie nicht?

19.06.2019 21:49 pickering 3

@Peter
Ach sie (und andere) trauen das dem Russen zu?
Na dann war er's ganz bestimmt.
Klingt irgendwie nach Hexenverfolgung in Bamberg,
kann mich aber auch taeuschen.
Bei ihnen scheint jahrelange Indoktrination ("Der Russe ist boese!") bestens zu funktionieren.
Allerdings frage ich mich, warum man seit Jahren eine russische Beteiligung an der Ermittlung von Seiten dieses internationalen Ermittlerteams (JIT) kategorisch ablehnt,
warum man seit Jahren Erkenntnisse, die von russischer Seite nach Holland uebermittelt werden, die Zweifel an der These aufkommen lassen, dass Russland oder die Rebellen etwas mit dem Abschuss zu tun haben, ignoriert?
(Steht garantiert so nicht in der Bl*d)

19.06.2019 20:00 Peter 2

@1 Sabrina: Und Sie meinen tatsächlich, der Fall könnte sich so, wie es die internationalen Ermittler schildern, nicht zugetragen haben.
Ich für meinen Teil traue das sehr wohl den Russen zu. Andere übrigens auch: Fragen Sie einfach mal bei unseren östlichen Nachbarn nach. Und zwar bei allen.

19.06.2019 19:26 Sabrina 1

Das ist nichts anderes als politische Propaganda und auch ein Einschüchterungsversuch.
Polit-Justiz als Instrument der politischen Herrschaft.