Zwei Mitarbeiter in Schutzanzügen sitzen 2000 im Militärdepot in Gorny auf Fässern mit dem Giftgas Schwefellost.
Russische Militärangehörige im Jahr 2000 im Kampfstoffdepot in Gorny. Laut Kreml wurden bis 2017 alle Chemiewaffen vernichtet. Bildrechte: dpa

Anschlag auf russischen Ex-Agenten Kreml: Gift stammt aus westlichem Labor

Russland hat dem Westen vorgeworfen, in das Giftattentat auf den russischen Ex-Agenten Skripal verwickelt zu sein. Demnach soll das verwendete Nervengift Nowitschok aus Großbritannien selbst, den USA, Schweden oder Tschechien stammen.

Zwei Mitarbeiter in Schutzanzügen sitzen 2000 im Militärdepot in Gorny auf Fässern mit dem Giftgas Schwefellost.
Russische Militärangehörige im Jahr 2000 im Kampfstoffdepot in Gorny. Laut Kreml wurden bis 2017 alle Chemiewaffen vernichtet. Bildrechte: dpa

Russland hat dem Westen eine Beteiligung am Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien vorgeworfen. Alexander Schulgin, Vertreter bei der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), nannte es "hochwahrscheinlich", dass das verwendete Gift aus einem westlichen Labor stamme. Er sagte der Agentur Interfax: "Um nicht um den heißen Brei herumzureden, nenne ich diese Länder direkt: Das sind vor allem Großbritannien selbst und die USA."  

Schulgin zufolge haben westliche Geheimdienste in den 1990er-Jahren russische Chemiker mit Kenntnissen über Arbeiten aus der Sowjetzeit angeworben. Westliche Staaten hätten mit diesen Informationen aktiv gearbeitet. Die russischen Angaben waren zunächst nicht überprüfbar.

Russisches Außenministerium bringt weitere Länder ins Spiel

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, zählte im Nachrichtensender "Rossija 24" Großbritannien, Tschechien, die Slowakei, Schweden und eventuell die USA als mögliche Herkunftsländer des Nervengiftes Nowitschok auf.

Sprecherin des Russischen Außenministeriums Sacharowa
Außenamtssprecherin Maria Sacharowa Bildrechte: dpa

Die Regierungen der beschuldigten Länder wiesen dies vehement zurück. So betonte das tschechische Verteidigungsministerium, man halte streng die Vorgaben der Chemiewaffenkonvention ein. Schwedens Außenministerin Margot Wallstrom nannte die Behauptung inakzeptabel und unbegründet.

Indes kritisierte der russische Außenminister Sergej Lawrow erneut die westliche Darstellung des Konflikts um den Anschlag auf Skripal als einseitig. "Die westliche Propaganda wird leider immer primitiver und unverschämter", heißt es in einer Mitteilung am Samstag. Der Fall werde in den Medien zu vereinfacht dargestellt.

Komplizierte Ermittlungen

Nach Angaben von Scotland Yard könnten die Untersuchungen im Fall Skripal noch Monate dauern. Die Polizei erstelle ein komplettes Bewegungsprofil von Vater und Tochter in den Stunden vor dem Anschlag. Rund 400 Zeugen hätten bereits ausgesagt, Hunderte weitere sollen in den nächsten Tagen dazukommen. Etwa 250 Spezialisten der Anti-Terror-Polizei seien mit dem Fall beschäftigt. Mehr als 700 Beweisstücke wurden demnach sichergestellt und umfangreiches Videomaterial ausgewertet. 

Eiszeit zwischen London und Moskau

London und Moskau haben sich wegen des Anschlags auf den Ex-Spion Skripal und seine Tochter überworfen. Die beiden liegen in einer britischen Klinik und sind weiter in einem kritischen Zustand. Nach britischen Erkenntnissen wurden sie mit dem in der Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok vergiftet. London beschuldigt Russland, hinter dem Attentat zu stecken.

Skripal soll den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 über russische Agenten in Europa informiert haben. 2004 flog der ehemalige Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU auf und wurde festgenommen. Er wurde zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Rahmen eines Gefangenenaustauschs kam er 2010 nach Großbritannien.

Moskau bestreitet die Vorwürfe und verweist auf fehlende Beweise. Nach russischen Angaben wurden sämtliche Chemiewaffenbestände aus Sowjetzeiten vernichtet. Der Streit droht zu eskalieren. Beide Seiten wiesen gegenseitig Diplomaten aus. Andere westliche Nationen stellten sich hinter die britische Regierung, darunter Deutschland.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. März 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2018, 22:45 Uhr

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14 Kommentare

18.03.2018 20:37 Manuel 14

Zum Verständnis möglicher Motive des britischen Handelns sei ein Blick in die Geschichte gestattet.
1982 kam es zum Falklandkrieg, als argentinische Machthaber eine bedeutungslose, von UK besetzte Insel zurückeroberten.
Thatcher passte der Krieg ins Konzept, ebenso wie der argentinischen Putschregierung, um von innenpolitischen Problemen abzulenken und das Volk hinter sich zu bringen.
Der Niedergangs UK's durch Verstrickung in illegale Kriege, Brexit usw. stellt ein starkes Motiv für die gezeigte außenpolitische Kraftmeierei dar.

18.03.2018 15:25 Fragender Rentner 13

@ zu 11

Die fordern doch schon lange das wir die 2% für die Rüstung ausgeben sollen. :-(

Soll jetzt bei ca. 1,4% liegen. :-(

18.03.2018 15:06 colditzer 12

Großbritannien ist die Sammelstelle ausgedienter, verbrauchter und blutleerer russischer Exspione.
Da tummeln sich hunderte auf 5 Quadratkilometer.
Alle zu Diensten von MI5 und MI6.
Das war bestimmt nicht der letzte Fall wo einer an Herzschwäche oder zuviel Alk umfällt.

18.03.2018 13:02 ein schon länger in Deutschland lebender 11

jetzt wird es nicht mehr lange dauern und Herr Jens Stoltenberg fordert wieder Aufrüstung gegen Russland.

Da kann es dann nicht genug Kernwaffen geben, aber die AKW werden abgeschaltet.

Ist schon irre

18.03.2018 11:06 Ludwig 10

Und nun? Werden sich die Briten endlich kooperativ zeigen und beweisen, warum sie nichts damit zu tun haben!? Vielleicht hatten sie ja ein ganz aktuelles Interesse daran, dass der Doppelagent und seine Tochter ausgeschaltet werfen sollten. Vielleicht wussten die zu viel!?

18.03.2018 10:55 Fragender Rentner 9

Ist schon sehr merkwürdig, das man bei der Kleidung und was so alles im Koffer war nichts findet von dem Zeug,aber möglicherweise auf einer Parkbank !!! :-(((

18.03.2018 08:10 Hans 8

Jetzt muss Frau May sagen, warum sie so etwas getan hat und wer ihre Auftraggeber sind. Wenn Frau May nicht gesteht, kann Russland mit Vergeltung drohen. Schließlich wurde ein russischer Agent in England ermordet.

18.03.2018 07:00 kleinerfrontkämpfer 7

Der freie und liberale Waffenmarkt gibt alles her was das Herz und der Augenblick erfordert. Und hinter russ,/sowj. Technologie ist der Westen ja her wie der Teufel. Jets im Koreakrieg, U-Boote mit verschleierter Bergung im Pazifik, und Waffen/Raketen/Panzer von der Buntenwehr/NVA. Da braucht es schon ein sehr schlichtes Gemüt um die Objektivität der Berichterstattung im Westen zu dem Nervengasfall anzunehmen.

18.03.2018 06:52 Friedensfreund 6

Russland ergeht sich in Ablenkungspropaganda. Die Vorwürfe des russischen Fernsehens erinnern mich daran, wie es 2014 versuchte, den Abschuss eines malaysischen Passagierflugzeuges der Ukraine in die Schuhe zu schieben und wie die französische Ausgabe von Russia Today vor der französischen Präsidentwahl das Gerücht breittrat, Herr Macron sei homosexuell. Das Gift stammt aus Russland. Wenn es dann auch noch im Koffer der Tochter Skripals nach England geschleust wurde, dann stellt sich die Frage, wer denn außer dem russischen Staat die Möglichkeit hatte, ihr dieses Gift unterzujubeln. Bei Flugreisen werden die Koffer am Schalter abgegeben. Da hatte der russische Geheimdienst seine Gelegenheit, andere Staaten nicht.

18.03.2018 06:41 ein schon länger in Deutschland lebender 5

"Andere westliche Nationen stellten sich hinter die britische Regierung, darunter Deutschland."

da braucht nur einer mit dem Finger Richtung Russland zu zeigen und Frau Merkel springt auf den Zug mit auf.
Beweise, spielen dabei keine Rolle.

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